https://www.faz.net/-gtl-3gsz

FAZ.NET-Spezial: Eishockey-WM : Stolze Sieger in der Niederlage

  • -Aktualisiert am

Gewinner: Das deutsche Eishockey-Team Bild: dpa

Auch wenn das deutsche Eishockey-Team am Ende im Viertelfinale gegen Schweden scheiterte, hat die Zach-Auswahl in der Bilanz gewonnen.

          Verlierer sehen wahrhaft anders aus. So sahen es auch die Zuschauer im Scandinavium in Göteborg. Es gab Applaus für die deutsche Mannschaft, die soeben Gastgeber Schweden mit 2:6 unterlegen war. Es mag sogar ein wenig Erleichterung in diesen Ovation mitgespielt haben.

          Denn nach der 2:1- Führung der DEB- Auswahl nach dem ersten Drittel, mussten die Tre Kronors eine Blamage wie bei Olympia befürchten. Die gab es nicht. Der siebenmalige Weltmeister offenbarte später seine ganze Klasse und zeigte dem Außenseiter die Grenzen auf.

          Belohnt mit Platz acht

          Dass nach den Tschechen, den Kanadiern und den USA nun auch die Schweden voll an ihre Leistungsgrenze gehen mussten, um gegen Deutschland zu gewinnen oder zu punkten, macht die Mannschaft von Hans Zach ebenfalls zu Gewinnern.

          Früher konnten die sich Top-Nationen einen schwachen Tag gegen Deutschland erlauben, um dennoch zu siegen. Mittlerweile müssen sie auf der Hut sein. „Wir wussten von vornherein“, gab NHL- Star Markus Näslund zu „gegen die deutsche Mannschaft muss man sein bestes Eishockey spielen, sonst erlebt man eine Überraschung.“

          Unterm Strich bleibt bei der WM 2002 Platz acht für das deutsche Team. Eine Belohnung, obwohl man in der Zwischenrunde gegen die USA alles versuchte, um mindestens Sechster zu werden. „Taktieren bringt nichts“, kommentierte Hans Zach. „Wer sich immer voll einsetzt wird belohnt.“

          Der „neue“ Hans Zach

          „Stolz auf diese Mannschaft“, sei er, betont Hans Zach immer. Man darf es ihm abnehmen, schließlich hat er dieses Team gebaut. Die Erfolge der vergangenen zwölf Monate haben auch die Wahrnehmung des Bundestrainers in der Öffentlichkeit verändert. Der mit aufgerissenen Augen und Mund wild gestikulierende Alpenvulkan wird sich so noch auf vielen Fotos abgebildet werden. Aber die Rolle des verständnis- und humorvollen väterlichen Freundes wird dieses Bild ablösen.

          „Obwohl ich mich nicht verändert habe. Ich habe schon immer auf Eigenverantwortlichkeit gebaut und versucht, die Spieler stark und nicht nieder zu machen“, sagt Zach. Inzwischen kommt es nach draußen rüber. Das dürfte gut tun. Zach wird seinen Vertrag in den nächsten Tagen um zwei weitere Jahre verlängern. Sein neuer Klub, die Kölner Haie, haben nichts dagegen. Auch sie gewinnen durch Zachs Verpflichtung an Profil.

          Benda bald in der NHL?

          Gewinner, wo man hinblickt. Die Debütanten schwammen sich auf internationalem Parkett frei, selbst wenn sie nicht frei von Fehlern waren. Routiniers wie Jürgen Rumrich und Wayne Hynes, die ihre Karriere im Nationalteam beenden hatten einen sehr guten Abschluss und Jan Benda, dem man immer nachsagte, sein Potential mit dem Adler auf der Brust nicht immer abzurufen, hat seine beste WM gespielt.

          So gut, dass NHL- Klub Edmonton Oilers darüber nachdenkt, den Weltenbummler nun doch unter Vertrag zu nehmen. Benda, der Allrounder, der in Schweden alles außer Torwart spielte kann auswählen. Angebote aus der DEL (Hamburg), Russland und sogar der Schweiz werden ins Haus flattern. Insgesamt ist das Ansehen des deutschen Eishockey- Spielers gestiegen. In der DEL möchte jetzt jeder Klub diese jungen Wilden haben. Die Suche wird intensiviert. Hoffentlich auch die Ausbildung.

          Verlierer in Deutschland

          Wo so viele Gewinner sind, muss es auch Verlierer geben. Die sitzen aber zuhause in Deutschland. Jochen Hecht zum Beispiel, der sich nach der NHL Saison im Gegensatz zu vielen anderen Stars anderer Nationen, körperlich nicht in der Lage sah, bei der WM aufzulaufen. Das Ansehen des NHL Profis in der Mannschaft und bei den Fans hat gelitten Wiedergutmachung ist frühestens in einem Jahr möglich.

          Verloren haben auch die Nürnberg Ice Tigers. Sie geben seit einem Jahr richtig viel Geld für einen kanadischen Torhüter namens Frederic Chabot aus. „Eine echte Nummer Eins“, wie man in Franken sagt. Dass man mit dem zweiten Mann Marc Seliger, der einmal mehr ein herausragendes Turnier spielte, eine solche und dazu günstigere bereits hatte, hat man irgendwie übersehen. Schade eigentlich.

          Weitere Themen

          Auf der Welle zum Rekord Video-Seite öffnen

          „Big Wave“-Surfer in Portugal : Auf der Welle zum Rekord

          Sebastian Steudtner surft in seiner Wahlheimat, dem portugisischen Nazaré, auf gigantische Wellen. Zwischen „Bergen aus Wasser“ surft der 33-jährige Deutsche, der schon zweimal den begehrten XXL Global Big Wave Award gewann, allerdings relativ gelassen.

          Topmeldungen

          Der Regelfall: Deutsche Polizisten als Freunde und Helfer beim DfB-Pokalspiel am 18. August in Ulm

          „NSU 2.0“ in Frankfurt : Die Polizei – dein Feind und Henker?

          Rechtsextreme drohen einer Frankfurter Anwältin, ihre zwei Jahre alte Tochter zu ermorden. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Frankfurter Polizei. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen zeigen sich alarmiert.

          Reisewarnung wegen Brexit : Warnt May die Briten vor Europareisen?

          Der Brexit steht vor der Tür und ob es einen Deal gibt, ist immer noch unklar. Angeblich plant die britische Regierung darum eine Reisewarnung für Europa. Die Regierung dementiert. Doch die Unruhe wächst.

          Schwangerschaftsabbrüche : Die alten Gräben

          In der Debatte über das Werbeverbot für Abtreibungen wird viel Falsches behauptet. Auf beiden Seiten des ideologischen Grabens. Dabei darf man auch den größten Missstand nicht aus dem Auge verlieren. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.