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Fall Mühlegg : „Das geht gegen den letzten Tropfen meiner Ehre“

  • Aktualisiert am

Zwei der drei aberkannten Medaillen - Johann Mühlegg Bild: AP

Johann Mühlegg will um seine olympischen Goldmedaillen kämpfen. Bei den deutschen Skilangläufer wurde das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes gegen den Dopingsünder begrüßt.

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          Skilangläufer Johann Mühlegg will gegen die Aberkennung seiner drei bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewonnen Goldmedaillen ankämpfen. „Das geht gegen den letzten Tropfen meiner Ehre“, sagte der in Grainau lebende und für Spanien startende Allgäuer am Freitag.

          Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hatte am Donnerstag das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angewiesen, die Aberkennung bis zum 14. März zu beschließen. Die IOC-Führung hatte dem 33jährigen wegen seines Doping-Vergehens noch in Salt Lake City nur einen Olympiasieg aberkannt.

          Regel nach Salt Lake verändert

          Weitergehende Kommentare lehnt Mühlegg vorläufig ab. „Ich werde mich zur Sache äußern, nur stehen Zeitpunkt und Form noch nicht fest. Wir suchen noch nach der besten Möglichkeit. Da gibt es mehrere Varianten.“ Er sei von der CAS-Entscheidung „total überrascht“ worden. Auf seiner Webseite warb er am Freitag noch als Gewinner von zwei Mal Olympia-Gold 2002. In Salt Lake City war er nach seinem Sieg über 50 km disqualifiziert worden, nachdem sich eine zwei Tage zuvor genommenen Trainingskontrolle als Positiv-Test herausgestellt hatte.

          Gegen die Entscheidung der IOC-Exekutive, die am 28./29. Februar in Lausanne tagt, hat Mühlegg noch eine Berufungsmöglichkeit vor dem CAS. Sollte sich auch eine Revisionskammer des Schiedsgerichts für eine Aberkennung der zwei restlichen Goldmedaillen aussprechen, bliebe dem umstrittenen Athleten lediglich noch der Gang vor ein Zivilgericht. Mit seiner ersten Disqualifikation in Salt Lake City hatte das IOC-Exekutivkomitee seine eigene Regel enger ausgelegt als der CAS. Diese Regel ist inzwischen vom IOC erweitert und präzisiert worden. Sie sieht nun für schwere Dopingverfehlungen die totale Disqualifikation bei Olympischen Spielen ausdrücklich vor.

          „Urteil stimmt zuversichtlich“

          Im Weltcup-Zirkus der Skilangläufer, der gegenwärtig in Ramsau Station macht, wurde die CAS-Entscheidung begrüßt. „Daß so konsequent geurteilt wurde, stimmt zuversichtlich“, erklärte Bundestrainer Jochen Behle. „Ich war ja schon immer der Meinung, daß alle Plazierungen von Sportlern, die während eines Events wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen positiv getestet wurden, sofort gestrichen werden sollten“, fügte Behle an.

          Auch wenn Mühlegg und die ebenfalls betroffene Russin Olga Danilowa (ihr sollen Gold und Silber aberkannt werden) noch die Möglichkeit haben, gegen das neue Urteil Einspruch einzulegen, stießen die deutschen Langläufer im Mannschaftshotel Blasbichler Hof bereits mit einem Glas Sekt auf die Bronzemedaille für Viola Bauer an. Es sei nicht schön gewesen, daß sich das Verfahren über drei Monate hingezogen habe, sagte die Oberwiesenthalerin. Trotzdem freue sie sich riesig, auch wenn das emotional nicht so wie bei Winterspielen selbst sei. „Die Freude ist eine andere.“ Durch die CAS-Entscheidung verbesserte sich die Bilanz der deutschen Skilangläufer in Salt Lake City auf fünf Medaillen.

          Start nach Ende der Sperre fraglich

          In Spanien waren die Reaktionen auf das CAS-Urteil zwiespältig. Während Eduardo Roldan, der Präsident des Wintersportverbandes, Mühlegg als „Opfer einer Kampagne“ sieht, das „beinahe unmenschlich behandelt“ wurde, erklärte sein Teamkollege Juan Jesus Gutierrez: „Das hätte er sich früher überlegen müssen. Wenn man betrügt, muß man dafür bezahlen. Das ist nur gerecht.“ Die Zeitung „As“ stellte die Frage, „ob Mühlegg jetzt die Prämien von 120.000 Euro zurückzahlen muß, die er für seine Medaillen erhalten hat?“

          Während Jochen Behle davon aus geht, daß Mühlegg nach Ablauf seiner zweijährigen Sperre ab 21. Februar kommenden Jahres wieder im Weltcup antritt, verweigerte der Doping-Sünder eine konkrete Aussage dazu. „Ich trainiere, mehr sage ich nicht“, bemerkte Mühlegg. Selbst der spanische Auswahl-Trainer konnte keine Aussage machen, ob Mühlegg ab Ende Februar wieder laufen wird. Und auch die Teamkollegen wissen von nichts. „Wir haben ihn seit einem Jahr nicht mehr gesehen“, zitierte das Blatt „Marca“ einen namentlich nicht genannten Läufer.

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