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Fernsehrechte : Kirch nicht reif für die Insel

  • -Aktualisiert am

Beim Weiter-Verkauf der Fernsehrechte für die Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea hat die Kirch-Gruppe große Probleme, die Spiele an die Sender zu bekommen.

          Beim Verkauf der Fernsehrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea wird die Luft für die Kirch-Gruppe immer dünner, denn in den wichtigen Fernsehmärkten Europas spielen die Verhandlungspartner auf Zeit.

          So glaubt Vic Wakeling, beim englischen Pay-TV-Kanal BSkyB für Sky Sport zuständig, Kirch habe zu viel für die europäischen Rechte (1,7 Milliarden Mark) bezahlt: „Der Preis, den Kirch fordert, ist absolut abenteuerlich. Wir werden so viel Geld nicht zahlen, selbst wenn wir es könnten", erklärte Wakeling zu den geforderten 500 Millionen Mark. Durch diese Absage setzt Rupert Murdoch, dem BskyB gehört, den Münchner Medienmogul weiter unter Druck.

          Kirch klagte gegen britische Regierung

          Auf der britischen Insel bilden BBC und ITV ein Konsortium, das sich um die WM-Rechte bemüht. Deshalb hat Kirch schon vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die britische Regierung geklagt. Die Schutzliste für Sportereignisse in England müsse aufgehoben werden, weil sie seine Geschäfte beeinträchtigen. Gemäß der Schutzliste muß die komplette WM im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.

          Nur bei einem Urteil zu seinen Gunsten hätte der deutsche Medienkonzern an BSKyB verkaufen können. Laut Wakeling scheitern mögliche Verhandlungen aber nicht nur am Wert der TV-Rechte, sondern auch an der Politik von Sky. „Wir wollen zwar die Juwelen im Sport, aber wir wollen niemals Ereignisse von der Schutzliste“, meint der Sky-Boss. Dahinter könnte aber Kalkül stecken, den deutschen Partner weiter schwächen zu wollen. Der muss schließlich im letzten Quartal 2001 die nächste Tranche für die Rechte an den Fußball-Weltverband (Fifa) zahlen.

          Viele Krisenherde in Europa

          Zudem fällt Ende diesen Jahres auch eine Entscheidung zwischen Kirch und Murdoch, dem bisher 24,9 Prozent an Premiere gehören. Erreicht der Pay-TV-Kanal nicht eine bestimmte Abonnentenzahl, kann der australische Medienzar entweder mehr Anteile kaufen oder seine Beteiligung abstoßen. Ein finanziell angeschlagener Partner käme bei den Verhandlungen sehr gelegen. Und da Premiere mit seinen etwa 2,2 Millionen Abonnenten seit längerem kein Wachstum mehr verzeichnet, dürfte Murdoch dann am längeren Hebel sitzen.

          Doch die britische Insel ist nicht der einzige Krisenherd für Kirch. Auch in den anderen wichtigen europäischen TV-Kernmärkten hat er wenig Abnehmer. Lediglich der spanische Pay-TV-Sender Via digital hat sich für 300 Millionen Mark die Rechte auf der iberischen Halbinsel gesichert. Die französischen Anstalten Canal Plus und TF 1 wollen nur 120 Millionen Mark statt der verlangten 420 Millionen Mark zahlen. Und auf dem italienischen Markt gilt nur der Medienzar Silvio Berlusconi als finanziell potenter Gesprächspartner, der aber auch noch nicht mitgeboten hat.

          Zeitdruck bei Verhandlungen in Deutschland

          Auch der sicher geglaubte Verkauf in Deutschland an die öffentlich-rechtlichen Sender droht zum zweiten Mal zu scheitern. Die Intendanten der ARD haben dem Vertrag über den Kauf von 24 Spielen der WM 2002 wieder nicht zugestimmt.

          Dabei stehen beide Parteien unter Zeitdruck, denn die Verträge sollten bis zum 30. April ausformuliert zu werden. Vorgesehen ist, dass die Einzelanstalten der ARD dann den Vertrag bis Ende Mai abschließend beraten. Ein Problem des 225-Millionen-Mark- Deals ist, ob ARD und ZDF die Partien via Satellit außerhalb Deutschlands ausstrahlen dürfen.

          Streit um Option für 2006

          Kirch will eine Codierung, weil sonst die Spiele in den öffentlich-rechtlichen Sender auch im europäischen Ausland gesehen werden können, was wiederum seine Verhandlungsposition dort schwächen würde. Würde das geschehen, könnten deutsche Gebührenzahler mit einem digitalen Decoder aber auch kein Länderspiel sehen: Da fürchtet die ARD Klage von den geschätzt 380.000 Betroffenen.

          Außerdem herrscht noch keine Einigung über eine Option von ARD und ZDF für die Fußball-WM 2006 in Deutschland. Dafür fordern die ARD-Intendanten eine Bürgschaft für die 100 Millionen Mark Konventionalstrafe, die Kirch laut Vertragsentwurf an ARD/ZDF zurückzahlen muss, falls er bei der WM in Deutschland alle oder einen Teil der Spiele an einen anderen TV-Sender verkauft.

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