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FAZ.NET-Spezial WM 2002 : Hindernislauf WM-Vorbereitung

  • -Aktualisiert am

Schwierig verlief die Vorbereitung der deutschen Nationalelf auf die WM in Japan und Sükorea. Doch sie ist angekommen. Analysen, Kommentare und Einschätzungen im FAZ.NET-Spezial.

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          Bei der Zielsetzung für die WM sind sich nicht alle einig. Teamchef Rudi Völler hat nach den Ausfällen und Absagen von Jens Nowotny, Christian Wörns, Mehmet Scholl, Jörg Heinrich und Sebastian Deisler die Erwartungen auf das Erreichen des Achtelfinales reduziert. „Das sind wir uns selbst schuldig“, sagt Völler. Man wolle sich nicht kleiner machen als man sei. Aber mehr will der DFB-Teamchef auch nicht fordern.

          Muster ohne Wert

          Eine diffuse WM-Vorbereitung, akute Verletztenprobleme - wo steht das deutsche Nationalteam? In Zahlen nur auf Platz elf der Fifa-Rangliste; das reicht nicht fürs Viertelfinale. Die Länderspiele im Jahr 2002 drücken es aus. Den deutlichen Siegen gegen die zweit- und drittklassigen Nationen wie Israel (7:1), USA (4:2), Kuwait (7:0) und Östereich (6:2) stand schließlich die lehrreiche Niederlage gegen den WM-Favoriten Argentinien (0:1) und die Ernüchterung in Wales (0:1) gegenüber. Chefkritiker Günter Netzer fürchtet, „dass diese Mannschaft ganz schnell wieder zuhause ist.“

          „Man darf das alles nicht überbewerten“, beurteilte der Teamchef die Berg-und-Talfahrt. „Wir sind froh, dass diese Spiele, die Muster ohne Wert darstellen, jetzt vorbei sind“, erklärte Kapitän Oliver Kahn. „Die entscheidenden Tage kommen in Japan“, hakte der Münchner die elftägige Übungsphase ab.

          Mehr als eine Zweckgemeinschaft

          Marco Bode wäre froh, „wenn wir die Vorrunde irgendwie überstehen und der schlimmste Druck weg ist.“ Jens Jeremies glaubt an mehr und will sich mit der von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ausgegebener Zielsetzung Viertelfinale nicht begnügen. „Dann will ich auch ins Finale.“ Michael Ballack meint: „Wenn wir das Achtelfinale erreichen, ist alles möglich.“ Auch das Ausscheiden nach den Gruppenspielen. Nie waren die Erwartungen vor einer WM niedriger.

          Klar ist: Der Teamgeist soll nach Vorbild EM 1996 und Abschreckung EM 2002 jetzt eine große Rolle spielen. „Wir können nicht nur als Zweckgemeinschaft funktionieren“, fordert Völler, der stets unaufgeregt mit Problemen aller Art umgeht und einmal zuteil gewordenes Vertrauen nur selten entzieht.

          Kluger Kopf für die Abwehr gesucht

          „Kann sein, dass ihn da Otto Rehhagel geprägt hat“, vermutet Bode, der für die Nationalelf einen Leitspruch zitiert. „Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile.“ Bedeutet für Deutschland bei der Fußball-WM: Das Kollektiv der Kicker muss den Mangel an außergewöhnlichen Individualisten kompensieren.

          Und einige Ausfälle auffangen: Der Kreuzbandriss von Nowotny war der schwerwiegendste. Bundestrainer Michael Skibbe klagt: „Damit fehlt der Kopf der Abwehr.“ Die Organsiation der Defensive bereitet erhebliche Probleme, Völler scheint aber an der Formation mit der Viererkette festhalten zu wollen.

          Die Gefahren kennt er: „Einmal geschlafen, einmal sich nicht richtig konzentriert - und du fährst nach Hause.“ Neue Möglichkeiten hat Völler hinten kaum: Frank Baumann heißt eine Alternative, Carsten Ramelow könnte die Rolle eines Abwehrchefs in Ausputzermanier interpretieren.

          Luxusprobleme im Mittelfeld

          Wahrscheinlich aber ist, dass Deutschland gerade im ersten WM-Gruppenspiel am 1. Juni in Saudi Arabien auf eine Viererkette setzt. Doch schon Irland (5. Juni in Ibaraki) und Kamerun (10. Juni in Shizuoka) könnten Kardinalschwächen in punkto Abstimmung und Stellungsspiel aufdecken.

          Eher Luxusprobleme hat Völler im Mittelfeld: Michael Ballack ist gesetzt und Gegenstand großer Erwartungen. Völler: „Zu einem Weltklassespieler gehört eine große WM.“ Dietmar Hamann und Carsten Ramelow spielen im defensiven Mittelfeld die Schlüsselrollen und scheinen für den Teamchef gesetzt.

          Vom deutschen Sturm wird weniger erwartet. Oliver Bierhoff allerdings verspricht: „Wir haben kein Sturmproblem und bisher genug Tore erzielt.“ Zudem weckt Miroslav Klose mit seinen acht Toren in nur zwölf Länderspiele einige Hoffnungen. Er ist derzeit der Stürmer, der sich der Nominierung im ersten WM-Spiel sicher sein kann.

          Feinschliff gegen japanische Regional-Auswahl

          Sebastian Deisler personifizierte die gefährlich große Gruppe, der noch nicht voll belastbaren Spieler. Das Risiko, das mit seiner Nominierung eingegangen wurde, lohnte sich nicht. Seine Verletzung in Leverkusen war ein Schock.

          Die Verletzungen haben die Vorbereitungen empfindlich gestört, Rudis Rekonvaleszenten suchten beinahe verzweifelt nach Form und Fitness. „Keine Panik“, mahnt Kapitän Kahn, „wir müssen erst zur WM fit sein.“

          Doch die Zeit läuft den Deutschen davon. Marco Bode, Gerald Asamoah und Christian Ziege sind gerade erst fit geworden, Marko Rehmer musste während der Vorbereitung einen neuen Rückschlag verkraften. Die Testspiele boten kaum Möglichkeiten, die Mannschaft einzuspielen. Die Endspiel-Einsätze von Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen zwangen zur Improvisation.

          Deshalb hat der DFB vorgesorgt: Am 26. Mai wird im WM-Quartier in Miyazaki gegen eine regionale japanische Auswahl geprobt. Ein Spiel, dass für den „Feinschliff“ (Völler) sorgen soll.

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