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FAZ.NET-Spezial : Rassiges Remis zum Rundenbeginn

  • Aktualisiert am

Saisonstart: Harte Zeiten für die Liga Bild: dpa

Trotz Kirch-Krise und Sparzwang: Die Fußball-Bundesliga startete gut - 2:2 zwischen Dortmund und Berlin.

          3 Min.

          Kirch-Krise, Schwarzgeld-Vorwürfe, arbeitslose Profis, Gehaltskürzungen: Die Fußball-Bundesliga produzierte vor dem Startschuss Negativ-Schlagzeilen, die Vorfreude auf die Jubiläums-Spielzeit 40 Tage nach dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft in Yokohama war dennoch da.

          Zu Recht: Denn die Liga startete gleich rasant in ihre 40. Saison. Im vorgezogenen Eröffnungsspiel fiel das erste Tor durch den Berliner Bart Goor bereits nach 53 Sekunden, in der vierten Minute konnte BVB-Zugang Torsten Frings ausgleichen. Da auf beiden Seiten noch je ein Treffer fiel, endete das Duell zwischen Meister Borussia Dortmund und Ligapokalsieger Hertha BSC Berlin gerecht mit 2:2 (2:1).

          „Die Situation ist schwierig“

          „Nur nach dem Bundesliga-Skandal war die Situation ähnlich schwierig wie jetzt“, sagt zwar Manager Michael Meier vom deutschen Meister Borussia Dortmund. Und Heribert Bruchhagen, verantwortlicher Geschäftsführer für Spielbetrieb bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), ergänzt: „Es dauert noch zwei Jahre, bis die Anpassung der Kosten und Einnahmen bei den Vereinen aufgefangen ist.“

          Serie: Die Liga vor dem Start

          Der Optimismus ist dennoch ungebrochen. Dank der unerwarteten Erfolgstory der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft scheinen sich die im Zuge der Kirch-Insolvenz aufgezogenen dunklen Wolken wieder zu verziehen.

          Rosige Zeiten?

          Unbeeindruckt von den Kürzungen bei den TV-Honoraren und den wachsenden Sorgen um die Finanzkraft der Vereine prophezeit Karl-Heinz Rummenigge der Eliteklasse vor dem Start am 9. August ein neues Hoch.

          „Ich sehe den Fußball in Deutschland vor rosigen Zeiten. Bis 2006 werden wir die beste Stadionstruktur der Welt haben. Die Zuschauer kommen in Strömen und die Sponsoren werden bestens bedient“, sagt der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München.

          Schmaler Grat

          Gleichwohl wandeln alle Beteiligten auf einem schmalen Grat. Erstmals seit Beginn der Bundesliga 1963 zeigt die Einnahmekurve bei den Fernsehgeldern nach unten. Angesichts der Einbußen von 20 Prozent macht sich in den Klubetagen eine längst überfällige Zurückhaltung breit: Prämien werden gekürzt, neue Verträge mit einer Risiko-Klausel versehen.

          Allein der Blick auf die Transferausgaben dokumentiert den Trend: Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Ausgaben auf dem Transfermarkt um fast 35 Prozent auf insgesamt 102,2 Millionen Euro gesenkt. Die anhaltende Wirtschaftskrise geht auch an den seit Jahren verhätschelten Stars nicht spurlos vorbei. Schließlich teilen rund 200 Profis aus der ersten und zweiten Bundesliga mittlerweile das Schicksal von vier Millionen arbeitslosen Deutschen.

          Etats auf Rekordniveau

          Aus Sorge um eine anhaltende Talfahrt signalisierten Spieler wie Stefan Reuter (Borussia Dortmund) bereits Bereitschaft zum Gehaltsverzicht: „Es ist legitim, dass die Klubs auch uns in die Verantwortung nehmen. Es wäre realitätsfremd, wenn die Spieler eine Verweigerungshaltung an den Tag legen würden.“ Und doch erweisen sich die Sprüche von neuer Sparsamkeit bei einigen Spielern und Managern nur als Lippenbekenntnisse.

          Mit rund 652,4 Millionen Euro erreicht die Gesamtsumme aller Etats der 18 Bundesligisten Rekordniveau. Verluste im TV-Bereich konnten durch bessere Verträge mit Sponsoren zumindest zum Teil aufgefangen werden. Immerhin 88,9 Millionen Mark bezahlten Wirtschaftsunternehmen für den Werbeschriftzug auf den Trikots von 15 Teams - und damit so viel wie nie zuvor.

          Rostock und Bochum präsentieren Sponsoren

          Obwohl die Suche nach einem potenten Trikotsponsor in Bremen schon im zweiten Jahr erfolglos blieb, ist die Bundesliga für werbliche Maßnahmen nach wie vor das Premiumprodukt im deutschen Sport.

          Davon profitiert auch Hansa Rostock, das nach langer Suche einen neuen Trikotsponsor präsentieren konnte: Vita-Cola. Die Hanseaten und der Getränkehersteller Thüringer Waldquell Mineralbrunnen einigten sich auf einen Zwei-Jahres-Vertrag, der dem Vernehmen nach mit zwei Millionen Euro pro Saison dotiert sein soll.

          Auch der VfL Bochum ist endlich fündig geworden. Einen Tag vor seinem Bundesligastart gab der Aufsteiger bekannt, dass die DWS Investment GmbH zunächst für ein Jahr auf den Trikots der VfL-Profis werben wird. Der Kontrakt soll mit 2,5 Millionen Euro dotiert sein.

          Sportliche Klasse

          Der Unterhaltungswert scheint also bei allem Krisengerede noch immer unumstritten. Das dramatische Saisonfinale im vergangenen Mai mit den Jubelbildern aus Dortmund und dem weinenden Manager Reiner Calmund in Leverkusen bleibt nicht nur den Fußballfans unvergessen.

          Zudem stellte die Liga ihre sportliche Klasse auch auf internationaler Bühne unter Beweis: Mit Bayer Leverkusen (Champions League) und Borussia Dortmund (Uefa-Cup) kämpften sich zwei deutsche Klubs bis in die beiden europäischen Klubfinals vor.

          Dreiklassen-Gesellschaft

          An der Dreiklassen-Gesellschaft in der Bundesliga dürfte sich wenig ändern. Der Blick auf die Transferausgaben spricht Bände: Von den 102,2 Millionen Euro für neue Bundesliga-Profis hat das Führungsquintett der vergangenen Saison aus Dortmund, Leverkusen, München, Gelsenkirchen und Berlin etwa 75 Prozent ausgegeben.

          In diese Phalanx einzubrechen, dürfte dem Rest der Liga schwer fallen. Die Kluft zwischen arm und reich, zwischen den Vereinen, die regelmäßig am internationalen Geschäft teilnehmen und jenen, die meist außen vor bleiben, wird immer größer.

          Und das ist das eigentlich Besorgnis erregende vor dem Start der 40. Bundesliga-Saison.

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