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Formel 1 : Galgenfrist für Frentzens Rennstall Arrows

  • Aktualisiert am

Job für weitere 14 Tage gesichert: Heinz Harald Frentzen Bild: dpa

„Wir werden starten, wir haben die Maschinen bezahlt“, sagte Arrows-Teamchef Tom Walkinshaw vor der Qualifikation am Samstag.

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          Heinz-Harald Frentzen darf beim Großen Preis von England fahren - seine Zukunft in der Formel 1 bleibt aber weiter unsicher.

          Am Tag nach dem Trainingsverbot für sein Arrows-Team wegen einer ausstehenden Zahlung von 4,7 Millionen Euro für die Motoren von Ford-Cosworth rollte der Mönchengladbacher am Samstag in Silverstone pünktlich zum Training aus der Box, nachdem Walkinshaw einen Teil des Geldes bezahlt hatte.

          Vierter Platz für Frentzen

          „Ich bin natürlich sehr froh, dass ich fahren kann. Am Freitag nur zuschauen zu können, war ein komisches Gefühl“, erklärte der 35-Jährige Frentzen. Im ersten freien Trainings raste er mit Wut im Bauch immerhin auf den vierten Platz. Frentzens Start wurde angeblich möglich, weil Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone dem vor der Pleite stehenden Arrows-Team einen Vorschuss auf Fernsehgelder gegeben hat.

          Dunkle Wolken über dem Arrows-Team
          Dunkle Wolken über dem Arrows-Team : Bild: DPA

          Für diese Zahlung soll Arrows-Boss Tom Walkinshaw mit seinem millionenschweren Privatvermögen haften. Walkingshaw sagte: „Ich habe selbst bezahlt.“ Am Samstagmorgen um 8.30 Uhr Ortszeit hatte Walkinshaw verkündet, dass der Start beim 10. von 17 WM-Läufen am Sonntag (14. 00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) gesichert sei: „Man ist erst tot, wenn man wirklich gestorben ist. Wir werden definitiv fahren. Den Deal zu erklären, würde vielleicht eineinhalb Stunden dauern.“

          Nur für dieses Rennen gerettet

          Arrows ist allerdings noch nicht endgültig gerettet, denn der Deal mit Cosworth gilt nur für dieses Wochenende. Der Große Preis von Frankreich in zwei Wochen in Magny-Cours dürfte zur nächsten Zitterpartie werden. „Was in Frankreich ist, werden wir sehen. Wir verhandeln mit drei Partnern, die Arrows entweder komplett oder in Teilen übernehmen wollen“, erklärte Walkinshaw.

          Vieles deutet auf einen Verkauf des angeblich mit 100 Millionen Euro verschuldeten Rennstalls und den Rückzug des Teamchefs hin. Der sagte: „Ob ich weiter in der Formel 1 bleibe, werden wir sehen. Ich bin aber optimistisch, was die Zukunft von Arrows betrifft. Wir waren nie insolvent und ich gehe davon aus, dass wir die Saison zu Ende fahren.“

          Frentzen-Wechsel zu Jaguar oder Toyota

          Sollte das passieren, wird Frentzen auch seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag erfüllen. „Wenn es mit Arrows weitergeht, wird Heinz-Harald weiter für das Team fahren. Momentan sehe ich die Situation so, dass sie sich wohl nur ein bisschen Zeit gekauft haben“, sagte Frentzens Berater Monte Field.

          Sollte es doch noch zum Aus für Arrows kommen, habe Frentzen auch andere Optionen in der Formel 1, in der „er gern weiterfahren würde“. Spekuliert wird über einen Wechsel zu Toyota oder Jaguar. Seinem aktuellen Team hilft wohl nur noch der Verkauf, möglicherweise an einen Powerdrink-Hersteller, der bereits zu den Teamsponsoren gehört.

          Arrows-Krise kein Einzelfall

          Eine Vereinbarung mit der Firma aus Österreich war am Donnerstag durch ein Londoner Gericht noch gestoppt worden. Die Richter entschieden, das erst ein 20-Millionen-Euro-Kredit des größten Arrows-Anteilseigners, einer britischen Investmentbank (Morgan Grenfell), zurückgezahlt werden müsse und bezeichneten die Umstrukturierungs-Bemühungen von Walkinshaw als „unehrlich und hinterhältig“. Der Teamboss wehrt sich jedoch: „Das ist falsch. Wenn ich keine finanzielle Unterstützung gegeben hätte, würde es Arrows schon jetzt nicht mehr geben.“

          Nachdem im Januar schon Frentzens voriger Arbeitgeber Prost mit Millionenschulden pleite gegangen war, ist die Arrows-Krise für „HHF“, der in dieser Saison mit zwei sechsten Plätzen glänzende Resultate abgeliefert hatte, besonders bitter. „Das alles ist nicht gut für die Formel 1“, sagte Mercedes- Sportchef Norbert Haug. Auch Minardi werden 30 Millionen Euro Schulden nachgesagt. In den vergangenen Wochen gab es Entlassungen beim mit angeblich 250 Millionen Euro verschuldeten BAR- Team sowie bei Jordan.

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