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Tschechien vor dem Gruppenendspiel : Der sanfte Riese ist geschrumpft

Der größte Weltklassespieler, den es im Fußball je gab Bild: AP

Jan Koller ist Tschechiens erfolgreichster Torschütze. In 88 Länderspielen erzielte er 54 Tore. Doch seine dritte und letzte EM machte ihm bislang noch keine Freude. Gegen die Türkei steht auch er vor einem Endspiel.

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          Dass er ein Riese ist, sieht man auf Anhieb. 2,02 Meter, über hundert Kilo, Schuhgröße 50. Doch Jan Koller ist auch ein Gigant in der Kunst des Toreschießens. Gegen Litauen kurz vor der Europameisterschaft erzielte er seine Treffer 53 und 54 fürs tschechische Nationalteam.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In Europas Fußballgeschichte gibt es nur drei Spieler, die mehr Länderspieltore erzielten, und das in grauer Vorzeit: Ferenc Puskás (84 Tore) und Sandor Kocsis (75), beide aus dem legendären Ungarn-Team der fünfziger Jahre, und Gerd Müller (68) in den Siebzigern.

          Seine dritte und letzte Europameisterschaft

          Dann kommt schon Jan Koller. Nicht schlecht für einen, der erst mit 25 sein erstes Länderspiel machte. Nun spielt er mit 35 Jahren seine dritte und letzte Europameisterschaft, und sie macht dem sanften Riesen nicht recht Freude. Das Spiel der Tschechen mit Koller als zentraler Anspielstation, die den Ball mit Geschick und Körpermasse abschirmt und verteilt, ist nach dem Geschmack von Trainer Karel Brückner zu berechenbar geworden. Er wechselte seinen Torlieferanten vom Dienst gegen die Schweiz aus und gegen Portugal erst spät wieder ein.

          Tschechiens Torgarant: 54 Tore in 88 Spielen

          Das leuchtete nicht jedem ein. Portugals Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari zeigte sich „überrascht“, und das angenehm, denn er hatte Furcht vor Kollers Kopfballstärke. Auch José Mourinho, der Star der Trainerzunft, hielt es für einen „Fehler“ der Tschechen. Sie verloren 1:3 und müssen an diesem Sonntag gegen die Türken (20.45 Uhr im ZDF und im FAZ.NET-Euro-Live-Ticker) gewinnen, um das Viertelfinale zu erreichen. Geht es ohne Koller, den Schrecken aller Innenverteidiger? „Jan ist ganz wichtig für uns“, sagt Kapitän Tomas Ujfalusi. „Im Nationalteam zeigt er stets überragende Leistungen. Man muss sich nur seine Trefferquote ansehen.“ Sie lautet: 54 Tore in 88 Spielen.

          Der Frankfurter Martin Fenin bekennt: „Für mich ist es eine große Ehre, mit ihm in einer Mannschaft spielen zu dürfen.“ Kollers Arbeitgeber ist allerdings nicht begeistert von der Idee, dass er noch eine herausragende Rolle bei der EM spielen könnte. „Ich habe in Nürnberg einen Vertrag und bleibe dort auch in der zweiten Liga“, erklärte der Tscheche vor kurzem, nachdem er, im Winter gekommen, trotz zwei Toren und sechs Torvorlagen in 14 Spielen den Abstieg des „Clubs“ nicht abwenden konnte.

          Der beste Torwart-Auftritt eines Feldspielers

          „Wir planen mit Jan“, sagte Manager Martin Bader. „Aber wenn er eine überragende EM spielt, kommt vielleicht doch noch ein Verein und überzeugt ihn von einem Wechsel.“ Auch der Präsident bezweifelt, dass er seine EM-Teilnehmer wie Koller, dessen Landsmann Tomas Galasek oder den Griechen Angelos Charisteas noch in der zweiten Liga sehen wird. „Ich denke nicht, dass sie künftig bei uns für ein Butterbrot spielen und mit den Verträgen zufrieden sein werden, die wir ihnen anbieten würden“, sagte Michael Roth diese Woche. „Unser Weg kann nur über junge, hungrige deutsche Spieler führen.“

          Von einem Butterbrot wird ein Koller natürlich nicht satt, und hungrig ist er immer noch. „Es ist mein letztes Turnier“, sagt der größte Weltklassespieler, den es im Fußball je gab: „Da will ich natürlich noch etwas erreichen.“ Wenn gegen die Türken bei Gleichstand nach neunzig Minuten wegen identischer Punkt- und Torbilanz ein Elfmeterschießen entscheiden müsste und die Tschechen einen Ersatz für Petr Cech brauchen sollten - auch dann wäre Koller bereit.

          2002 spielte er die letzten 23 Minuten der Partie beim FC Bayern im Tor von Borussia Dortmund, nachdem Jens Lehmann die Rote Karte gesehen hatte und niemand mehr eingewechselt werden konnte. Er streifte sich Lehmanns Trikot über und zeigte den besten Torwart-Auftritt eines Feldspielers in der Bundesliga-Geschichte. Der „Kicker“ berief Koller in die „Elf des Tages“ - auf der Torhüterposition.

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