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Fernsehrechte WM 2002 und 2006 : Komplikationen und Irritationen

  • Aktualisiert am

Wichtig für den Fußball: Fernsehschirme Bild: dpa

DIe Vermarktung der WM 2002 und 2006 ist ein schwieriges Geschäft: Dem Weltfußballverband Fifa drohen Verluste, die Kirch-Gruppe kann sich nicht mit ARD und ZDF einigen.

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          Vermarktung und TV-Verträge: All das ist für die WM 2002 und 2006 noch nicht im Detail ausgehandelt. Der Fifa drohen auf alle Fälle Millionen-Verluste. Dies räumte Fifa-Präsident Joseph Blatter in Tokio ein, wo es zu einem Treffen mit den beunruhigten Fernsehanstalten im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea kam.

          Gleichzeitig versicherte Blatter, Notpläne in der Schublade zu haben. Der Fifa-Präsident: „Sorgen Sie sich nicht. Die WM und ihre Finanzierung ist nicht gefährdet.“

          Kirch will weltweiten TV-Rechte

          Die Kirch-Gruppe, die schon die europaweiten Fernsehrechte für die WM 2002 und 2006 zum Preis von 1,7 Milliarden Mark erworben hat, habe sich bereit erklärt, auch die außereuropäischen Rechte (außer USA), die bislang bei ISL liegen, zu erwerben. Außerdem habe Kirch sich bereit erklärt, im Falle eines Falles die Produktionskosten zu übernehmen.

          Um die gleichzeitig bei ISL liegenden weltweiten Marketingrechte an den beiden nächsten Weltmeisterschaften zu verwerten, hat die Fifa in der Zwischenzeit rasch eine eigene Marketing AG gegründet. Die ISMM und ISL haben gegen den Konkursbeschluss eines Schweizer Gerichtes Berufung eingelegt. Über sie soll im Laufe der Woche entschieden werden.

          Bertelsmann möchte aufholen

          Der durch überteuerten Rechteeinkauf angeschlagene Konzern setzt auf ein Sanierungskonzept der französischen Vivendi-Gruppe. Die wiederum will im Sportrechte-Handel demnächst mit der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Ufa Sports kooperieren. Damit würde Bertelsmann im Sportrechte-Besitz wieder einiges an Terrain aufholen, das an die Kirch-Gruppe verloren gegangen ist.

          Derweil haben die Intendanten der ARD in Frankfurt/Main dem Vertrag über den Kauf von 24 Spielen der WM 2002 wieder nicht zugestimmt. In dem 225-Millionen-Mark Paket geht es um technische und rundfunkpolitische Details. Kirch will ARD und ZDF die Ausstrahlung via Satellit außerhalb Deutschlands verbieten. Das aber würde bedeuten, dass Gebührenzahler, die einen digitalen Decoder besitzen, auch kein Länderspiel sehen könnten - der Bildschirm bliebe schwarz. Die ARD befürchtet dann Klagen von Gebührenzahlern.

          380.000 Haushalte betroffen

          Das Problem ist die Verschlüsselung der Spiele bei digitalen Satellitenempfängern. Kirch besteht auf einer Codierung, da sonst die von ARD/ZDF ausgestrahlten Spiele auch in anderen europäischen Ländern gesehen werden könnten, in denen Kirch die Spiele im Bezahlfernsehen zeigen will. Bei einer Verschlüsselung sind jedoch Zuschauer vom Empfang ausgeschlossen, denen bei ihren Receivern ein Zusatzgerät zur Decodierung fehlt. Derzeit ist dies nach Angaben der Landesmedienanstalten bei etwa 380.000 deutschen Haushalten der Fall.

          Nach einem Vorschlag der Landesmedienanstalten sollten Kirch sowie ARD/ZDF zusammen mit der Geräteindustrie Vereinbarungen treffen, dass künftig bei Satellitenreceivern nur noch Boxen mit einer Decodertechnik angeboten werden.

          Steit um Strafgebühr

          ARD und ZDF hatten sich Anfang März mit Kirch im Grundsatz auf die Ausstrahlung von maximal 25 Spielen der Fußball-WM 2002 in Japan/Südkorea für den Preis von 250 Millionen Mark geeinigt. Das Abkommen sieht außerdem vor, dass ARD/ZDF für die Fußball-WM 2006 in Deutschland eine Option zum Kauf von ebenfalls 25 Spielen erhalten. Medienunternehmer Leo Kirch, der die Spiele vor allem im Bezahlfernsehen zeigen will, hatte die europäischen Rechte für die beiden WM-Turniere für 1,7 Milliarden Mark gekauft.

          Die ARD-Intendanten fordern auch eine Bürgschaft für die 100 Millionen Mark „Strafgebühr“, die Kirch laut Vertragsentwurf an ARD/ZDF zurückzahlen muss, falls er bei der WM in Deutschland alle oder einen Teil der Spiele an einen anderen TV-Sender verkauft. So will Kirch diese Rückzahlung auch davon abhängig machen, dass ARD/ZDF Spiele der Fußball-EM 2004 für 65 Millionen Mark an Kirchs Sender SAT.1 und seinen Bezahlsender Premiere World verkaufen. Dies habe bei den ARD-Chefs Unbehagen ausgelöst. Die Zeit drängt: Kirch und ARD/ZDF hatten sich darauf geeinigt, die Verträge bis zum 30. April auszuformulieren. Vorgesehen ist, dass die Einzelanstalten der ARD dann den Vertrag bis Ende Mai abschließend beraten.

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