https://www.faz.net/-gtl-2lkp

Formel 1 : Häkkinen: „Zum Glück gibt es keine drei Schumachers“

  • Aktualisiert am

Ausgelassene Brüder Bild: dpa

Kaum hat er seinen zweiten Formel-1-Triumph gefeiert, betreibt Ralf Schumacher wieder Understatement: „Ich bin kein WM-Kandidat.“

          3 Min.

          Nach dem historischen Doppelsieg von Montreal lautet die Frage: Gibt´s künftig die „Formel Schumacher“?

          Silberpfeil-Pilot Mika Häkkinen, der beim Großen Preis von Kanada seine Pechsträhne mit Rang drei hinter Ralf und Michael Schumacher beendete, reagierte fast schon mit Galgenhumor auf das Familienfest: „Zum Glück gibt es keine drei Schumachers.“

          Zwei Mal Schumacher, zwei Gewinner

          110.000 Zuschauer auf der Ile Notre Dame und Millionen vor den Fernsehschirmen waren vom Bruderduell begeistert. Nach 69 Runden triumphierte nicht der dreimalige Weltmeister Michael Schumacher, sondern Bruder Ralf. Nach einer fehlerfreien Vorstellung feierte der BMW-Williams-Pilot überlegen seinen zweiten Formel-1-Sieg nach Imola im April. Damit belegte erstmals in der WM-Geschichte ein Brüderpaar die ersten beiden Plätze.

          „Unsere Eltern haben allen Grund, stolz auf uns zu sein. Wenn ich schon besiegt werde, dann am liebsten von meinem Bruder“, sagte Michael Schumacher, der ebenfalls zu den Gewinnern zählte.

          In der WM-Gesamtwertung führt der Ferrari-Star (58 Punkte) vor dem Heimspiel auf dem Nürburgring (24. Juni) mit 18 Punkten vor dem Schotten David Coulthard, der mit einem Motorschaden am McLaren-Mercedes ausschied und erstmals in diesem Jahr nicht ins Ziel kam.

          Ralf Schumacher wie entfesselt

          Für Ralf Schumacher war der zweite Sieg noch schöner als der erste. „Diesmal war die Sache viel runder, denn Michael war dabei“, sagte der BMW-Pilot, dessen Bruder beim Triumph in Imola noch ausgeschieden war. Mit breitem Grinsen verriet Ralf Schumacher: „Es hat viel Spaß gemacht. Gegen Ferrari zu gewinnen, ist eine tolle Sache. Wir hatten die bessere Strategie und das bessere Auto.“

          Der Schlüssel zum Sieg aber war das Timing für den Boxenstopp. Als Michael Schumacher in der 46. Runde seinen Halt einlegte, blieb sein Bruder fünf Runden länger auf der Strecke und fuhr in dieser Zeit wie entfesselt die entscheidenden Sekunden heraus. „Mir war klar, dass ich vor Michael rauskommen würde, wenn nichts mehr dazwischen kommt“, meinte Ralf Schumacher: „Als ich vor ihm auf die Strecke zurückkehrte, wusste ich, dass ich gewinne.“

          Sieg auf Nürburgring „wäre das Größte“

          Ungewohnt euphorisch reagierte Teamchef Frank Williams: „Wenn wir in dieser Saison kein weiteres Rennen gewinnen sollten, müssten wir uns schämen.“

          Ralf Schumacher blieb in der Stunde des Triumphes realistisch und schob sämtliche Titelambitionen weit von sich. „Wir können noch das ein oder andere Rennen gewinnen, wenn alles passt, aber ich bin kein WM-Kandidat“, sagte der 25-Jährige, der in den drei Grand Prix zuvor jeweils ausgefallen war und im WM-Klassement mit 22 Zählern Rang vier belegt. „Unser Heimrennen auf dem Nürburgring würde ich aber gerne gewinnen, das wäre das Größte.“

          BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger lobte Ralf Schumacher in den höchsten Tönen: „Wir haben einen Fahrer, der in der Lage ist, auch Michael Schumacher zu schlagen.“

          Der Abstieg von Mercedes?

          Auch die Konkurrenten zollten Ralf Schumacher großen Respekt. „Er verdient diesen Erfolg. Wenn er den Start gewonnen hätte, wäre er wie in Imola auf und davon gefahren. Er war mit Abstand der Schnellste auf der Strecke“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Der zweimalige Weltmeister Häkkinen fügte hinzu: „Ich freue mich, dass Ralf gewonnen hat. Das ist gut für ihn und seine Karriere.“

          Weniger zufrieden dürfte Haug mit der Vorstellung des eigenen Teams gewesen sein. Die Silberpfeile verlieren immer mehr an Boden und müssen jetzt sogar aufpassen, nicht von BMW-Williams eingeholt zu werden. „Das war der Abstieg von Mercedes“, urteilte der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck.

          Coulthard gibt WM-Rennen nicht auf

          Ganz so dramatisch sieht Haug die Situation jedoch nicht: „Auf dem Nürburgring werden wir wieder besser aussehen.“ Auch Coulthard meinte trotzig: „Ich kann die WM immer noch gewinnen. Wer Herausforderungen nicht mag, hat in der Formel 1 nichts zu suchen.“

          Rund vier Stunden nach dem Rennen verließen die Schumacher-Brüder im Doppelpack die Strecke. Gemeinsam ging es mit dem Hubschrauber zum Flughafen, danach flogen sie getrennt in den eigenen Privatjets zurück nach Europa. Bereits am Mittwoch treffen sie sich auf der Rennstrecke wieder - bei Testfahrten in Silverstone.

          Rekordquote für RTL

          RTL bescherte das Rennen in Montreal exzellente Quoten: Bis zu 16,18 Millionen Fernsehzuschauer schalteten ein. 14,63 Millionen Fans im Durchschnitt bescherten den Kölnern zudem die zweitbeste Formel-1-Quote ihrer Geschichte.

          Nur beim Saisonfinale 1997 in Jerez mit dem legendären Rammstoß von Michael Schumacher gegen den späteren Weltmeister Jacques Villeneuve hatten noch mehr Zuschauer (im Schnitt 15,41 Millionen) Formel 1 auf RTL gesehen.

          Weitere Themen

          Münchner Skateboarder will zu Olympia Video-Seite öffnen

          Für den Libanon : Münchner Skateboarder will zu Olympia

          Ali Khachab ist Münchner, doch bei den Sommerspielen 2020 in Tokio will er für den Libanon an den Start gehen, die Heimat seiner Vorfahren. Der 28-Jährige ist Skateboarder, und davon gibt es im Libanon nur sehr wenige.

          Topmeldungen

          Tesla-Fabrik in Deutschland : Angriff im Heimatmarkt

          Für die deutschen Autohersteller wird der Wettbewerb noch schwieriger, wenn Tesla in Brandenburg eine große Fabrik baut. Ein Selbstläufer ist das Projekt allerdings nicht – Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen.
          Airbus A400M Transportflugzeuge auf dem Vorfeld des Fliegerhorsts Wunstorf

          Probleme beim A400M : Propellerschrauben locker

          Immer wieder kommt es beim Prestigeprojekt A400M zu Problemen. Jetzt verweigert die Bundeswehr die Abnahme von zwei neuen Flugzeugen – wegen Problemen am Propeller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.