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DFB-Pokal : Falsche Antwort auf die wichtigste Frage

Hinter der Linie: Dante befördert den Ball aus dem Tor Bild: dpa

Tor oder nicht Tor? Einmal mehr beeinflusste im Pokalfinale eine Fehlentscheidung maßgeblich den Ausgang eines Fußballspiels. Für Borussia Dortmund ist die Diskussion ein sehr schwacher Trost. Die Fußnote beim Pokalsieg von Bayern München wird verblassen.

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          Tor oder kein Tor – das war selbst oben auf der Tribüne in rund 100 Metern Entfernung zum Ort des Geschehens allenfalls eine kurze Frage letzter Unsicherheit. Beim Anblick der  Fernsehbilder war sofort klar, dass die erste eigene Einschätzung nicht getrogen hatte. Doch dass solche Fehlentscheidungen, wie sie nun Schiedsrichter Florian Meyer im Pokalfinale getroffen hat, zur besonderen Fußball-Romantik gehören, über die sich doch so trefflich streiten lasse, hatten all die Befürworter jener Entscheidung ins Feld geführt, das die Vereine der Deutschen Fußball Liga vor ein paar Wochen getroffen hatten.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Eine Torlinientechnologie, die dem Schiedsrichter in jenen Momenten zu Hilfe kommen könnte, wurde mehrheitlich abgelehnt. Zu teuer hieß es, außerdem werde sie nur in ganz seltenen Fällen benötigt. Und schon war er da, noch dazu in einem K.o.-Spiel, dieser seltene Fall.

          Der Schiedsrichter hatte die schlechteste Sicht

          Auch ein anderes Abstimmungsergebnis hätte für dieses Pokalfinale natürlich noch keine Auswirkung gehabt, es hätte nur verhindert, dass sich solche Szenen auch in Zukunft immer wiederholen können. Selbst unter den Anhängern der Dortmunder Borussia wird es genügend Stimmen gegeben haben, die diese Entscheidung gegen eine Torlinientechnologie begrüßt haben – und die nun möglicherweise zu einem anderen Urteil kommen würden. Selbst die kostengünstigste Variante – das Hinzuziehen von Fernsehbildern zur Entscheidungsfindung – hätte nur ein paar Sekunden in Anspruch genommen, um zur richtigen Antwort auf die wichtigste Frage in einem Fußballspiel zu kommen: Tor oder kein Tor?

          Dortmund jubelt zu früh: Der Schiedsrichter entscheidet anders Bilderstrecke

          Dass sich Schiedsrichter Meyer gegenüber dem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp darauf berufen haben soll, für ein exaktes Urteil wäre eine Torlinientechnologie nötig gewesen, ist ärgerlich für die Borussia, aber verständlich aus Sicht des Unparteiischen. Meyer stand am Strafraumrand frontal zum Geschehen, vor ihm ein Pulk von Spielern, und ausgerechnet der Schiedsrichter hatte somit eine der schlechtesten Positionen im gesamten Stadion, um genau zu erkennen, wo sich der Ball bei Dantes Befreiungsschlag wann befunden haben könnte.

          Zur Folklore rund um diesen Moment gehört die Wahrnehmung, dass sein Linienrichter-Assistent zunächst zur Spielmitte gezeigt hat, was ein Tor signalisieren müsste, dann aber den Arm wieder hat sinken lassen. Das Schiedsrichter-Gespann hat längst auch andere Mittel der Telekommunikation zum Zwecke des Meinungsaustausches als Handzeichen. Schon bei der Entscheidung gegen die Torlinientechnologie hatten die Schiedsrichter angemerkt, dass die Vereine nun aber in Zukunft beißende Kritik bei Fehlentscheidungen unterlassen sollten – auch die Schiedsrichter hatten sich zuvor für technische Hilfsmittel entschieden.

          Vermutlich hätte in diesem Pokalfinale sogar die Einschätzung der Uefa genügt, die Torrichter bei den Begegnungen in europäischen Wettbewerben einsetzt, doch eklatante Wahrnehmungsfehler hat es auch bei diesem Vorgehen schon gegeben.

          Eine Fußnote, die verblassen wird

          Für Borussia Dortmund, das sich wie Bayern München für technische Überwachung ausgesprochen hatte, ist diese 65. Minute des Pokalfinals mehr als nur ein  ärgerlicher Umstand, über den sich angeblich so wunderbar streiten lässt. Der Treffer von Hummels hätte der Partie eine Richtung und damit taktische Änderungen vorgegeben, die vielleicht zu einem anderen Ausgang des Finales geführt hätten.

          Letztlich war der Sieg der Bayern zwar verdient, aber niemand kann vorhersagen, was in den verbleibenden 25 Minuten der regulären Spielzeit nach einer Dortmunder Führung geschehen wäre. Zunächst hat dieses Pokalfinale so eine kleine Fußnote, die aber nach und nach verblassen und dann verschwinden wird. Der Pokalsieger 2014 heißt Bayern München, und dass er auch Borussia Dortmund hätte heißen können, wird allenfalls ein Thema an den Stammtischen bleiben – aber vielleicht nicht nur dort.

          Spätestens wenn der nächste BVB-Spieler Richtung Süden wechselt, weil dort Titelgewinne wahrscheinlicher und Gehaltsaufbesserungen sicher sind, ist es mit der romantischen Sichtweise, dass Fehlentscheidungen zum Fußball gehören, vorbei.

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