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Frauenfußball-Champions-League : Nur der Stadionsprecher agiert gebremst

Nicht zu halten: Auch Kerstin Garefrekes tifft beim 5:0 des FFC Frankfurt gegen ASD Torres Bild: dpa

Der FFC Frankfurt sorgt wie Titelverteidiger VfL Wolfsburg bereits im Achtelfinalhinspiel der Champions League für klare Verhältnisse und schürt den Konkurrenzkampf für die Adventszeit. Dem Gegner aus Sardinien und der Uefa bleibt eine große Peinlichkeit erspart.

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          Sara Persson war sich in der 45. Minute des 5:0-Siegs des FFC Frankfurt im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen ASD Torres ihrer Verantwortung für den Frauenfußball offensichtlich bewusst. Die Schiedsrichterin aus Schweden entschied nach einem Foul der italienischen Torhüterin Mimma Fazio an Svenja Huth auf Elfmeter, zeigte aber nur die Gelbe Karte. Die fällige Hinausstellung hätte aber dem wackligen Kartenhaus des wichtigsten internationalen Wettbewerbs im Vereinsfrauenfußball mal wieder einen heftigen Schlag versetzt. Denn das in allen Belangen unterlegene Torres war mit nur einer Torhüterin ins Stadion am Brentanobad gereist und hätte bei einer Hinausstellung eine Feldspielerin aufbieten müssen.

          Die peinliche Zwangslage kam nach Worten von Trainer Mario Silvetti zustande, weil eine Torhüterin in einer wichtigen Phase ihres Studiums keine Zeit gefunden habe zur Mitreise, während die dritte Torfrau aus triftigen familiären Gründen verhindert gewesen sei. Die missliche Situation von ASD Torres kann aber auch als Hinweis gesehen werden, welche Schwierigkeiten der Vereinsfrauenfußball auf internationaler Ebene weiter hat. Der sardische Klub kann sich anders als der finanziell gut aufgestellte FFC Frankfurt die Teilnahme an der „Königinnenklasse“ kaum leisten, da die 23.500 Euro Zuschuss der Uefa in den Spielrunden bis zum Viertelfinale nicht reichen, um die Kosten für Reisen und Spielorganisation zu decken.

          Abmahnung für Töpperwien

          Zugleich stellt die Uefa in ihren mehr als 60 Seiten an Vorschriften auch noch Forderungen an die Klubs. So durfte der FFC beispielsweise kein Zuschauergewinnspiel veranstalten, das dem Klub im Bundesligaalltag zu Sponsoreneinnahmen verhilft.

          Ein Leidtragender der Uefa-Auflagen war auch Stadionsprecher Rolf Töpperwien, der nach dem Erstrundenspiel gegen das kasachische Team Kazygurt Schymkent eine Abmahnung erhalten hatte, weil er dem Gegner nach dem spielentscheidenden Tor zum 4:0 für den FFC ein saloppes „Do swidanja“ (Auf Wiedersehen!) zurief. Am Sonntag nun bremste sich Töpperwien ganz gegen seine Natur und moderierte das Geschehen betont sachlich, ehe ihm nach Abpfiff ein freundschaftliches „Arrivederci“ entwich.

          Starke erste Halbzeit

          Gänzlich ungebremst agierte derweil der FFC: Schon nach acht Minuten eröffnete Celia Sasic den Torreigen mit einem mustergültigen Kopfball nach einer Flanke von Dzsenifer Marozsan. Kerstin Garefrekes traf nur sechs Minuten später mit einem Schlenzer über die zu weit vor dem Tor postierte italienische Torfrau. Vero Boquete (20.) und abermals Sasic (31.) mit einem sehenswerten Seitfallzieher erhöhten auf 4:0. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt“, sagte Trainer Colin Bell. „Aber ich nehme noch keine Glückwünsche fürs Weiterkommen an. Ich mag es nicht, wenn man glaubt, bereits zur Halbzeit gewonnen zu haben.“

          Immerhin zeigte sich Bell großmütig genug, keine Kritik an der falschen Entscheidung der Schiedsrichterin zu üben. „Ich fand es toll, dass die Schiedsrichterin keine Rote Karte gezeigt hat und somit ermöglichte, dass Torres mit einem richtigen Team zu Ende spielen konnte“, sagte der 53 Jahre alte Engländer. Er konnte sich den Großmut leisten, da es zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits 4:0 für den FFC stand. Simone Laudehr verwandelte den fälligen Elfmeter anschließend zum Endstand. Der Rekord-Europapokalsieger hat somit schon vor dem Rückspiel an diesem Mittwoch auf Sardinien die Qualifikation fürs Viertelfinale im März so gut wie sicher.

          Konkurrenzkampf für die Adventszeit

          So steht für den FFC mit der - übrigens an diesem Montag gemeinsam mit dem Gegner beginnenden - Reise auf die milde Mittelmeerinsel ein kleiner Erholungstrip vor wegweisenden Wochen an. Denn nach der Auslosung fürs DFB-Pokalviertelfinale ist nun sicher, dass dem FFC ein heißer Advent bevorsteht: Neben den Bundesligaspielen in Wolfsburg (30. November) und gegen Bayern München (7. Dezember) müssen die Hessinnen im Pokal gemäß der Auslosung am vierten Adventwochenende abermals gegen die Bayern-Frauen antreten.

          Da scheint es eine gute Strategie von Trainer Bell zu sein, den Konkurrenzkampf im Team beispielsweise mit der weiter ungeklärten Torhüterinnenfrage anzuheizen. Gegen Torres spielte abermals Anke Preuß, ihre Konkurrentin Desiree Schumann war freilich wegen Meniskusbeschwerden gar nicht einsatzfähig. Die Spielerinnen begrüßen Bells Strategie offenbar. „Wir haben im Tor wie im Feld viele gleichwertige, gute Spielerinnen. Da muss man sich in jedem Training beweisen“, sagt Mittlfeldspielerin Laudehr. „Konkurrenzkampf im Team ist wichtig.“ Vor allem dann, wenn das in einem Europapokal-Achtelfinale nicht gegeben ist.

          Wolfsburg locker

          Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben in der Champions League einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale gemacht. Der Titelverteidiger setzte sich am Sonntagnachmittag im Achtelfinal-Hinspiel mit 4:0 (1:0) beim zwölfmaligen österreichischen Meister SV Neulengbach durch. Die ehemalige Nationalspielerin Martina Müller (16. Minute/79.), Caroline Hansen (63.) und Alexandra Popp per Kopf (81.) erzielten für die Mannschaft von Trainer Ralf Kellermann die Treffer.

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