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Formel 1 : Hersteller verstärken Druck auf Kirch

  • Aktualisiert am

McLaren-Mercedes: Erst die Reifen, dann die Rennserie wechseln? Bild:

Mit konkreten Plänen für eine eigene Rennserie wollen die Autohersteller die Zukunft der Formel 1 sichern, falls die Verhandlungen mit der Kirch-Gruppe scheitern.

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          Die in der Formel 1 engagierten Autohersteller bereiten sich mit geballter Kraft auf den Fall vor, dass die Verhandlungen mit der Kirch-Gruppe über die Zukunft der Königsklasse nach 2007 zu keinem Ergebnis führen. „Die Hersteller werden in wenigen Tagen eine Gesellschaft gründen, die eine neue Rennserie starten könnte, die fähig ist, eine Rennserie zu organisieren, falls es zu keiner Übereinstimmung mit Kirch kommt“, erklärte DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert am Freitag in Stuttgart.

          Hubbert signalisierte zugleich, dass die Hersteller Interesse an einer Übereinkunft mit dem Medienriesen hätten, der 75 Prozent an der Formel-1- Vermarktungsgesellschaft SLEC hält: „Es wäre verrückt, nicht zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.“ Neben Hubbert werden Luca di Montezemolo (Ferrari/Fiat), Wolfgang Reitzle (Jaguar/Ford), Burkhard Göschel (BMW) und Patrick Faure (Renault) dem Vorstand der neuen Firma angehören, mit der die Hersteller ihre Position in den Verhandlungen mit Kirch stärken wollen. Weitere Hersteller können ebenfalls einsteigen.

          Haug: " Es geht um die Zukunft der Formel 1"

          Die Münchner Kirch-Gruppe steht aber mit den Konzernen in Verhandlung über eine Beteiligung an der SLEC. „Es geht nicht um eine Konkurrenzserie, sondern um die Zukunft der Formel 1“, erläuterte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: „Die Formel 1 ist zu einer Plattform für die Hersteller geworden, fast jedes Team ist irgendwie mit einem Konzern verbunden. Das einzige Ziel ist, die Stabilität dieser Plattform zu sichern.“

          Eine neue Grand-Prix-Serie könnte frühestens 2008 nach dem Ablauf des derzeitigen „Concorde Agreement“ starten. In diesem bis 2007 gültigen Abkommen haben sich die Teams, der Internationale Automobil- Verband FIA und die Vermarktungsgesellschaft SLEC über den Ablauf in der Königsklasse des Motorsports geeinigt. „Vielleicht müssten wir dann den Namen wechseln“, sagte McLaren- Teamchef Ron Dennis. „Aber es würde die Formel 1 bleiben.“ Auch Hubbert und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bekräftigten, dass es keine Parallel-Serie geben könne.

          Sorge um Sponsoren und Publicity

          Hersteller und Teams treiben bei ihrem Vorstoß vor allem die Sorgen um die Zukunft der medien- und werbewirksamen Formel 1, um die Verteilung der damit eingenommenen Milliarden und um die Ausstrahlung im Free-TV. „Mit Toyota sind in der kommenden Saison sieben der zehn wichtigsten Hersteller in der Formel 1 engagiert“, verwies Hubbert auf die Bedeutung der weltweit populärsten und wichtigsten Rennserie.

          Weltweit verfolgen pro Rennen 300 bis 350 Millionen Menschen die Rennen der Formel 1, allein in Deutschland sind es im Schnitt pro Grand Prix mehr als zehn Millionen. Damit erhalten die Hersteller, aber auch die Sponsoren und Partner der Teams weltweit eine enorme Publicity. Die Hersteller hätten nach eigener Aussage kein Interesse am finanziellen Gewinn einer Serie, an der sie beteiligt wären. Die Einnahmen sollen unter den Teams aufgeteilt werden, die auch jetzt über McLaren-Chef Ron Dennis, Jaguar-Sportdirektor Niki Lauda und Arrows-Chef Tom Walkinshaw an den Gesprächen beteiligt sind.

          "Ziel: Formel 1 weiter im Free-TV"

          Laut Hubbert müsse eine zufriedenstellende Lösung der Situation nicht unbedingt eine Übernahme von Anteilen an SLEC sein. „Es ist nicht unser Interesse, die Mehrheit zu übernehmen“, erklärte er. Die Hersteller hätten auch keinerlei Vorbehalte gegen Kirch als Partner. „Das Ziel ist, dass der Sport unabhängig bleibt, die Übertragung im Free-TV und das Format der Formel 1 erhalten bleiben“, sagte Hubbert.

          Außerdem gehe es darum, ein professionelles, unabhängiges Management aufzubauen, das irgendwann die Nachfolge von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone (71) antreten soll. „Im Moment ist Ecclestone der einzige, der alles weiß. Das ist jetzt gut, für die Zukunft aber nicht“, meinte Hubbert.

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