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F.A.Z. exklusiv : Geheimzahlungen der Uefa an Platini

Von wegen auf Wiedersehen: Trotz Sperre und Abwahl wird der einstige Chef Platini bei der Uefa großzügig honoriert. Bild: AP

Trotz Sperre und Abwahl will der europäische Fußball-Verband den einstigen Chef weiter großzügig vergüten. Auch sein Nachfolger Ceferin gerät schon ins Zwielicht.

          Der wegen einer Mehrzahl ethischer Verstöße abgesetzte, in letzter Instanz vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) für vier Jahre als Funktionär gesperrte und in der vergangenen Woche bei einem Wahlkongress als Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) ausgetauschte Franzose Michel Platini erhält weiterhin finanzielle Zuwendungen von der Uefa.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und nicht nur das: Hinter verschlossenen Türen soll für ihn offenbar im Nachhinein eine großzügige Abfindungs- und Rentenregelung geschaffen werden. Das hat die Uefa der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf Anfrage indirekt bestätigt. „Das Thema wird wohl in den kommenden Monaten vom Exekutivkomitee der Uefa angegangen, auf Vorschlag und unter Beratung des neuen Uefa Compensation Committee und von Rechtsexperten“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes. Nach F.A.Z.-Informationen soll Platini als Präsident jedes Jahr von der Uefa eine Vergütung im unteren einstelligen Millionenbereich erhalten haben.

          „Das erinnerte einen schon an Mafia-Filme“

          Die Frage ist allerdings, weshalb Platini überhaupt vom europäischen Verband noch Geld bekommt. Hier könnte sich die Uefa der Untreue schuldig machen. Nicht nur, dass der Franzose seit vergangenem Mittwoch gar nicht mehr Uefa-Präsident ist. Wegen seines Fehlverhaltens hat er auch der Fifa, deren höchstem Gremium er als Vizepräsident angehörte, geschadet. Die Ermittler der Fifa-Ethikkommission sahen hinsichtlich der dubiosen Zahlung von zwei Millionen Franken einen Fall von Korruption. Der Betrag war im Februar 2011 aus der Fifa-Kasse auf Anweisung des ehemaligen Weltverbands-Chefs Joseph Blatter an Platini gegangen. Am 9. Mai hatte der zu dieser Zeit schon suspendierte Franzose selbst seinen Rücktritt als Uefa-Präsident angekündigt. Zudem hätte er sich in diesem Jahr im Normalfall sowieso einer Wiederwahl stellen müssen. Wegen seiner Sperre durfte sich Platini schon nicht für die Fifa-Präsidentenwahl im Februar anmelden, so dass schließlich der frühere Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino der Nachfolger Blatter wurde.

          Es drängt sich die Vermutung auf, dass Platini im Nachhinein von früheren Weggefährten in der Uefa noch die eine oder andere Million zugeschanzt werden soll. Beim Wahlkongress in Athen vergangene Woche, bei dem der Slowene Aleksander Ceferin gewählt wurde, hatten die alten Seilschaften schon dafür gesorgt, dass der Franzose mit einer fragwürdigen Ausnahmegenehmigung der Fifa-Ethikkommission auftreten und sogar reden durfte. In den Gängen des Kongresshotels, geschützt vor den Kameras, sei es zwischen Uefa-Funktionären und Platini zu zweifelhaften Treueschwüren gekommen, ist zu erfahren. „Das erinnerte einen schon an Mafia-Filme“, sagte ein anwesender Funktionär, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

          Neuerdings mit Bart: Die Fifa löst seine Ablösungsprozess vom alten Patron Blatter relativ konsequent

          Im Gegensatz zur Uefa gestaltete sich beim Weltverband Fifa der Ablösungsprozess vom alten Patron Blatter am Ende relativ konsequent. Zahlungen an Blatter fanden vom 26. Februar an nicht mehr statt, nachdem Infantino zum Nachfolger gewählt worden war. Es gab auch keine Abgangsentschädigung. Der im Mai zurückgetretene Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, hatte zudem dafür gesorgt, dass Blatter aufgrund der Sperre durch die Fifa-Ethikkommission weder seinen Bonus für 2015 noch die Jahre zwischen 2011 und 2014 erhielt. Die variablen Leistungen für den ehemaligen Fifa-Chef sollen in einem WM-Vierjahreszyklus bei insgesamt zwölf Millionen Franken gelegen haben. Blatters Grundgehalt pro Jahr wurde auf drei Millionen Franken taxiert.

          Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, hatte vergangene Woche vor der Wahl des Platini-Nachfolgers hervorgehoben, dass die Uefa aus seiner Sicht mit neuer Führung Themen wie Good Governance, Compliance und die Umsetzung von Reformen in der Organisation ernsthaft umsetzen wolle. Er habe den Slowenen Ceferin zweimal persönlich getroffen und den Eindruck gewonnen, dass dieser hinter seinen Ankündigungen stünde, sagte Grindel. Allein im Fall der finanziellen Verwicklungen um den Abgang von Platini sieht es nun aber gar nicht nach einem sauberen Geschäftsgebaren aus.

          Verbindungen von Mutko zu Ceferin

          Der aus dem Nichts in die Spitzenposition gekommene Ceferin gilt einigen Beobachtern nur als Marionette einiger wichtiger Strippenzieher im Fußball. Und auch hier stellen sich neue Fragen. Der Rechtsanwalt aus Ljubljana führt in der Heimat eine Kanzlei mit vielen geschäftlichen Verbindungen nach Russland. Der russische Sportminister Witali Mutko, laut offizieller Untersuchung als internationaler Aufklärer mitverantwortlich für das Doping-System in Russland und dennoch weiterhin mit Sitz im Fifa-Council, ist wohl einer seiner größten Protegés.

          In Medienberichten und Blogger-Einträgen wird Ceferin vorgeworfen, dass er in seinem Lebenslauf als Präsident des slowenischen Fußballverbandes und Fußballfunktionär falsche Angaben gemacht habe. Drei Einträge, von denen sich einer auf seine angeblich geschäftsführende Tätigkeit beim Profiklub NK Olimpija Ljubljana zwischen 2006 und 2011 bezieht, entsprächen nicht der Wirklichkeit. Dazu der europäische Verband auf Anfrage: „Die Uefa hat absolut keine Bedenken bezüglich des Lebenslaufes und der Qualifikationen seines neuen Präsidenten und wird keine Kommentare mehr abgeben zu Geschichten, die sich auf reine Spekulationen gründen.“

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