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Italiens Torwart Gianluigi Buffon : „Ich will den Spaniern den Schlaf rauben“

  • -Aktualisiert am

Richtige Konstellation: Torwart im Netz, der Ball nicht Bild: REUTERS

Dass Weltmeister Italien noch eine Chance auf den EM-Titel hat, ist Torwart Gigi Buffon zu verdanken. Nach persönlichen Fehlgriffen findet der verrückte Spaßvogel als Kapitän zu neuer Seriosität. Das soll nun auch Spanien im Viertelfinale spüren.

          Er sieht gern so verwegen aus, wie verwegene Menschen in den Hochglanzkatalogen der Modewelt posieren. Dreitagebart, blitzende Augen, schwarzes Piratentuch zum grünen Pullover - und fertig ist der Bilderbuchtorwart. Gianluigi Buffon steht längst Modell für die Träume vieler junger Fußballspieler, die von Beruf Ballfänger werden wollen. Der 1,91 Meter lange, dreißig Jahre alte Italiener zählt neben dem Tschechen Petr Cech und dem Spanier Iker Casillas zu den drei besten Schlussmännern der Welt.

          An diesem Sonntag trifft Buffon im Viertelfinalduell der Europameisterschaft in Wien seinen geschätzten Kollegen Casillas (20.45 Uhr / Live im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker). Wer dann reaktionsschneller mit Hand und Fuß bei der Arbeit ist, kann seiner Mannschaft schon zum entscheidenden Vorteil bei der Begegnung der Sterne des Südens verhelfen. Dass Weltmeister Italien überhaupt noch eine Chance besitzt, in diesem Jahr auch Europameister werden zu können, hat die Squadra Azzurra allein ihrem Goalie Buffon zu verdanken, der kurz vor Schluss beim Stand von 1:1 im Gruppenspiel gegen Rumänien Mutus Strafstoß phantastisch parierte. Italien blieb im Turnier, wieder einmal vor dem Ärgsten bewahrt durch seine erstklassige Numero uno.

          „So schlecht wie behauptet waren wir gar nicht“

          Viermal ist der meist fröhliche, früher oft unbedacht daherredende Keeper von Juventus Turin schon zum „Welttorwart des Jahres“ gewählt worden - so oft wie niemand sonst bisher. Inzwischen gilt sein Wort mehr denn je. Buffon führt das Team von Comissario Tecnico Roberto Donadoni nach der Verletzung von Kapitän Fabio Cannavaro mit der Binde am Arm auf das Spielfeld. Eine Verantwortung, die der jahrelang leicht verrückte Spaßvogel mit neuer Seriosität angenommen hat. Den „heiligen Buffon“ hat die „Gazzetta dello Sport“ diesen Torwart der Extraklasse nach seiner Glanztat gegen die Rumänen genannt. Doch der große Rückhalt des Weltmeisters will nicht auf einem imaginären Podest angehimmelt werden.

          Wer fliegt im Viertelfinale besser? Spaniens Casillas oder Italiens Buffon (unten)

          Seit 2001 in guten Champions-League- wie in schlechten Zweitligazeiten mit Juve liiert, hat sich Buffon seine Bodenständigkeit und Volksnähe stets bewahrt - und dabei auch seinen Humor nicht verloren. Nachdem er sich als Erster vor laufenden Kameras „bei allen Italienern“ für die 0:3-Niederlage gegen die Niederlande zum Turnierauftakt entschuldigt hatte, schaute sich der 85-malige Nationalspieler diese am Ende nicht ganz so verhängnisvolle EM-Begegnung noch zweimal im Fernsehen an - und kam zu einem überraschenden Schluss: „Sie können mich ruhig für verrückt halten, aber so schlecht wie allgemein behauptet waren wir gar nicht.“

          „Schau an, da hat jemand noch mehr Tore kassiert“

          Da kurz darauf auch die Franzosen von den Holländern bei deren 4:1-Sieg arg zerrupft wurden, grüßte Buffon seine Fans sogleich auf seiner Website mit den Worten: „Schau an, da hat jemand noch mehr Tore kassiert als ich.“ Der Toreverhinderer Buffon ist inzwischen ganz und gar fixiert auf das „Alles-oder-nichts-Spiel“ gegen die von Italien bei großen Turnieren noch jedes Mal besiegten Spanier. „Solche Spiele motivieren mich besonders“, sagt Buffon. Sein Vorbild als Torwart ist niemand aus der Gilde der großen italienischen Schlussmänner. Bei allem Respekt vor Weltmeister Dino Zoff und Walter Zenga, der junge Buffon hat immer von einem afrikanischen Keeper geschwärmt: Thomas Nkono, ehemaliger Nationaltorwart Kameruns. Weil Nkono in den Augen des jungen Buffon „wie ein Panther“ auf der Lauer war.

          Ähnlich ist auch das Torwart-spiel des ungemein sprungkräftigen Gigi Buffon: spektakulär, aber nie selbstverliebt. Dieser Torwart nimmt jede Herausforderung mit einer spielerisch anmutenden Leichtigkeit und einem stets positiv getönten Arbeitsethos an. Ihm macht sein Job noch immer einfach Spaß. Und so lacht er auch schon mal nach Glanztaten entspannt und ballt die Fäuste nicht so schraubstockfest wie etwa ein Oliver Kahn, der eben zurückgetretene deutsche Held der Schwerarbeit im Tor.

          „Ich werde versuchen, den Spaniern den Schlaf zu rauben“

          Der mit dem tschechischen Topmodel Alena Seredova verlobte Spitzenverdiener auf seiner Position (jährlich fünf Millionen Euro) hat den ersten gemeinsamen Sohn, weil er von Nkono immer noch schwärmt, Louis Thomas genannt. Vielleicht wird der Sprössling auch einmal solch ein Athlet wie der Papa, dessen Familie überaus sportlich ist: Vater Gewichtheber, Mutter Diskuswerferin, Onkel Lorenzo einst Torwart beim AC Mailand, zwei Cousinen Volleyballprofis, die DNA der Großfamilie Buffon trägt sportliche Züge.

          Weil Gianluigi Buffon eigentlich immer ein netter Kerl war, sind ihm seine Dummheiten wie seine politischen Verirrungen von seinen Landsleuten vergleichsweise rasch nachgesehen worden. Dass er sich einst ein Abiturzeugnis erschlich, um Jura studieren zu können, war wohl ein Dummerjungenstreich, dass er sich einmal in einem T-Shirt mit einer eindeutig faschistischen Botschaft zeigte, war schon weniger lustig, wurde ihm aber ebenfalls verziehen, dass er bei Sportwetten 1,5 Millionen Euro verlor und dabei nicht auf Spiele seines eigenen Klubs gesetzt haben will, wurde ihm geglaubt. Gigi Buffons Unschuldsmiene war am Ende wohl eindrucksvoller als die Summe seiner persönlichen Fehlgriffe. Inzwischen scheint Italiens Paradetorwart geläutert. An diesem Sonntag im Viertelfinale ist er wie sein Vorbild Thomas Nkono wieder einmal auf dem Sprung. Hellwach droht Buffon: „Ich werde versuchen, den Spaniern den Schlaf zu rauben.“

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