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Fall Baumann : DLV wehrt sich gegen Vertuschungs-Vorwürfe

  • Aktualisiert am

DLV-Präsident Prokop: „Vertuschungsvorwurf ist Unsinn” Bild: AP

DLV-Präsident Clemens Prokop hat Vorwürfe von Dieter Baumann zurückgewiesen, er habe 1999 dem Olympiasieger angeboten, den den Doping-Fall zu vertuschen.

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          Am Montag endet die zweijährige Dopingsperre von Dieter Baumann, und schon am kommenden Sonntag beim Hallenmeeting in Dortmund wird der 5000-m-Olympiasieger von 1992 sein Comeback geben. „Ich habe so gut wie selten trainiert“, sagt der 36-jährige Tübinger nach der Rückkehr aus einem mehrwöchigen Trainingslager an der portugiesischen Algarve-Küste und hegt keine Zweifel daran, an seine frühere Leistungsfähigkeit anknüpfen zu können.

          Doch mit den Vorveröffentlichungen seines Buches „Lebenslauf“ und seiner Abrechnung mit der Funktionärsetage hat er seine läuferischen Ambitionen zunächst wieder in den Hintergrund gerückt. Der clevere Schwabe nutzt die Rückkehr auf die Laufbahn zur geschickten PR-Kampagne für seine Aufarbeitung des spektakulärsten Dopingfalles der deutschen Leichtathletik. Was zumindest absattzfördernd für die erste Auflage von 20.000 Exemplaren sein könnte. Neue Freunde wird er sich damit nicht machen, aber die Fronten in der polarisierenden "Opfer oder Täter-Diskussion" waren ohnehin lange verhärtet.

          Prokop: "Absurder Vorwurf"

          Am Freitag wird sein Buch offiziell vorgestellt. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), äußerte sich am Montag zum Baumann darin erhobenen Vorwürfen: „Es ist bedauerlich, dass durch die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt der Sport zum Auftakt unserer Hallensaison wieder in den Schatten gerät.“

          Dieter Baumann: „Es war eine Falle”

          Den aufgekommenen Verdacht eines Angebots zur Vertuschung der positiven Dopingtests, falls Dieter Baumann seine Karriere beendet hätte, weist Prokop entschieden zurück: „Der Vorwurf wäre absurd. Eine Vertuschung hätte gar nicht stattfinden können, weil zum Zeitpunkt der Anhörung von Dieter Baumann der Deutsche Sportbund und der Leichtathletik-Weltverband bereits informiert waren.“ Außerdem hätten staatliche Gerichte dem DLV bestätigt, das Baumann- Verfahren regelgerecht und korrekt behandelt zu haben.

          Geheimhaltung bei Karrierende?

          Baumann schildert in seinem Buch, dass er sich nach seiner ersten Anhörung im November 1999 in der DLV-Zentrale in Darmstadt gefragt habe, ob man ihm die Geheimhaltung der positiven Kontrollen zusichere, falls er seine Karriere beende. Diese Vermutung gründet Baumann auf eine Äußerung Prokops. Der damalige DLV-Vizepräsident Recht habe gesagt: „Wir als Antidoping-Kommission können nur ein Verfahren gegen dich einleiten, wenn du Mitglied eines Vereins bist. Du bist doch schon fast 35.“

          Prokop erklärt dazu: „An den genauen Wortlaut kann ich mich nicht erinnern. Herr Baumann wurde - wie in allen Fällen üblich - auf die Richtlinien der Rechts- und Verfahrensordnung hingewiesen.“ Zum damaligen Zeitpunkt war die Vereinsmitgliedschaft noch eine Bedingung für die Einleitung eines Verfahrens. Dies gilt inzwischen jedoch nicht mehr.

          DLV wehrt sich

          Der DLV erklärte am Montagnachmittag offiziell per Pressemitteilung: „Eine Empfehlung, aus dem Verein auszutreten, um damit den Fall zu vertuschen, oder das Angebot, die Veröffentlichung des Falles zu unterlassen, hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben“, heißt in einem Schreiben von Theo Rous.

          Ungeachtet aller Wogen um die verkaufsfördernd zum Comeback-Zeitpunkt lancierte Buchveröffentlichung steht die sportliche Saisonplanung Dieter Baumanns fest. Eine Woche nach dem Meeting in Dortmund stellt sich der Tübinger am 3. Februar erneut über 3000 m einem Härtetest in Stuttgart, wo er unter anderem auf Äthiopiens Olympiasieger Million Wolde trifft.

          Die Hallen-DM in Sindelfingen (16./17. Februar) und die EM in Wien (1.-3. März) spielen in den Plänen Baumanns keine Rolle, weil er dann bereits in der Vorbereitung auf sein Marathon-Debüt steckt, das der Schwabe am 21. April in Hamburg geben will. „Es ist ein Abenteuer, ich stelle mich einer völlig neuen Herausforderung“, sagt Baumann, der im August bei der EM in München voraussichtlich über 10.000 m starten will. Jedenfalls plant der Vize-Europameister von Budapest 1998 im Vorfeld des Hamburg-Marathons einen Start bei der European Challenge über 10. 000 m, die als beste EM-Qualifikationsgelegenheit über die längste Bahndistanz gilt.

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