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Giovanni Trapattoni im Interview : „Wer Mozart hört, spielt besser Fußball“

  • Aktualisiert am
Ein Mann für die große Bühne: Giovanni Trapattoni liebt Ballsport wie Belcanto
          7 Min.

          Den Verein Red Bull Salzburg hat er verlassen, um jetzt die irische Nationalmannschaft zu betreuen. Doch zur Fußball-Europameisterschaft und später zu den Salzburger Festspielen wird Giovanni Trapattoni, der erfolgreiche Trainer, wieder in der Stadt sein. Musik ist seine Leidenschaft - und so redet er auch über sie bei diesem Treffen: „Mozart, eh, isse die beste Schreiber di Noten.“ Aus Gründen der Verständlichkeit haben wir seine Worte etwas geglättet.

          Signor Trapattoni, Sie haben eine Klassik-Sammlung von mehr als 2000 CDs. Für einen Fußballtrainer ein eher ungewöhnliches Hobby.

          Tja, Fußballer sind leider wirklich Kulturbanausen! Sie hören keine Klassik. Wenn sie ein Buch lesen, ist das schon gut. Aber meist beschränkt sich ihre Lektüre doch auf den „Kicker“ - dort können sie nämlich nachlesen, wie sie gespielt haben und ob die anderen schlechter waren als sie selbst.

          Ist ein Trainer auch ein bisschen wie ein Dirigent? „Ah certo!”, sagt Trapattoni
          Ist ein Trainer auch ein bisschen wie ein Dirigent? „Ah certo!”, sagt Trapattoni : Bild: AFP

          Ist das auch in Salzburg so? Hier werden ja immerhin Fußball-EM und Festspiele einander ablösen.

          Ach, hören Sie auf! Die Spieler gehen nicht in die Oper. Sie wohnen in der Stadt Mozarts, der ja wirklich kein schlechter Komponist war. Aber sie kennen keine Sinfonie von ihm. Die jungen Spieler haben gar keine Geduld mehr für eine Sinfonie, die eine Stunde dauert, die man mehrmals hören muss, um sie zu verstehen. Dabei würde ihnen die Konzentration manchmal guttun. Es ist doch so: Wer Mozart hört, kann auch besser Fußball spielen. Man lernt viel über Spannungen, Tempo, Rhythmus, den Aufbau und die Strukturen. Man lernt die Logik, ein Spiel zu lesen. Für mich war das auf jeden Fall eine große Erfahrung. Ich glaube, dass ich durch die Musik als Spieler und als Mensch gewachsen bin.

          Sagen Sie das auch Ihren Spielern?

          Die hören das ja gar nicht, die sitzen mit ihren MP3-Playern auf der Bank in der Umkleidekabine und sind vor dem Spiel viel zu nervös. Ich sage ihnen manchmal: „Warum hört ihr nicht Bach?“ Aber es wird immer schwieriger, diese Kultur zu vermitteln, weil sich keiner mehr Zeit dafür nimmt. Man kann schneller in eine Bar gehen, da muss man sich nicht vorbereiten, oder schaltet zu Hause gleich Sky-TV oder Premiere ein, um abzuschalten. Die Spieler denken, dass ihr Leben auf dem Platz stattfindet, und merken gar nicht mehr, dass sie in der wirklichen Welt viel für ihr Spiel lernen könnten.

          Wie sind Sie selbst zur Klassik gekommen?

          Ich habe mit diesem Hobby angefangen, als ich selbst Spieler war. Es gab noch diese großen Platten, keine CDs. In den Trainingslagern hatte ich viel Zeit, wir mussten schon freitags da sein, aber es wurde erst am Sonntag gespielt. Und da habe ich mit Sinfonien angefangen, mit Beethoven natürlich, das sind die besten Stücke. Danach habe ich die anderen Komponisten der Reihenfolge nach gehört, von Vivaldi über Mozart und Schubert bis zum 19. und sogar 20. Jahrhundert. Ich fand es toll, durch die Geschichte zu gehen und zu sehen, wie die Musik immer komplizierter und komplexer wurde. Langsam habe ich auch gelernt, die einzelnen Dirigenten und Interpretationen auseinanderzuhalten. Und irgendwann habe ich die Strukturen der Musik verstanden. Ich finde, um all das geht es auch im Fußball, aber schon als Spieler haben die anderen mir gesagt, dass ich nicht richtig ticken würde.

          Haben Sie ein Instrument gelernt?

          Als ich zehn Jahre alt war, habe ich Horn gespielt, in einer kleinen Musikkapelle. Dann habe ich aber leider aufgehört, als ich mit dem Fußball angefangen habe. Als ich in Mailand wohnte, bin ich aber natürlich auch in die Scala gegangen, habe viele interessante Aufführungen gesehen, und auch hier in Salzburg genieße ich die Festspiele.

          Ist ein Trainer auch ein bisschen wie ein Dirigent?

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