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Formel 1 : Auch Minardi und Arrows rasen in die Pleite

  • Aktualisiert am

Arbeitgeber Arrows in Not: Heinz-Harald Frentzen Bild: dpa

Im Milliardenspiel Formel 1 droht nach dem Prost-Konkurs auch Minardi und Arrows noch in der laufenden Saison das Ende.

          2 Min.

          Der Formel 1 drohen weitere Pleiten, die „Notfallpläne“ werden schon diskutiert. Das Teilnehmerfeld kann womöglich bald so klein sein wie seit den sechziger Jahren nicht mehr. „Ich bin sicher, dass wir ein oder sogar zwei Teams bis zum Ende der Saison verlieren“, sagte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone englischen Medien über die düsteren Aussichten.

          Nach dem „Aus“ für Prost könnten somit bis zu drei Rennställe binnen eines Jahres aus dem PS-Zirkus verschwinden. Weltverbandspräsident Max Mosley äußerte sich am Grand-Prix-Wochenende in Monaco ähnlich. Namen wurden zwar nicht genannt. Doch dem Vernehmen nach soll es sich um Heinz-Harald Frentzens Arrows-Team sowie um Minardi handeln.

          Spar-Diskussion ohne Resultat

          „Ich kann nicht kommentieren, was hinter den Kulissen so alles geredet wird“, sagte der Mönchengladbacher zu den Spekulationen. „Einige Teams müssen erkennen, dass sie in einem hoch dotierten Pokerspiel sind, aber vielleicht haben sie nicht mehr die Mittel, dort zu bleiben“, meinte Ecclestone.

          Nach Monaten der Spar-Diskussion ist die Kluft in der Zwei-Klassen-Gesellschaft Formel 1 offenbar noch größer geworden. Zudem ist die politische Situation derzeit undurchschaubar wie selten zuvor. Mit dem Zusammenschluss der englischen Teams zu einer Interessensvertretung weitete sich der Trend zur „Gruppenbildung“ aus, nachdem die großen Autohersteller mit Plänen von einer eigenen Serie als Gegenpart zur bisherigen Formel-1-Organisation für Aufsehen gesorgt hatten.

          Vier statt zwei Autos pro Team

          Mosley geht dennoch von einer baldigen Einigung der um die Herrschaft in der „Königsklasse“ ringenden Parteien aus. „Ich wäre erstaunt, wenn man am Ende des Jahres immer noch davon reden würde. Jeder weiß, es ist viel besser mit nur einer Meisterschaft“, sagte er. Man müsse „sich einfach einigen“.

          Derweil suchen die Formel-1-Mächtigen nach Wegen, um ein Image- schädigendes Schrumpfen des Teilnehmerfeldes zu verhindern. Ecclestone plädierte dafür, dass die Topteams künftig vier statt zwei Autos einsetzen sollten: „Es kostet nur wenig mehr, vier Autos zu produzieren.“ Der Sport basiere auf einer Startaufstellung von mindestens 20 Wagen, nicht auf einer bestimmten Anzahl von Teams.

          Entlassungen und Schulden

          Spekuliert wird auch über die Variante, wonach die großen Motorenhersteller mehrere Rennställe mit Triebwerken versorgen sollten. „Die Hersteller investieren viel Geld, man muss aufrüsten. Die kleinen Teams schaffen das nicht. Deshalb wäre es schon gut, wenn es ein System gäbe, das die kleinen Teams unterstützt“, fand auch Frentzen. Seinem Rennstall werden geschätzte 90 Millionen Dollar, Minardi etwa 20 Millionen Dollar Schulden nachgesagt.

          Zu Jahresbeginn war Prost in Konkurs gegangen, in den vergangenen Wochen gab es Entlassungen beim mit angeblich 230 Millionen Dollar verschuldeten BAR-Team sowie bei Jordan. Zuletzt entließ Minardi Personal.

          Sparen mit Stahl

          BMW-Partner Frank Williams wies in der Spar-Debatte der Formel 1 auf allgemeine wirtschaftliche Grundsätze hin. „Jedes Unternehmen der Welt muss profitabel arbeiten, um im Geschäft zu bleiben. Wenn Dir das Geld ausgeht - bäng, auf Wiedersehen, aus ist es“, so der Brite. Daher hält er die in dieser Saison aufgekommene Diskussion für sinnvoll. Den von den Sportbehörden beschlossenen Weg, die Motoren von 2004 an auf ein Triebwerk pro Auto und Renn-Wochenende zu beschränken, lehnte er jedoch ab.

          Stattdessen brachte Williams einen neuen Vorschlag ins Spiel. „Es gibt einige Materialien am Auto, die sehr viel Geld kosten. Einige davon verwenden alle, um Gewicht zu sparen. Man könnte viel Geld sparen, wenn man zu Stahl-Komponenten zurück kehren würde“, sagte der Teamchef.

          Wohl um dem Negativ-Trend entgegen zur wirken, scheinen einige Chefs verbal die Kehrtwende zu versuchen. In Monaco wurde plötzlich auffallend viel Positives geredet, nachdem zuvor Wochen lang Wehklagen über die Folgen der Rezession zu hören gewesen war. „Ich sehe keine Krise“, so Teamchef Eddie Jordan: „Meiner Meinung nach ist die Formel 1 das beste Geschäft und der beste Sport der Welt.“

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