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Schiedsrichter : „Griaß eich, i bin's, der Konrad Plautz“

Qualitätskontrolleur, Schauspieler, Landwirt, Konditor, Schiedsrichter und Politiker: Der österreichische EM-Referee Konrad Plautz Bild: REUTERS

Konrad Plautz ist der Politiker unter den Unparteiischen. Kürzlich ist der Referee ins Tiroler Parlament eingezogen. Am Dienstag pfeift der Österreicher Spanien gegen Russland. Am 29. Juni könnte er als erster Politiker in ein EM-Endspiel einziehen.

          Es gibt nicht nur einen Konrad Plautz. Es gibt viele. Der eine ist Qualitätskontrolleur in der Metallindustrie. Der zweite ist Schauspieler, er leitet die Heimatbühne Navis im Tiroler Wipptal (letzte Aufführung: „Ein Baby wider Willen“). Der dritte ist Hobbykonditor, der auf Bestellung Hochzeitstorten backt. Der vierte Landwirt mit dreißig Hühnern. Der fünfte ist Schiedsrichter, der an diesem Dienstag in Innsbruck die Europameisterschafts-Partie Spanien gegen Russland leiten wird.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Und der sechste ist neuerdings Politiker. Denn Konrad Plautz, der all diese sechs in einer Person ist, wurde am Sonntag als Listenzweiter der Tiroler Volkspartei in den Landtag gewählt. Er soll darin der neue Sportsprecher der Partei von Landeshauptmann Herwig van Staa werden, der ihn vor wenigen Monaten zum Wechsel in die Politik überredete. „Mein erstes Spiel als EM-Schiedsrichter“, hatte Plautz prophezeit, „werde ich bereits als Politiker machen.“

          „Ihr kennt's mi eh alle“

          Dabei hat er als Schiedsrichter böse Erfahrungen mit Politikern gemacht. Nachdem er 2001 in einem Spiel drei Tore des FC Kärnten nicht anerkannt hatte, wurde Plautz vom damaligen Präsidenten des Fußballklubs, dem Landeshauptmann Jörg Haider, in einer politischen Rede übel attackiert. Haider forderte, „diese Ganoven von Schiedsrichtern, die offenbar käuflich sind, nur weil Herr Stronach mit seiner Austria unbedingt gewinnen muss, zu überprüfen“. Das brachte Haider eine Geldstrafe von 200 000 Schilling ein - und Plautz Morddrohungen.

          Wer rennt ins Endspiel? Konrad Plautz  (r.) hat aufgrund seiner schwachen Landsleute die besseren Chancen als Herbert Fandel (l.)

          Plautz, der in der Pause der Profiligen freiwillig Spiele der Amateure und Jugend pfeift, bewegt sich auf dem sportlichen Feld souverän - auf dem politischen Parkett noch eher unbeholfen. Steif posierte er in einem Werbe-Imagespot namens „Der Tiroler Weg“, der eher durch unfreiwillige Komik als durch politische Wirkung zum Renner im Internet wurde. „Griaß eich, i bin's, der Konrad Plautz. Aber ihr kennt's mi eh alle.“ So begrüßte er das Wahlvolk, dem er dann von seiner Jugend neben acht Geschwistern auf einem Bergbauernhof erzählte.

          Plautz wäre der erste Politiker in einem Finale auf dem Spielfeld

          „Aus einfachen Verhältnissen“ komme er, aber „mit Fleiß, Wille und Engagement“ habe er sich „nicht nur in Tirol, auch in ganz Europa durchgesetzt“. Auch andere Schiedsrichter gingen in die Politik. Bernd Heynemann zog in den Bundestag ein, Lubos Michel ins slowakische Parlament.

          Doch Plautz winkt ein möglicher Karrieresprung, der noch keinem gelungen ist - sollte er als Leiter des Endspiels bestimmt werden, eine Chance, die ihm zumindest das österreichische Nationalteam kaum durchkreuzen dürfte. Am 29. Juni werden, wie immer bei großen Fußballfinals, die großen Staatsmänner einfliegen, um sich sehen zu lassen. Aber Plautz wäre der erste Politiker in einem Finale auf dem Spielfeld.

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