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FAZ.NET-Spezial : Verblüffende Parallelen zwischen Schumacher und Fangio

  • Aktualisiert am

Legende: Juan Manuel Fangio bei der Zieldurchfahrt 1957 Bild: dpa

„Was er geschafft hat, kann ich nie erreichen“, lehnt Michael Schumacher jeden Vergleich mit Juan Manuel Fangio ab. Das FAZ.NET-Spezial.

          3 Min.

          Je fünf WM-Titel, Dutzende von Grand-Prix- Siegen und die herausragenden Formel-1-Fahrer ihrer Epoche: Die Parallelen zwischen Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher sind verblüffend.

          Obwohl fast ein halbes Jahrhundert zwischen den beiden Superstars liegt, weisen sie viele erstaunliche Gemeinsamkeiten weit über ihre beeindruckende Dominanz auf der Rennstrecke auf.

          Beide gelernte Kfz-Mechaniker

          Beide stammen aus relativ bescheidenen Verhältnissen und beide sind trotz ihrer sportlichen Triumphe sowie der daraus resultierenden Sonderstellung und des finanziellen Reichtums bescheiden und bodenständig geblieben. Als viertes von sechs Kindern italienischer Einwanderer wurde Fangio am 24. Juni 1911 in Balcarce, 300 km südlich von Buenos Aires, geboren. Der Argentinier machte wie später Schumacher eine Lehre als Kfz-Mechaniker.

          Gemeinsam ist den beiden auch die Liebe zum runden Leder: „El Chueco“, der Krummbeinige, wollte eigentlich Fußballspieler werden. Nur der Zufall machte Fangio zum Rennfahrer. „Wenn meine Freunde und ich etwas ausgeheckt hatten, drängten sie mich danach ans Steuer, um so schnell wie möglich das Weite suchen zu können“, erzählte er einmal. „Ich lernte Autofahren auf der Flucht.“

          Beide zurückhaltend

          Feingefühl und Schnelligkeit lernte sein deutsches Pendant dagegen schon als Vierjähriger auf der von seinem Vater Rolf betriebenen Kartbahn in Kerpen. Hobby-Kicker „Schumi“ frönt seiner zweiten großen Leidenschaft beim Schweizer Amateurverein FC Echichens.

          Schumacher und Fangio eint auch ihre eher zurückhaltende, stille Art. Der sensible Südamerikaner drängte sich nie in die Rolle des Idols, sondern blieb stets ein Mann des einfachen Volkes. „Ich habe gewonnen, weil ich das beste Auto, das beste Team und die besten Mechaniker hatte“, spielte der für seinen Fahrstil berühmte „Renn-Aristokrat“ seinen Anteil bescheiden herunter.

          Beide ausgeprägte Familienmenschen

          „Ich empfinde die Verehrung meiner Landsleute und anderer nicht als Last, sondern als Lob.“ Auch Schumacher spielt sich neben der Strecke nicht in den Vordergrund: Im Gegenteil, der ausgeprägte Familienmensch und Tierliebhaber sucht lieber die Ruhe. Was Fangio zeitlebens in Balcarce hatte, fand der vom PR-Rummel genervte Deutsche in der Schweiz.

          „Ich würde auch gerne mit Freunden einfach im Biergarten sitzen können, ohne ständig gestört zu werden“, drückte Volksheld Schumacher einmal seine Sehnsucht nach persönlichem Freiraum aus.

          Begegnung vor zehn Jahren

          Vor rund zehn Jahren begegneten sich der weltberühmte, schon 80- jährige Fangio und der damals noch weitgehend unbekannte Jungspunt erstmals. Auf dem Norisring saßen der Argentinier und das vielversprechende Nachwuchstalent aus Kerpen bei einer Mercedes-Veranstaltung in den legendären Silberpfeilen der 50er Jahre für eine Demonstrationsrunde.

          Aus dem Jungen kann etwas werden“, sagte Fangio über den Grand-Prix-Frischling. Der Mercedes-Junior wollte sich beim Fototermin lieber neben Fangios früheren Teamkollegen Karl Kling als neben den fünffachen Champion stellen. Zu groß war die Scheu des sich aus der Motorsport-Historie zudem nur wenig machenden Schumachers.

          Sportliche Vergleiche schwer möglich

          Heute steht der Ferrari-Star sportlich auf einer Stufe mit dem Südamerikaner, der seinen vierten Titel ebenfalls mit der Scuderia holte. Aber noch immer scheut Schumacher den direkten Vergleich. „Der Mann hat in meinen Augen so viel mehr erreicht zu seiner Zeit, als ich das je könnte“, sagte er unmittelbar nach seinem Titeltriumph.

          In den rund fünf Jahrzehnten zwischen den fünf Titeln Fangios (1951 und 1954 bis 1957) und Schumachers (1994, 1995 und 2000 bis 2002) hat sich die Formel 1 radikal verändert. Obwohl die „Kisten“ auch damals schon auf den Geraden über 300 km/h schnell waren, ist kein Vergleich möglich. Längst haben sichere Chassis aus Kohlefaser die mit Aluminium verkleideten Rohrrahmenmodelle ersetzt. Ein heutiger Reifen ist rund vier Mal so dick wie die damaligen „Fahrradschläuche“.

          Elektronik noch ein Fremdwort

          Elektronik und Aerodynamik waren in den 50-er Jahren noch Fremdworte. Heute sorgen Auslaufzonen und Reifenstapel für mehr Sicherheit, früher rasten die Fahrer an direkt neben der Strecke stehenden Zuschauern und Bäumen vorbei.

          So unterschiedlich die Bedingungen für Fangio und Schumacher waren, so ähnlich ist ihre Erfolgsbilanz. Der Argentinier siegte in 51 Grand Prix 24 Mal, startete 28 Mal von der Pole-Position und drehte 23 schnellste Rennrunden. Schumacher gewann bislang 61 von 172 WM-Läufen, war 46 Mal Trainingsbester und fuhr 47 Mal die schnellste Runde.

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