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Fifa-Kommentar : Skandalös und abgewirtschaftet

  • -Aktualisiert am

Wie geht es weiter mit der Fifa und Chef Blatter? Bild: dapd

Die Fifa kommt nicht zur Ruhe: Drei Tage vor der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gibt es neue Verdachtsmomente. Eine Verschiebung der Entscheidung wäre sinnvoll.

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          Es waren einmal 24, jetzt sind es 22 und, wer weiß, am Donnerstag vielleicht nur noch 19. Wenn dann in der Zürcher Messe feierlich und offiziell die Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gekürt werden, dürfte das Drum und Dran dieser Wahl unter seltsamen Umständen längst wie eine Farce anmuten. Diskreditiert sind längst nicht mehr nur zwei käufliche und deshalb ausgeschlossene Mitglieder am Rande des über die WM-Vergabe entscheidenden Exekutivkomitees des Internationalen Fußballverbandes (Fifa). Fundamental erschüttert ist inzwischen auch das Vertrauen in die Bonität eines Altmännerzirkels, aus dem inzwischen auch drei Schwergewichte des internationalen Fußballs verdächtigt werden, Bestechungsgelder von dem 2001 in Konkurs gegangenen ehemaligen Fifa-Vermarkter, der schweizerischen Firmengruppe ISL/ISMM, kassiert zu haben. Gleich, wie diese jüngste Affäre ausgeht, liegt längst ein tiefer Schatten auf dem Kabinett des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter.

          Inzwischen ist derart viel schmutzige Wäsche vor der Verkündung der WM-Gastgeber 2018 und 2022 an die Öffentlichkeit gespült worden, dass eine Verschiebung der Doppelwahl sinnvoll wäre. Dazu wird es jetzt, da die Entscheidung unmittelbar bevorsteht, wohl nicht mehr kommen – doch die Risiken und Nebenwirkungen des Wahlaktes vom Donnerstag inklusive möglicher Anfechtungen danach sind längst absehbar. Die Zürcher Prozedur schadet dem Weltfußball und vor allem den in Sonntagsreden besonders eifrigen Hütern seiner ethischen Prinzipien.

          Kurz vor der Verkündung der Sieger von morgen ist ein Verlierer von heute schon gefunden: Es ist der Männerbund um Fifa-Präsident Joseph Blatter, der schwer zerzaust im Zentrum eines Skandals steht, der seinen Vormann den Job kosten könnte. Wer mag dem in seinen frühen Präsidentenjahren selbst skandalumwitterten Blatter unter diesen Umständen noch zutrauen, in seinem Verband und seinem Exekutivkomitee rücksichtslos aufzuräumen, wenn immer mehr jahrelange Wegbegleiter des Wallisers am Pranger stehen?

          Dass sich der dann 75 Jahre alte Schweizer 2011 aufs Neue zur Wahl stellen will, wirkt im Licht der gegenwärtigen Krise seines Verbandes beinahe gespenstisch. So wie sich die Fifa und ihr Spitzenpersonal im Exekutivkomitee während der vergangenen Wochen (und auch in den vergangenen Jahren) präsentiert haben, muss der Weltverband seine Binnenstruktur von Grund auf reformieren. Blatters Kabinett hat, das ist augenscheinlich, abgewirtschaftet. Was die Fifa braucht, sind ab sofort neue Leute, moderne, hauptamtlich geprägte Strukturen, mehr Transparenz und damit eine frische Glaubwürdigkeit. Nur dann kann sie auf ihrer obersten Ebene wieder ein Stück des verloren gegangenen Renommees zurückerobern.

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