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Formel 1 : „Der Rest ist Kosmetik“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die erdrückende Überlegenheit schockt die Konkurrenz: Allerdings wird Ferrari vom Automobil-Weltverband kontrolliert.

          3 Min.

          Auch die kleinen Nachwehen einer FIA-Inspektion konnten Michael Schumacher und dem Ferrari-Team die Feierlaune nach dem triumphalen Doppelsieg beim Heimspiel in Monza nicht verderben.

          Der Automobil-Weltverband FIA hatte zwar nach dem Großen Preis von Italien einen Motor für eine genaue Untersuchung angefordert, was aber bei der Scuderia niemandem ernsthafte Kopfschmerzen bereitete. „Das ist eine ganz normale Prozedur“, erklärte ein Ferrari-Sprecher.

          Routine-Kontrolle

          Auch die FIA spricht von einer „Routine-Kontrolle“ des Triebwerkes, das Schumacher in Monza im Zeittraining, aber nicht bei seinem zweiten Platz im Rennen am Sonntag verwendet hat. „Von Zeit zu Zeit führen wir solche Überprüfungen durch. Der Ferrari mit der Nummer eins ist zufällig ausgewählt worden“, sagte eine FIA-Sprecherin.

          Ralf Schumacher nahm nach dem Start die Abkürzung, bestraft wurde er nicht. Geholfen hat es ihm allerdings auch nicht, wie Teamkollege Juan Pablo Montoya musste er seinen BMW-Williams an der Strecke stehen lassen.

          Es gab keinen Protest eines anderen Teams oder einen Verdacht der Rennkommissare, die am Abend ein offizielles Rennergebnis herausgaben - mit der Fußnote, dass noch diese Untersuchung anstehe.

          Untersuchung im Ferrari-Werk

          Das Triebwerk war schon am Samstag nach dem Training von den technischen Delegierten der FIA ausgesucht und versiegelt worden. Am Montag stand im Ferrari-Werk eine ausführliche Untersuchung an, wie sie den FIA-Kommissaren an einer Rennstrecke nicht möglich ist.

          In dieser Saison hatte die FIA schon einmal in Silverstone den Jaguar-Motor von Pedro de la Rosa untersucht, ohne Unregelmäßigkeiten festzustellen. Vielleicht kommen bei der Untersuchung zumindest die unparteiischen FIA-Kontrolleure dem Geheimnis der fast schon beängstigenden Zuverlässigkeit bei Ferrari auf die Spur.

          Riesentag für Ferrari

          Denn ein Ende der erdrückenden Überlegenheit ist nicht abzusehen. Während Michael Schumacher & Co nach dem „Traumresultat und Riesentag“ im siebten Himmel schweben, nimmt der Albtraum für die erneut gedemütigten Konkurrenten immer qualvollere Dimensionen an.

          Williams-BMW und McLaren-Mercedes drohen in zwei Wochen in den USA die nächste Schlappe. „Der Rest ist jetzt Kosmetik, aber wir schminken uns gern“, kündigte „Nimmersatt“ Schumacher den Rivalen nach dem Doppelerfolg von Monza für Indianapolis und Suzuka weitere Abreibungen an.

          „Die Formel 1 ist zerrissen“

          „Was für ein Tag!“, titelte das italienische Fachblatt „Gazzetta dello Sport“ überschwänglich. „Ferrari-Delirium in Monza. Die Formel 1 ist zerrissen, gedemütigt und überrollt von der Übermacht der Ferrari.“ Der „Corriere della Sera“ sprach von einem „Ferrari ohne Grenzen“ und „Il Messaggero“ meldete angesichts der freudetrunken auf die Strecke strömenden Fans eine „Rote Flut“.

          Auch der Perfektionist aus Kerpen war trotz seiner knappen Niederlage beim Großen Preis von Italien - auch auf Grund „eines Nichtangriffspaktes nach dem zweiten Boxenstopp“, so Schumacher - gegen Teamkollege Rubens Barrichello rundum zufrieden. „Perfekter kann die Saison wohl wirklich nicht sein. Wir haben unsere wichtigsten Ziele erreicht und nun den Heim-Grand-Prix gewonnen. Besser geht es nicht“, zog der fünfmalige Formel-1-Weltmeister eine positive Bilanz.

          Nicht mehr aufzuhalten

          Schumacher weiß, dass die „rote“ Dominanz auch in der kommenden Saison kaum zu brechen sein wird, hütet sich aber, dies lautstark herauszuposaunen. Luca di Montezemolo kannte dagegen keine Zurückhaltung. „Jetzt ist Ferrari nicht mehr aufzuhalten“, kündigte der Ferrari-Präsident eine Fortsetzung der Vorherrschaft an. Die Konkurrenz scheint sich in ihr Schicksal zu fügen. Jaguar- Teamchef Niki Lauda prognostiziert: „Wenn sich bei Ferrari nichts ändert, dann schauen wir alle alt aus.“

          BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen befürchtet: „Es ist davon auszugehen, dass Ferrari nächstes Jahr vorne ist.“ Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug setzt darauf, dass „die Dominanz nicht ewig dauert. Aber im Moment ist deren Kombination Fahrer, Reifen und Chassis am besten.“

          Erdrückende Dominanz

          Die Zahlen belegen dies beeindruckend: Schumacher und Barrichello feierten in dieser Saison schon sieben Doppelerfolge, davon drei zuletzt in Serie. Zehn der 13 Ferrari-Siege holte der die Formel-1- Weltrekorde am Fließband verbessernde Rheinländer. Die letzte Niederlage liegt fast vier Monate zurück: In Monaco gewann Silberpfeil-Pilot David Coulthard als letzter Nicht-Ferraristi.

          So sehr die Dominanz der „Roten“ mit den beiden so früh wie noch nie in der Grand-Prix-Geschichte gewonnenen WM-Titeln das Team und die Tifosi erfreut, sie hat auch ihre Schattenseiten.

          Weniger Zuschauer

          Schumachers Spazierfahrten senken den Zuschauerzuspruch und die Einschaltquoten. Laut „Gazetta dello Sport“ strömten über 32 000 Fans weniger in den Königlichen Park als im Vorjahr. Und RTL meldete 2,5 Millionen weniger Zuschauer als beim Italien-Grand-Prix 2001: „Nur“ noch 8,04 Millionen saßen vor dem Fernseher.

          Allerdings demonstriert der Marktanteil von 50 Prozent, dass die Formel 1 trotz fehlenden sportlichen Reizes noch immer ein Quoten-Hit ist.

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