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Griechenland in Offenbach : König Otto hielt Hof

So nah und doch so fern: Rehhagel versteckte sich in der Heimat Bild: dpa

Eine Woche lang hat sich der amtierende Europameister Griechenland mit Trainer Otto Rehhagel unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf deutschem Boden vorbereitet. Im letzten Test vor Beginn des Turniers kam der Titelverteidiger gegen Armenien aber nur zu einem 0:0.

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          Auf dem Weg zum Mannschaftsbus, eine Stunde nach Abpfiff des Testspiels gegen Armenien, menschelte es dann doch bei Otto Rehhagel. Strahlend lief der bald 70 Jahre alte deutsche Trainer des amtierenden Europameisters Griechenland auf dem Weg von der Kabine zum Mannschaftsbus an einer Gruppe griechischer Fans vorbei, die hinter einer Absperrung im Stadion auf dem Bieberer Berg in Offenbach auf ihren „Rehakles“ warteten. Der in Deutschland als „König Otto“ für seine Meistertitel und Pokalsiege mit Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern eher respektierte, denn geliebte Trainer klatschte jeden der enthusiastischen Fans einzeln ab, dann stahl er sich in den Mannschaftsbus davon.

          Da war Rehhagel kurzzeitig wieder jener Trainer, den die Fans für seine ehrliche Arbeit als Fußballlehrer lieben. Nichts war da mehr zu spüren von der Gereiztheit, mit der der Essener wenige Minuten zuvor noch in der Pressekonferenz einen Journalisten vom Podium aus oberlehrerhaft für dessen einstige, berechtigterweise kritische Berichterstattung über den Niedergang des 1. FC Kaiserslautern unter der Ägide von Rehhagels Pfälzer Freunden Jürgen Friedrich und Robert Wieschemann abzukanzeln versuchte. In diesen Minuten kam jener nachtragende Rehhagel zum Vorschein, der nicht vergessen kann, der sich umgeben fühlt von missgünstigen Beobachtern und Neidern. Und der möglicherweise nicht verstehen kann, weshalb ihm in seiner Heimat bei weitem nicht so viele Menschen zu Füßen liegen wie in Athen oder Thessaloniki, wo er einen Großteil der fußballverrückten Griechen vor vier Jahren mit dem Überraschungserfolg bei der Europameisterschaft in Portugal in einen Rauschzustand versetzte.

          Eine ganze Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit

          Seinem misstrauischen Wesen entsprechend gestaltete Rehhagel auch die vergangene Woche der Vorbereitungsphase seiner Titelverteidiger vom Peloponnes. Paradoxerweise suchte sich Rehhagel, das Kind der Bundesliga, mit 1076 Bundesligaspielen Bundesligarekordler in der Addition der Einsätze als Spieler und Trainer in Deutschlands Eliteklasse, ausgerechnet sein Heimatland für die entscheidenden Tage vor dem Beginn der Europameisterschaft aus. Eine ganze Woche lang hat es Rehhagel bei seinem Heimaturlaub geschafft, sich weitgehend unbehelligt von der Öffentlichkeit in der Metropole am Main aufzuhalten.

          Otto Rehhagel: Die Majestät auf dem bescheidenen Offenbacher Thron

          Draußen, vor den Toren der Stadt, quartierte er sich samt seiner Mannschaft in genau jenem Hotel ein, in dem in früheren Jahren die deutsche Nationalmannschaft vor Länderspielreisen abgestiegen war. Von dort fuhren die amtierenden Europameister jeden Tag an den Trainingsplatz neben dem Frankfurter Waldstadion, hielten dort ihre Übungseinheiten ab und schützten sich vor den Blicken der Fans und Journalisten. Pressekonferenzen wie beispielsweise beim deutschen Team üblich, erteilte Rehhagel eine klare Absage. „Der Otto hatte mich gebeten, ihm einen Trainingsplatz zu garantieren, der von der Öffentlichkeit komplett abzuriegeln ist“, sagte Rainer Falkenhain, Leiter der Lizenzspielerabteilung der Frankfurter Eintracht und für seinen Freund Otto Organisator des Trainingslagers. „Das habe ich geschafft, deshalb ist der Otto mit seinen Griechen hier.“

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