https://www.faz.net/-gtl-2hra

Fastenzeit : „Denken erleichtert, Fantasie angeregt“

  • -Aktualisiert am

Fasten folgt der Fastnacht Bild: dpa

Von Aschermittwoch bis Karfreitag wollen mehr als zwei Millionen Menschen auf Süßigkeiten, Alkohol oder Auto verzichten. Der Grundgedanke dabei: „Bewusst leben".

          Selbst Kardinal Karl Lehmann hat Probleme mit dem Fasten, und das sogar beim Alkohol. „Das geht nicht immer so leicht“, bekannte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz einmal freimütig. Schließlich sei er so häufig auf Empfänge geladen - „da wird man leicht zum Spielverderber, wenn man jeden Genuss ablehnt“.

          Für viele Katholiken ist heute strenges Fasten eine Sache der Vergangenheit. Auch Protestanten sehen den freiwilligen Nahrungsverzicht nicht so eng. Dennoch: Die Evangelische Kirche startet die Aktion „7 Wochen Ohne“. Von Aschermittwoch bis Karfreitag wollen mehr als zwei Millionen Menschen auf „Süßigkeiten, auf Alkohol, aufs Auto und oder Überstundenstress“ verzichten. Der Grundgedanke dabei ist: „Fasten muss nicht unbedingt wörtlich genommen werden. "Bewusst leben" ist die Devise.“

          Drosselung des Energiehaushalts

          Das war früher anders. So ermahnte das „Lexikon für Theologie und Kirche“ noch 1960 zur strikten „Drosselung des körperlichen Energiehaushalts“. Es gehe nicht um bloßes Hungern, schon gar nicht um Diät mit dem eitlen Ziel des Schlankwerdens. Auf die Folgen komme es an - auf außerordentliche Bewusstseinszustände, auf Visionen und Trance, auf magische und spirituelle Erlebnisse.

          Der Anfang sei zwar schwer. „Zunächst werden Denken und Fantasie aufs Essen gelenkt, Hungergefühle verstimmen.“ Doch dann winke ein ganz neues Hochgefühl. „Das Denken wird erleichtert, die Fantasie angeregt, die Aufnahmefähigkeit wächst. Die Beherrschung des Urtriebs Hunger weckt Freude und Gelöstheit. Die Entlastung des Bauchraums mindert die geschlechtlichen Reize.“ Soweit das Lexikon.

          Mystik und Meditation

          Wie viele Deutsche heute die traditionellen 40 Fastentage vor Ostern einhalten, schätzt niemand so recht ab. „Viele werden das einfach verschlafen“, heißt es bei der Deutschen Bischofskonferenz. Doch jenseits der Kirchen ist eine bunte Gemeinde von „Fasten-Fans“ herangewachsen - die „Körpergefühl“ mit religiösen Erleben, Mystik mit christlich orientierter Meditation verbinden. „Heilfasten“, „ganzheitliches Fasten“ und „Gruppenfasten“ heißen die Stichworte.

          Gesucht wird das „besondere spirituelle Erlebnis“ jenseits des Alltags. Da gibt es „Wanderfasten“ - Nahrungsverzicht verbunden mit Naturerlebnis. „Man läuft einfach los“, verzichtet auf feste Nahrung, zu trinken gibt es Wasser und Tee. Wichtig sei nur festes Schuhwerk. Doch es gibt auch ein Ziel: „Wenn das Fasten dazu verhilft, liebenswürdiger und liebevoller zu werden, dann ist es ein Königsweg.“

          Verzicht auf Genuss

          Die heutigen Fastenregeln der katholischen Kirche lassen dem Gläubigen weitgehend freie Wahl. „Es kommt vor allem darauf an, auf einen Genuss zu verzichten, der einem besonders lieb ist“, erklärt ein Theologe im Vatikan.

          Noch vor gar nicht so langer Zeit musste man bis Ostern ganz auf Fleisch verzichtet, traditionelle „Fastenspeisen“ waren Graupen- und Griessuppen sowie Fisch. Im Mittelalter waren gar Milch, Käse und Butter tabu. Wer Stärkung brauchte, durfte zum „Fastenbier“ greifen. Auch Schokolade war erlaubt. „Potus iste non frangit jejunium“ - Schokolade bricht das Fasten nicht, lautet das berühmte Papstverdikt beim Konzil von Trient im 16. Jahrhundert.

          Weitere Themen

          Basler Festspiele, Pleite für Doll

          Europa League : Basler Festspiele, Pleite für Doll

          Der frühere Bundesligatrainer Thomas Doll unterliegt mit seinem Team gegen F91 Düdelingen. Celtic Glasgow gelingt derweil nur ein Remis, Standart Lüttich siegt in der Eintracht-Gruppe. Und der FC Basel bezwingt Krasnodar deutlich.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.