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FAZ.NET-Spezial : Leverkusen an der Spitze - Stevens vor Rauswurf

  • Aktualisiert am

Job in Gefahr: Huub Stevens Bild: dpa/dpaweb

Leverkusen und Stuttgart setzen ihre Erfolgsgeschichte in der Bundesliga fort. Trainer Stevens steht bei Hertha BSC vor der Entlassung. Kaiserslautern (4:0 gegen HSV) und Bochum (2:0 gegen Schalke) gewannen die Sonntagsspiele. FAZ.NET-Spezial.

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          Zu Saisonbeginn redeten sie von der Meisterschaft, nun stecken sie im tiefsten Abstiegssumpf. Nach dem Sturz von Hertha BSC auf den letzten Tabellenplatz scheinen die Tage von Trainer Huub Stevens beim Hauptstadtclub gezählt zu sein. Mit einem 1:4 vor heimischer Kulisse verhalfen die Berliner Profis dem starken Gegner aus Leverkusen zur Tabellenführung und sorgten für weitere „Stevens-Raus“-Rufe der Fans.

          Ebenfalls mit heftigen Problemen beladen ist Stevens-Kollege Kurt Jara, der mit dem Hamburger SV nach dem Aus im UEFA-Pokal auch in der Bundesliga nicht in Tritt kommt. Nach dem 0:4 am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern hat der HSV nur drei Zähler Abstand zum Tabellen-Ende. Im Revierderby mit dem immer kecker auftretenden VfL Bochum erlitt
          der FC Schalke 04 beim 0:2 die erste Heimniederlage unter Jupp Heynckes. Bochum ist schon Sechster, Kaiserslautern vor den punktgleichen Schalkern Elfter, der HSV folgt an Position 13.

          Einsam und verlassen mußte der von Schiedsrichter Markus Merk auf die Tribüne verbannte Niederländer mit ansehen, wie sein Team phasenweise vorgeführt wurde. „Es ist die schwierigste Situation in meiner Laufbahn“, bekannte der Coach.

          Die Krise von Hertha BSC bringt nicht nur Trainer Huub Stevens in Bedrängnis, auch Manager Dieter Hoeneß muß sich nach dem 1:4 gegen Leverkusen rechtfertigen

          Hertha-Kontrollgreminum entscheidet am Montag

          Der einsame Stevens inmitten der Baustelle des Berliner Olympiastadion sorgte für das stärkste Bild des 9. Spieltages. Selbst der spannende Kampf an der Tabellenspitze geriet angesichts der Hertha-Krise zum Randthema. Allein sein Handgemenge mit Leverkusens Ulf Kirsten an der Seitenlinie offenbarte den angespannten Gemütszustand des in dieser Bundesliga-Saison noch immer sieglosen Trainers. Wie es hieß, soll der Beteiligungs-Ausschuß als höchstes Kontrollgremium im Club am Montag über die Zukunft von Stevens befinden.

          Reichlich Gesprächsstoff gab es jedoch auch in den anderen Stadien. Anders als noch in der vorigen Saison, als der FC Bayern München einsam seine Kreise zog, hat sich in dieser Spielzeit die Zahl der Spitzenteams merklich erhöht. Vor allem die überraschend abgeklärten „jungen Wilden“ vom VfB Stuttgart avancierten neben den Leverkusenern endgültig zu Titelaspiranten.

          Dortmund unbeeindruckt vom Verletzungspech

          Beim 3:1-Erfolg gegen den bisherigen Tabellenführer aus Bremen ging zwar die Serie von Torhüter Timo Hildebrand nach 885 Minuten ohne Gegentor, nicht aber der Aufwärtstrend der Magath-Elf zu Ende. Selbst Werder-Kapitän Frank Baumann attestierte dem VfB Titelreife: „Sie stehen hinten gut, kontern stark und sind spielerisch enorm verbessert. Eine echte Spitzenmannschaft, die zu Recht mit ganz oben rangiert.“

          Den Teams aus Leverkusen und Stuttgart auf den Fersen bleibt Borussia Dortmund. Unbeeindruckt vom anhaltenden Verletzungspech fertigte das Team von Matthias Sammer auch ohne elf Profis Hannover mit 6:2 ab und verblüffte damit einmal mehr die Fachwelt. „Da sieht man mal, was mit Mannschaftsgeist alles möglich ist“, sagte Nationalspieler Christian Wörns über den fünften Pflichtspiel-Erfolg nacheinander. Getrübt wurde die Freude der Dortmunder allerdings von der Nachricht über Christoph Metzelder: Der Nationalspieler muß
          sich nach sechsmonatiger Pause erneut einer Operation an der Achillessehne unterziehen.

          Funkel verordnet Defensive pur

          Der haushohe Titelfavorit FC Bayern muß sich derzeit mit Platz fünf begnügen. Drei Tage vor der Champions-League-Partie beim neuen Elber-Club Olympique Lyon kam der Rekordmeister im Bundesliga-Klassiker bei Altmeister Borussia Mönchengladbach nicht über ein 0:0 hinaus. Für die dürftige Vorstellung auf dem Bökelberg machte Manager Uli Hoeneß den hohen Verletztenstand und die Länderspiel-Pause verantwortlich: „Nach 14 Tagen Bundesliga-Pause dauert es, bis wir wieder einigermaßen da sind. Wir waren immer besser, wenn wir ein volles Programm hatten.“

          Anders als Huub Stevens ersparte sich sein Leidensgenosse Friedhelm Funkel vorerst weitere Sorgen um den Arbeitsplatz. Mit Defensive pur und dem Treffer von Rückkehrer Mustafa Dogan zum 1:0 gegen den SC Freiburg verließ der 1. FC Köln die Abstiegsränge. „Für mich ist die Welt nie untergangen“, sagte Funkel und rechtfertigte seinen „Catenaccio“: „Wir haben schon bessere Spiele gemacht, aber die haben wir verloren.“

          Von einem solchen Erfolgserlebnis können die Profis aus Rostock und Frankfurt derzeit nur träumen. Hansa unterlag beim VfL Wolfsburg mit 1:3 und findet auch mit dem neuen Trainer Juri Schlünz keinen Weg aus der Krise. Und auch bei der Eintracht geht der Fahrstuhl nach dem 0:1 beim TSV 1860 München durch den ersten Treffer von Nationalspieler Benjamin Lauth nach zuletzt 1065 erfolglosen Minuten weiter nach unten.

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