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Europas Schuldenkrise : In der EZB wächst die Sorge um Spanien

  • -Aktualisiert am

Liegt der Kapitalbedarf der spanischen Banken bei 50 Milliarden Euro? Bild: dpa

Viele Investoren fürchten einen höheren Kapitalbedarf für spanische Banken als bisher geschätzt. Die Bundesbank spricht sich allerdings gegen Hilfen aus. Auch die Bundesregierung sieht keinen Bedarf.

          In der Europäischen Zentralbank wächst die Sorge um Spanien. Auf den Märkten zweifelten viele Investoren daran, dass der von der spanischen Regierung geschätzte Kapitalbedarf der Banken - die Rede ist von einer Größenordung von etwa 50 Milliarden Euro - realistisch sei, sagte ein hochrangiger Angehöriger der EZB am Mittwoch.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich allerdings dagegen aus, Spanien zur Annahme von Hilfen zu drängen. „Wir sollten nicht immer den Weltuntergang ausrufen, wenn die langfristigen Zinsen eines Landes zeitweilig über 6 Prozent steigen“, sagte Weidmann in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

          Dass Länder an den Anleihe-Märkten unterschiedlich bewertet werden, sei auch „Ansporn für die Politik, durch eine Fortsetzung des Reformkurses Vertrauen zurückzugewinnen.“ Es könne nicht Aufgabe der EZB sein, Spanien mit der Notenpresse zu helfen - zum Beispiel durch die Wiederaufnahme ihrer Staatsanleihenkäufe oder durch neue langfristige Kredite für die Banken.

          Auch die Bundesregierung sieht keinen Bedarf für Hilfen. Die in Angriff genommenen Reformen seien überzeugend: „Es ist nicht zu erkennen, dass Spanien ein Hilfsprogramm braucht oder in Anspruch nehmen möchte“, teilte das Bundesfinanzministerium mit.

          Brauchen die Banken überhaupt eine Geldmarkt-Finanzierung?

          Der Vorstandsvorsitzende einer spanischen Großbank sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die meisten spanischen Banken bräuchten derzeit gar keine Finanzierung über den Geldmarkt, weil kein Mangel an Liquidität herrsche. Das sei jedoch gar nicht das Problem, hieß es in der EZB. Mit den im Dezember und Februar für drei Jahre bereitgestellten rund 1000 Milliarden Euro sei die Liquiditätsknappheit behoben.

          Doch nun richteten sich die Sorgen der Investoren auf die Qualität der spanischen Bankenbilanzen und die wegen notleidender Immobilienkredite drohenden Verluste. Ein mögliches Programm für Spanien habe den Vorteil, dass eine externe Institution Klarheit über den Kapitalbedarf der spanischen Banken schaffen könne, was Transparenz und Vertrauen schaffe.

          Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Wir sollten nicht immer gleich den Weltuntergang ausrufen“

          In Brüssel wurden unterdessen Mediengerüchte dementiert, wonach der europäische Stabilisierungsfonds EFSF den Banken direkt Geld geben könnte. Das sei rechtlich unmöglich. Der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn erinnerte an die Beschlüsse der EU-Staats- und Regierungschefs vom Oktober, wonach EFSF-Hilfen für Banken nur über die nationalen Regierungen möglich sind.

          Auch dies sei nur denkbar, wenn sich eine Bank nachgewiesenermaßen nicht mehr über den Kapitalmarkt finanzieren und die nationale Regierung nicht mehr selbst die Unterstützung eines in Not geratenen Instituts stemmen kann.

          Banken aus Krisenländern erhöhen Bestand an Staatstiteln

          Banken aus europäischen Krisenländern haben ihren Staaten unlängst mit Anleihekäufen unter die Arme gegriffen. In Spanien ist der Bestand an Staatsanleihen von Dezember bis Ende Januar um 26 Prozent auf 220 Milliarden Euro gestiegen.

          Italienische Banken erhöhten ihren Bestand an heimischen Staatstiteln von Dezember bis Ende Februar um 31 Prozent auf 267 Milliarden Euro. Das zeigen Daten der Notenbank Italiens. In den Krisenländern Irland und Portugal ging die Entwicklung in die gleiche Richtung.

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