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Im Porträt: Marcos Senna : Brasilianer fürs Grobe

Jubel nach seinem verwandelten Elfmeter gegen Italien - kann Marcos Senna auch am Sonntag jubeln? Bild: AP

Spanien hat mit Xavi, Fàbregas, Iniesta und Silva gleich vier Männer vom Typus des kleinen, offensiven Spielmachers. Da ist es ein Segen, dass dahinter mit Marcos Senna, dem gebürtigen Brasilianer, der Mann mit den strammsten Oberschenkeln der Primera Division spielt.

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          Warum die spanischen Mittelfeldspieler so klein sind, lässt sich nicht erklären, auch nicht, warum die Mannschaft von Luis Aragonés mit Xavi, Fàbregas, Iniesta und Silva gleich vier Männer vom Typus des offensiven Spielmachers mit Drang auf die Flügel hat. Dass jedoch bei dieser Konstellation eine Figur wie Marcos Senna ein Segen ist, liegt auf der Hand.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Geboren vor fast 32 Jahren in São Paulo, wurde der Brasilianer erst spät in seiner Karriere zum nationalisierten Spanier. Unverhohlen gibt er zu, der Grund sei, dass die Auswahl seiner Heimat keinen Platz für ihn gehabt hätte. „Seien wir ehrlich. Bevor ich 2002 nach Spanien kam, empfand ich nichts für das Land. Doch immerhin hatte ich auch nichts dagegen, so wie gegen Argentinien.“

          Nach dem Sieg gegen Italien lobte ihn selbst die spanische Presse

          Der Mann fürs Grobe hinter den spanischen Filigrantechnikern hat nicht nur die strammsten Oberschenkel der Primera División, sondern auch eine beachtliche Technik. Dem Gegner raubt er mit soviel Effizienz den Ball, um blitzschnell den Konter einzuleiten, dass mancher in ihm eine tragende Säule der überraschend starken spanischen Mannschaft sieht.

          Der Mann fürs Grobe: Senna gegen Roman Pawljutschenko (r.)

          Nach dem Sieg gegen Italien lobte selbst die italienische Presse den dunkelhäutigen Senna überschwänglich als unfehlbar postierten Zerstörer. Spieler dieser Art - Makelele vom FC Chelsea wäre ein anderer - sind längst nicht mehr „Wasserträger“, wie es früher abschätzig über Leute vom Schlag eines „Hacki“ Wimmer hieß, sondern Kernstücke eines modernen Mittelfelds mit herausragenden athletischen Gaben.

          Knieverletzungen und eine Dopingsperre

          Marcos Senna soll als Jugendlicher ein selbstverliebter Dribbler gewesen sein. Davon kann keine Rede mehr sein. Nach fünf brasilianischen Vereinen in fünf Jahren kam er mit sechsundzwanzig nach Spanien zum FC Villarreal, dem kleinen Klub aus der Levante, der immer wieder eine glückliche Hand bei Verpflichtungen bewiesen und in der Champions League manchen europäischen Großklub das Fürchten gelehrt hat.

          Knieverletzungen und eine Dopingsperre warfen ihn öfter zurück, aber mit der Trennung des Vereins von seinem argentinischen Spielmacher Riquelme wuchsen Senna neue Aufgaben zu. Der zweite Meisterschaftsrang, den Villarreal dem erschlafften FC Barcelona in der vergangenen Saison noch abjagte, ist auch ein Lohn der konstanten Leistungen des Brasilianers. Und nur wenige Wochen vor Beginn der EM erzielte Marcos Senna das Traumtor seines Lebens: Im Ligaspiel gegen Betis Sevilla nahm er sich an der Mittellinie den Ball, schaute zum gegnerischen Torwart hinüber und schoss die Kugel weit über den unvorsichtigen Keeper hinweg ins Netz. Ein Hauch brasilianischen Zaubers muss sein.

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