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Formel 1 : Der Meister des Understatements in Schwierigkeiten

  • Aktualisiert am

Nur Sieger: Schumacher und die Ferrari-Familie Bild: dpa

Erklärungsnotstand für Michael Schumacher: Dem Weltmeister gehen die Gründe aus für weitere Untertreibungen.

          2 Min.

          Michael Schumacher rast unaufhaltsam in Richtung fünfter WM-Titel. Keiner seiner hoffnungslos abgeschlagenen Verfolger ist - realistisch betrachtet - in der Lage, den Durchmarsch des Ferrari-Stars noch zu verhindern.

          Dennoch stapelt dieser weiter tief: „Es stehen noch neun Rennen aus, in denen 90 Punkte vergeben werden. Da habe ich den Titel noch nicht in der Tasche. Ich bin nicht pessimistisch, nur realistisch. Man muss warten, bis die Sache entschieden ist.“

          Dies könnte auf Grund von Schumachers Rekordvorsprung von 43 Punkten schon in sechs Wochen beim Großen Preis von Frankreich und damit vor seinem Heimrennen in Hockenheim der Fall sein.

          Rekordpunktzahl nach acht Läufen

          Noch nie in 53 Jahren Formel 1 führte ein Fahrer bei Saisonhalbzeit so souverän, noch nie holte einer in den ersten acht WM-Läufen 70 von 80 möglichen Punkten. Aber der Kerpener mag derartige Zahlenspielereien nicht. „Wir wissen, dass wir einen komfortablen Vorsprung haben. Aber das ist kein Grund, daran zu denken, wann wir den Titel holen können“, wiegelte er ab. „Wichtig ist, sicher zu stellen, dass wir Weltmeister werden.“

          Dies hat Ferrari inzwischen bis zur Perfektion betrieben. Im „Notfall“ schreckt Teamchef Jean Todt - wie zuletzt in Österreich - auch nicht vor einer angesichts der Schumacher-Dominanz eigentlich unnötigen Stallorder zu Gunsten seines auf den WM-Gewinn gepolten Schützlings zurück.

          Zudem ist zumindest Schumachers „roter Renner“ ein Muster an Zuverlässigkeit. Seit dem Großen Preis von Deutschland am 29. Juli 2001 und damit 13 Rennen in Serie fiel sein Ferrari nicht mehr aus. Und wenn einmal ein Defekt auftrat, blieb dies stets ohne negative Folgen, so wie der Motorschaden im Aufwärmtraining zum kanadischen Grand Prix.

          „Die Chancen liegen klar bei Michael

          Angesichts dieser Dominanz räumte der gerne Untertreibende wenigstens ein, es sei schwierig die WM noch zu verlieren: „Ich habe das nie bestritten. Mit diesem Sieg bin ich dem Titel einen Schritt näher gerückt, zumal Ralf und Montoya nicht gepunktet haben.“

          Den weiß-blauen und silbern lackierten Verfolgern scheint in dem Hase-und-Igel-Spiel die Luft auszugehen. Williams-BMW-Mann Montoya setzte zu einer viel versprechenden Aufholjagd auf Schumacher an, als in der 57. Runde sein Motor platze. Ralf Schumacher konnte beim Boxenstopp wegen Defekten an beiden Tankanlagen nur fünf Liter Benzin fassen, so dass er zum Nachfüllen außerplanmäßig ein zweites Mal einbiegen musste.

          „Es ist so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen konnte“, stöhnte der Vorjahressieger. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen jammerte: „Wir hatten heute an beiden Autos mehr Schwierigkeiten als bei allen bisherigen Saisonläufen zusammen.“ Sein Kollege Gerhard Berger will trotz des Rückschlags das Titelrennen noch nicht aufgeben. „Die WM ist erst entschieden, wenn wir Schumacher theoretisch nicht mehr einholen können“, sagte er, räumte aber ein: „Die Chancen liegen klar bei Michael.“

          Der Perfektionist testet weiter

          Ähnlich bewertet dies auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: „Michael ist der WM-Kandidat Nummer eins. Wir können nicht in Richtung Titel schielen. Wir wollen aber die Lücke zu Ferrari während dieser Saison schließen.“

          Schumacher arbeitet indes daran, die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Statt den 150. Ferrari-Triumph gebührend zu feiern, flog der Perfektionist noch am Rennabend zurück. „Ich kann mich wegen des Sieges jetzt nicht zurücklehnen, zu Hause bleiben und Ferien machen“, so der Weltmeister. „Am Dienstag geht mein Testprogramm weiter.“

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