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Fanproteste : „Pro 15:30“ fehlt der Rückhalt aller Fußball-Anhänger

  • -Aktualisiert am

Eindeutige Fan-Meinung Bild: dpa

Die Fan-Initiative plant Demos gegen die Spieltermine der Liga. Doch vielen Fußball-Freunden gefällt die Aufsplittung und die Inflation der Livespiele im Fernsehen.

          2 Min.

          Ein Teil der deutschen Fußball-Bewegung, nämlich die Anhänger im Stadion, wollen am Wochenende gegen die Aufsplittung der Spieltage und die fanfeindlichen Anstoßzeiten demonstrieren. Die Protestbewegung hat sich in der Initiative „Pro 1530" zusammengeschlossen, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

          Doch die Fans im Stadion haben im Geschäft rund um die Medienware Fußball längst an Bedeutung verloren. An guten Wochenenden gehen 350.000 Fußballanhänger ins Stadion, aber zehn Millionen sitzen vor dem Fernseher. Die befürchtete Übersättigung im Fernsehen ist nach Ergebnissen verschiedener Meinungsforschungsinstitute nicht eingetreten. Nach einer Umfrage von Emnid kritisierten zwar 48,8 Prozent der über 1.000 Befragten die Aufsplittung der Bundesliga-Spieltage auf drei Tage. Aber die Mehrzahl der deutschen Fans (68,7 Prozent) freut sich über die stark angewachsene Zahl der Live-Übertragungen von Fußball-Begegnungen im Fernsehen.

          TV-Fußball kommt an

          Das Kölner Marktforschungsinstitut SPORT + MARKT AG kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Auch bei dieser Umfrage waren nur 34 Prozent von 1.004 Interviewten der Meinung, dass zu viel Fußball im Fernsehen gezeigt würde. Die Kölner Marktforscher beleuchteten zudem das Verhältnis zwischen Fans und Vereinen. Fast die Hälfte (49 Prozent) ist mittlerweile davon überzeugt, dass sich die Clubs zunehmend von ihren Vereinen entfernen.

          Völlig unbeachtet in der aktuellen Fan-Debatte sind die Bedürfnisse der gelegentlichen Stadionbesucher und Fernsehkonsumenten. Thematisiert werden nur die Wünsche der allerdings besonders treuen Anhänger in den Fan-Kurven und auf den Stehplätzen. Wie kommt die Aufsplittung der Spieltage, verschiedene Anstoßzeiten dem Rest der Fußballfreunde entgegen?. Neben der ursprünglichen Fanszene gibt es auch Stadionbesucher, die auf Grund veränderter Arbeitsbedingungen und liberaleren Ladenöffnungszeiten ein anderes Freizeitverhalten haben. Dieser Gruppe kommen die von „Pro 15:30“ kritisierten Veränderungen entgegen.

          Fans als nützliche Idioten?

          Einen promminenten Fürsprecher hat die Initiative allerdings. Der Präsident von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum, mahnt: „Die Bundesliga sollte dieses Stimmungsbild sehr ernst nehmen.“ Im „Handelsblatt“ spricht sich Niebaum dafür aus, die Sonntagspiele abzuschaffen. „Der jetzige Spielplan in seiner aufgefächerten Form widerspricht den jahrzehntelangen Gewohnheiten der Stadion-Besucher.“ Denn langfristig leide sonst auch das Fernseh-Produkt „Fußball“, wenn die Stimmung in den Stadien fehle.

          Nach Ansicht des Berliner Philosophen Gunter Gebauer hat sich „der Fußball hat sich von den Stadionbesuchern weitgehend emanzipiert“. In einem Interview mit der Illustrierten „Stern“ betonte Gebauer: „Fußball wird im Wesentlichen über Medien vermittelt, und zwar so, dass eine Masse von Menschen erreicht wird und er Geld bringt. ... Dafür sind die Fans im Stadion nötig, aber nicht mehr als Basis der ganzen Geschichte. Millionen genießen zu Hause das pure Medienprodukt und denken vielleicht gar nicht dran, in die Arenen zu gehen. Jene im Stadion erledigen die Kärrnerarbeit und sind - ohne dass ich mich lustig machen will - so etwas wie die nützlichen Idioten. Die sich in manchem vielleicht überschätzen."

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