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Ferrnsehrechte für Olympia : Schneeball löste Lawine aus

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

1960 hat der US-Sender CBS erstmals 50.000 Dollar für die Fernsehrechte gezahlt. Für Salt Lake City sind nun 745 Millionen Dollar fällig.

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          Der Ausspruch von Avery Brundage ist als einer der größten Irrtümer in die Sportgeschichte eingegangen: „Olympia ist 60 Jahre lang ohne Fernsehen ausgekommen, und es wird auch die nächsten 60 Jahre gut ohne es leben können“, wurde der IOC-Präsident einst zitiert.

          Kurz darauf zahlte der US-Sender CBS erstmals 50.000 Dollar für die Winterspiele 1960 in Squaw Valley. Ein kleiner Schneeball löste die Lawine aus, die niemand mehr stoppen konnte. Für Salt Lake City kassiert das Internationale Olympische Komitee vom Fernsehen 745 Millionen Dollar. 60 Prozent gehen an den Veranstalter, 40 Prozent in die „olympische Familie“.

          Sportarten mit TV-Tauglichkeit erwünscht

          Keiner will auf den Tanz um das Goldene Kalb mehr verzichten. Im Gegenteil. Immer mundgerechter wird das Programm auf die Mattscheibe zugeschnitten. Freestyle-Ski, Snowboard, Shorttrack oder Skeleton verdanken ihre Aufnahme vor allem ihrer „Bildschirm-Tauglichkeit“.

          Mit der Premiere der Langlauf-Sprints 2002 hat diese Entwicklung geradezu skurile Züge angenommen. Nicht von ungefähr sprang ein Komiker wie Stefan Raab sofort auf diesen Zug. Dem Mann ist das Gespür für Absurdes nicht abzusprechen.

          Mitte der 80er-Jahre explodierten die Preise

          Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Beim „Sündenfall“ 1960 ging es gar nicht um den Erwerb von Übertragungsrechten, sondern um Ausgleichzahlungen. Denn ohne die 50.000 Dollar von CBS hätten die Ausrichter in dem noch völlig unerschlossenen Gebiet um Squaw Valley für das Fernsehen eben keine Studios gebaut.

          Der Bann war gebrochen, doch erst Mitte der 80-er Jahre explodierten die Preise. Von 15 Millionen für Lake Placid 1980 auf 309 Millionen Dollar für Calgary 1988. Dafür gab es in Kanada vier neue zusätzliche alpine Wettbewerbe (Super G, Kombination) und das die Team-Premiere im Mannschaftsspringen. Erstmals kostete Winter-Olympia mehr als die Sommerspiele (300 Millionen für Seoul).

          Eishockey nur im Pay-TV

          Zwar setzte sich dieser Trend nicht fort, doch spätestens mit dem Einzug der Eishockey-Profis 1998 sind auch die Winterspiele zum Mega-Event für das Fernsehen geworden. In Nordamerika dürfte das Turnier der NHL-Dreamteams zum olympischen Straßenfeger werden und selbst Eiskunstlaufen in den Schatten stellen.

          Wie in den USA wird auch in Deutschland das Eishockeyturnier weitgehend zur Showbühne für das Pay-TV. Kein einzelner Kanal kann sämtliche Spiele live übertragen, wenn er auch die Entscheidungen in anderen Sportarten berücksichtigen will und muss.

          Schnee von gestern

          ARD/ZDF öffneten im Tausch für die Fußball-WM die Tür für „Premiere“. Das Ende des exklusiven „freien Fernsehens“ bei Olympia ist damit praktisch vollzogen. Ein Trend, der sich mit jeder weiteren Ausweitung des Programms noch verstärken wird. Alle gegenteiligen Beteuerungen des IOC sind Schnee von gestern.

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