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Fußball-Ökonomie : Mit Regressionsmodellen zum Europameister

Bild: dpa

Zur EM haben alle was zu sagen: Günter Netzer, Parteipolitiker, Promis, ja sogar Schwiegermütter. Einige Ökonomen haben sich hingegen vorgenommen, zu rechnen statt zu reden. Mit multivariaten Regressionsmodellen versuchen sie, den Europameister zu prognostizieren - mit erstaunlichen Ergebnissen.

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          Wenn Gunnar Meyke bei Fußball-Tippspielen auf den Europameister wettet, dann setzt er auf Deutschland. Nicht aus Wunschdenken und auch nicht weil ihn die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw ihn über Gebühr überzeugt hätte. Gunnar Meyke hat akribisch ausgerechnet, dass es schlicht am plausibelsten ist, dass Deutschland den EM-Titel gewinnt - statistisch gesehen. „Zwar liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland nicht Europameister wird bei sechs zu sieben“, sagt er. Trotz allem, seien die Gewinnchancen immer noch besser als die sämtlicher 15 Konkurrenten.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Gunnar Meyke ist nicht etwa Fußballmanager oder Sportprofessor, sondern Ökonom. Normalerweise erstellt er Statistiken für die Dekabank - prognostiziert zum Beispiel die Produktionsentwicklung des Maschinenbaus oder die zukünftigen Umsätze der Chemiebranche. Doch vor der Fußball-EM, die an diesem Samstag mit dem Spiel Schweiz gegen Tschechien in Basel startet (18.00 Uhr / Live im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker), hat er seinen Hirnschmalz darauf verwendet, den Europameister vorauszuberechnen - und ist dabei ausgerechnet auf Deutschland gekommen.

          Deutschland - oder doch Tschechien?

          Auch andere Wirtschaftswissenschaftler gehen mit statistischen Methoden an die EM-Prognosen heran. Bei der Schweizer Großbank UBS haben sich hausinterne Ökonomen die Zeit genommen, ein Modell zur Vorhersage von Fußball-Ergebnissen zu entwerfen. Nach ihren Berechnungen wird Tschechien den EM-Pokal am 29. Juni in Wien in Empfang nehmen dürfen. Bei der Weltmeisterschaft 2006 sind die UBS-Statistiker mit ihrem Modell gar schon erfolgreich gewesen - und sagten den Sieger Italien korrekt vorher. Die Dekabank lag allerdings daneben und setzte damals mit ihrem Modell auf Brasilien.

          Warum ausgerechnet Banken ins EM-Fieber verfallen und den Europameister ausrechnen? UBS wie Dekabank geben an, man habe hauptsächlich „aus Spaß“ damit begonnen. „Seitdem wir bei der Weltmeisterschaft richtig lagen, fragen unsere Kunden aber regelrecht danach“, sagt Daniel Kalt, Ko-Autor der UBS-Studie. Die Dekabank gibt an, die amüsante Statistikspielerei habe „kaum Kosten“ verursacht, da die Daten alle im Internet kostenlos zur Verfügung gestanden hätten.

          Multivariate Regressionsmodelle

          Wie berechnen Statistiker die Gewinnwahrscheinlichkeiten der Teams? In der Regel bedienen sie sich sogenannter multivariater Regressionsmodelle. Das bedeutet grob, dass sie nach Variablen suchen, die die Siegeswahrscheinlichkeit von Nationalmannschaften in der Vergangenheit signifikant beeinflusst haben. Wenn sie die Einflussfaktoren gefunden und gewichtet haben, wenden sie diese auf die Paarungen im Spielplan der diesjährigen EM an - und schätzen so die Sieger sämtlicher 31 Paarungen. Mit den gefundenen Schätzwerten spielen sie das gesamte Turnier durch - , bis sie am Ende herausgefunden haben, wer in ihrem Modell die besten Chancen auf den Europameistertitel hat.

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