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Formel 1 : „Ich dachte, es wäre aus“

  • Aktualisiert am

Teures Wrack: Burtis Bolide Bild: dpa

Heinz-Harald Frentzen war Augenzeuge von Luciano Burtis Unfall in Spa: „Es sah grausam aus.“ Wie durch ein Wunder blieb Burti fast unverletzt.

          3 Min.

          Michael Schumachers Freude über den eigenen Sieg hielt sich in Grenzen. Die Gedanken des Weltmeisters galten dem schwer verunglückten Kollegen Luciano Burti (Prost), der nach einer Kollision mit Jaguar-Pilot Eddie Irvine bei Tempo 300 von der Strecke abgekommen und mit fast 240 Stundenkilometern in einen Reifenstapel gerast war.

          „Das Rennen ist perfekt gelaufen. Nur schade, dass mein Sieg mit dem Unfall von Burti einen faden Beigeschmack hatte. Es zeigt, dass der Rennsport weiter gefährlich ist. Wichtig ist nur, dass es Burti gut geht“, sagte der Ferrari-Star.

          Michael Schumacher hatte zuvor mit dem 52. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere beim chaotischen Großen Preis von Belgien in Spa Geschichte geschrieben und ist nun alleiniger Weltrekordler vor Burtis Teamchef Alain Prost (51 Siege).

          Auf dem Weg zum Weltrekord: Michael Schumacher

          „Es sah grausam aus“

          14 Tage nach dem vorzeitigen Gewinn seines vierten WM-Titels siegte Schumacher auf seiner Lieblingsstrecke überlegen vor David Coulthard (Schottland) im McLaren-Mercedes und dem Italiener Giancarlo Fisichella (Benetton).

          Das Rennen wurde aber von Burtis Crash überschattet, den der Brasilianer wie durch ein Wunder fast unverletzt überlebte. „Ich war dahinter, es sah grausam aus“, berichtete Burtis deutscher Teamkollege Heinz-Harald Frentzen. „Ich dachte, es wäre aus - es war ein unglaublicher Aufprall.“

          „Er wird sicher ein paar blaue Flecken haben“, sagte Schumacher unmittelbar nach dem Rennen. „Die gute Nachricht jedoch ist: Luciano ist ansonsten okay.“

          Keine Brüche und Schwellungen im Gehirn

          In der Tat befindet sich Burti auf dem Weg der Besserung. „Es geht ihm schon viel besser als am Sonntag“, sagte Virginie Papin, Sprecherin von Burtis Prost-Rennstall, am Montag. „Er ist wach und unterhält sich mit den Leuten im Krankenhaus.“

          Bereits während des gesamten Fluges mit dem Rettungshubschrauber ins Universitäts-Klinikum Saint Tilman in Lüttich war Burti bei Bewusstsein, sagte ein Kliniksprecher. Bei routinemäßigen Untersuchungen wurde dann festgestellt, „dass er keinerlei Knochenbrüche, sondern lediglich einige Prellungen erlitten hat“, hieß es in einer Erklärung des Krankenhauses.

          Bei einer Computertomographie von Burtis Kopf wurden auch keine Schwellungen im Gehirn festgestellt. „Er wurde danach für ungefähr eine Stunde in einen künstlichen Schlaf versetzt, um sich zu erholen, weil er in Folge des Schocks sehr aufgewühlt war, und ist völlig normal wieder aufgewacht“, teilten die Ärzte mit.

          Burtis Start in Monza ungewiss

          Laut Aussagen aus Burtis privatem Umfeld in Sao Paulo war noch am Sonntagabend nach dem Rennen Ferrari-Pilot Rubens Barrichello im Krankenhaus, um sich nach dem Gesundheitszustand seines Landsmannes zu erkundigen.

          Ob Luciano Burti beim Großen Preis von Italien am 16. September in Monza starten wird, ist noch offen. „Darüber können wird derzeit nichts sagen, es ist noch zu früh“, sagte Virginie Papin. „Zunächst wird Luciano Burti wohl noch bis zum Ende dieser Woche zur weiteren Beobachtung im Krankenhaus bleiben.“

          Zu viele Knöpfe gedrückt

          Das Rennen selbst war nach dem Unfall in den Hintergrund gerückt. Daher ging Michael Schumachers souveräner Start-Ziel-Sieg ein wenig unter. Allzu sehr mochte der Weltmeister den Erfolg auch nicht kommentieren. „Nur einmal habe ich die Konzentration verloren“, sagte er dann doch nach seinem fünften Sieg (nach 1992, 1995, 1996 und 1997) auf seiner Lieblingsstrecke. „Da habe ich wohl mit zu vielen Knöpfen gleichzeitig gespielt.“

          Williams-BMW-Pilot Ralf Schumacher wurde, aus der letzten Reihe startend, Siebter, Heinz-Harald Frentzen belegte nach einer Startpanne im Prost den neunten Rang. Für Nick Heidfeld (Sauber) war das Rennen nach einem Unfall mit defektem Frontflügel vorzeitig beendet.

          Michael Schumacher ging gleich in Führung

          Insgesamt gab es etliche Pannen auf dem berüchtighten Ardennen-Kurs, vor allem in der Startphase. Nachdem der erste wegen Getriebeproblemen an Heinz-Harald Frentzens stehengebliebenem Prost abgebrochen worden war und kurz nach dem zweiten Burtis Crash passierte, wurde das Rennen zum dritten Mal gestartet.

          Ralf Schumacher musste sich, wie zuvor Williams-BMW-Teamkollege Juan Pablo Montoya, wegen technischer Probleme in der letzten Startreihe einordnen. Dadurch war der Weg frei für Michael Schumacher, der gleich in Führung ging und sich schnell absetzte.

          Dumm gelaufen für Ralf Schumacher

          „Es ist dumm gelaufen für meinen Bruder“, kommentierte der Weltmeister dessen Missgeschick. „Für mich war es natürlich gut, dass ich nicht gegen die Williams-BMW starten musste. Ralf hätte ich mit Sicherheit nicht halten können.“

          Der Angesprochene sah den ärgerlichen Vorfall mit Sarkasmus: „Ich hatte mir gedacht: Bleibst du mal stehen und machst die Sache etwas spannender.“ Spannend wurde seine Aufholjagd in der Tat - aber nicht von Erfolg gekrönt.

          Als Siebter verpasste Ralf Schumacher knapp die Punkteränge, musste mit weiterhin 44 Zählern einen Rückschlag im Rennen um WM-Platz zwei einstecken. Da hat derzeit David Coulthard mit 57 Punkten beste Aussichten, der in Spa fünftplatzierte Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello ist mit 48 Zählern momentan WM-Dritter.

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