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Klub-WM und Champions League : Die Fifa will immer mehr Fußball

  • -Aktualisiert am

Bedrohlich für Spieler: Wieviel Wettbewerb halten die Knochen aus? Bild: pixathlon / M.I.S

Fifa-Präsident Infantino will die Klub-WM massiv erweitern. Der Weltverband strebt ein Turnier mit 16 oder 32 Teams an. Zugleich verliert die Uefa den alleinigen Zugriff auf die Champions League.

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          Nachdem die Europäische Fußball-Union (Uefa) vor wenigen Tagen mit einer Champions-League-Reform die Unzufriedenheit bei den Treibern der Branche vorerst eindämmen konnte, dürfte jetzt ein noch geheimes Vorhaben des Weltverbandes Fifa für neuen Zündstoff sorgen. Nach Informationen der F.A.Z. will der durch seinen fragwürdigen Führungsstil in Bedrängnis geratene Fifa-Präsident Gianni Infantino die bisher jedes Jahr stattfindende Klub-Weltmeisterschaft fundamental ausbauen und auf 16 oder 32 Vereinsmannschaften erweitern.

          Derzeit treten jede Saison im Dezember nur die Sieger der sechs kontinentalen Meisterwettbewerbe gegeneinander an. Der FC Bayern konnte das Turnier 2013 in Marokko gewinnen. Zugleich sind neue Details zur Entscheidung der Uefa in Sachen Champions League ans Licht gekommen, die eine Machtverschiebung zugunsten der Großklubs aufzeigen.

          Dem Fifa-Council als höchstem Gremium der Organisation hat Infantino seinen Plan schon vorgestellt, wie die F.A.Z. erfuhr. Bei den Mitgliedern soll es keinen Widerspruch gegeben haben. „Wenn wir es nicht machen, dann machen es andere“, sei von Infantino zu hören gewesen. Damit spielte der Fifa-Chef offensichtlich auf Spekulationen an, dass finanzkräftige Investoren seit einiger Zeit versuchen, ohne die Verbände neue Geschäftsmodelle und Turnierformen zusammen mit den bedeutenden Klubs zu entwickeln. Im Juli machte die Runde, dass der chinesische Unterhaltungskonzern Wanda, dem inzwischen auch die Sportrechteagentur Infront gehört, angeblich in Konkurrenz zur Uefa einen noch lukrativeren Wettbewerb als die europäische Champions League aufbauen wolle. Zuvor hatte es Gerüchte um ein Treffen englischer Klubs mit dem amerikanischen Milliardär und Sportunternehmer Stephen Ross gegeben, bei dem eine neue Superliga Thema gewesen sein soll.

          Infantino, der sich wegen zweifelhafter Vorkommnisse in der neuen Position während seiner ersten Monate als Blatter-Nachfolger einer internen Untersuchung der Fifa-Ethikkommission stellen musste, hatte zuletzt wieder öffentlich seine Idee einer Mega-WM für Nationalmannschaften mit 40 Teams propagiert. Der Schweizer führte an, die Europameisterschaft mit erstmals 24 statt 16 Mannschaften sei eine gute Werbung für die Aufstockung des Teilnehmerfeldes bei Weltmeisterschaften gewesen. Das sehen nicht alle so, die vor allem auf die Belastung der Spieler und die immer neuen Wettbewerbserweiterungen hinweisen. Die europäischen Spitzenklubs haben diese Idee kritisiert. Auch der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesliga sind dagegen.

          Diskussion um Wachstum

          Zugleich hat der neue Fifa-Sponsor Wanda in diesem Sommer mit dem Weltverband eine Vereinbarung über ein jährliches Fußballturnier für Nationalmannschaften in Fernost namens China Cup getroffen. Die Veranstaltung wird erstmals im nächsten Januar stattfinden. Wer hier neben dem chinesischen Nationalteam teilnehmen wird, ist noch nicht sicher. Aber das chinesische Unternehmen kündigte schon an, sich um „erstklassige Mannschaften“ aus Europa und Südamerika bemühen zu wollen.

          Aufstocken ist sein Zauberwort: Fifa-Chef Infantino
          Aufstocken ist sein Zauberwort: Fifa-Chef Infantino : Bild: AP

          Der Vorstoß von Fifa-Chef Infantino für eine fundamentale Erweiterung der Klub-WM verschärft die Diskussion um Wettbewerbe und Teilhabe an immer weiterem Wachstum. Die Ligen und Nationalverbände der wichtigsten Fußballnationen dürften die Idee kategorisch ablehnen. Verlangt wird immer mehr von den Spielern und Stars auf dem Platz. Bezahlt werden die Protagonisten von den Klubs, weshalb diese in Zukunft ein noch gewichtigeres Wort bei allen neuen Plänen mitreden. Das Selbstbewusstsein der großen Vereine aus England, Deutschland, Spanien oder Italien gegenüber den Verbänden Fifa und Uefa steigt aufgrund der Marktsituation derzeit immer mehr. Das hat auch die Uefa zu spüren bekommen bei der aktuellen Reform der Champions League, die von der Saison 2018/19 an greift. Unter dem Druck der großen Klubs mussten diesmal schmerzhafte Zugeständnisse gemacht werden.

          Klubs übernehmen die Macht in der Champions League

          Und der Kontrollverlust des europäischen Verbandes, der Mitte September nach dem Ethik-Ausschluss Michel Platinis einen neuen Präsidenten wählen will, geht weiter. Wie die F.A.Z. erfuhr, hat die Uefa de facto den Zugriff auf ihren wichtigsten Vereinswettbewerb verloren. In dem Gremium, das über die strategischen und finanziellen Bedingungen der Champions League entscheidet, haben ab jetzt die Vertreter der Vereine zur Hälfte das Wort. Das ist eine tiefgreifende Wende. Die Befürchtung, die Klubs könnten sich am Ende abspalten, zwang die Uefa zum Einlenken.

          Hinzu kommen Verbesserungen bei der Gewinnausschüttung für die erfolgreichsten Klubs in der Meisterliga aus dem Marketingpool. Davon würde auch der FC Bayern profitieren. Zudem kann die Bundesliga von der übernächsten Saison an mit vier festen Startern in der Champions League vertreten sein. Gleiches gilt für die Vertreter aus den Topligen Englands, Spaniens und Italiens.

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