https://www.faz.net/-gtl-7oypf

Formel-1-Chef Ecclestone : Der Machtkämpfer

Sein Prozess: Bernie Ecclestone in München Bild: AFP

Seit dem Schulhof ist es Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gewohnt, die Preise zu bestimmen. Wer ihm in die Quere kommt, wird bekämpft - oder geschmiert. 

          Salzburg, im Winter vor gut sechs Jahren. Das Telefon klingelt. London ist am Apparat. Knightsbridge, 6 Princes Gate, SW7 1QJ, das Machtzentrum der Formel 1. Bernie Ecclestone ruft an. „Hello Mr Toifl, do you hear this noise? I’m shreddering your letter.“ So steht es in der Anklageschrift der Münchner Staatsanwaltschaft. „Hallo Herr Toifl, hören Sie das Geräusch? Ich schreddere Ihren Brief.“ Staranwalt Gerald „Geri“ Toifl gilt damals als Vertrauensperson für Stars und Sternchen, Politiker und Manager, für Leute mit Geld. Für Leute wie Gerhard Gribkowsky, den Vorstand der Bayerischen Landesbank, der sich Millionen auf das Konto seiner Stiftung „Sonnenschein“ überweisen lässt. Überweisungen, die Bernie Ecclestone veranlasste. Warum Ecclestone Gribkowsky knapp 44 Millionen Dollar schicken ließ, ob Ecclestone Gribkowsky bestochen hat oder der Banker den Formel-1-Boss erpresste, wie dieser behauptet - das versucht das Münchner Landgericht zurzeit zu klären.

          Christoph Becker
          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Damals, im Dezember 2007, hatte Gribkowsky jedenfalls vom Chefvermarkter der berühmtesten Motorsportserie der Welt schon Geld bekommen, viel Geld. Aber es war Gribkowsky noch nicht genug. Zeit für Toifls Einsatz: Gribkowsky beauftragte seinen Anwalt, an Ecclestone zu schreiben. Inhalt des Briefs vom 14. Dezember 2007: 2,2 Millionen Dollar fehlen noch, Ecclestone möge weiter zahlen. Ecclestone zahlte nicht mehr. Er rief an. So hat es Toifls Mitarbeiterin Yvonne Schuchter den Staatsanwälten erzählt. „Hello Mr. Toifl, do you hear this noise? I’m shreddering your letter.“ Gespräch beendet. War das der exakte Wortlaut? Ecclestones Anwälte ließen das am Freitag in München offen. Fest steht, dass der nächste Satz in der Anklageschrift zutreffend ist: „Eine weitere Zahlung konnte in den Ermittlungen nicht festgestellt werden.“

          Eine qualmende Zigarre auf Ecclestones Stuhl

          Es ist ein seltsamer Machtkampf, der damals zwischen Ecclestone und Gribkowsky lief. Der wuchtige deutsche Banker, keine 50 Jahre alt, gegen den 157 Zentimeter großen Bypass-Patienten aus dem Londoner Osten, geboren 1930. Gribkowsky, Vertreter der Bayern-LB, der die Anteile an der Formel 1 durch die Kirch-Pleite zugefallen waren, spielte auf Angriff. Er bretterte mit Vollgas in die Benzinbranche. Als Ecclestone mal zu spät zu einem Meeting mit den Vertretern der Formel-1-Teams kam, saß Gribkowsky Zigarre qualmend auf Ecclestones Stuhl. Flavio Briatore, der Rennbetrüger von 2008, war damals Boss des Renault-Teams und mit Gepflogenheiten unter Alphatieren bestens vertraut. Er hatte gerade aufgehört zu rauchen. Gribkowskys Gequalme machte den Italiener rasend, aber der Deutsche hörte nicht auf. Briatore verlor die Nerven. Er ging.

          Ecclestone blieb. Und wusste, dass er einen Konkurrenten loswerden musste. Der Deutsche machte ihm Probleme, kam auf seltsame Ideen, wollte vielleicht ein eigenes Formel-1-Team oder Bernie-Berater werden. „Er schlug mir gemeinsame Anlageprojekte vor“, ließ Ecclestone seinen Anwalt vortragen. „Ich hatte kein Interesse. Er könnte mir in den Verhandlungen mit den Teams helfen, schlug er vor. Ich brauchte keine Hilfe, schon gar nicht von ihm.“ Die Formel 1 managt Bernard Charles Ecclestone, und zwar allein. Konkurrenten stören. Aber mit Leuten wie Gribkowsky wird Ecclestone fertig. Er hat die nötige Erfahrung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.