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FAZ.NET-Übersteiger : Der Ehren-Rumäne

Der Übersteiger: die FAZ.NET-Kolumne Bild: Ulrike Frey

Die größte Überraschung der EM: Der rumänische Trainer Piturca ist noch nicht entlassen. Zwei Spiele, kein Sieg? Normalerweise übersteht das kein Coach, jedenfalls nicht in Rumänien. Härter geht es nur noch donauaufwärts zu.

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          Die größte Überraschung der EM: Victor Piturca ist noch nicht entlassen. Sein Team spielte gegen Italien und Frankreich remis. Zwei Spiele, kein Sieg? Normalerweise übersteht das kein Trainer, jedenfalls nicht in Rumänien. Dort herrschen Milliardäre vom Schlage eines Gigi Becali, dem nicht nur ein Maybach, dreißig Schafe und eine Nachbildung von Leonardos "Abendmahl" gehören (mit Becali als Jesus), sondern auch Rekordmeister Steaua Bukarest (dessen Fußballer die Jünger sind).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Er entlässt pro Saison im Schnitt drei bis vier Trainer, auch Piturca war schon dabei. Nicht mal vor dem Balkan-Beckenbauer Gheorge Hagi machte er halt. Hagi klagte später, er sei "gequält" worden. Das war vielleicht nicht nur ein Wortspiel. Die Sitten sind rauh in den Kicker-Karpaten. Vom Profiklub Jiul Petrosani wurde bekannt, dass Besitzer Alin Simota unwillige Spieler gern in doppelte Manndeckung durch seine Bodyguards nehmen lässt. Schon sind sie wieder motiviert.

          Es gibt nur ein Land, wo Trainer noch leidensfähiger sein müssen als in Rumänien

          Man versteht nun vielleicht, warum die Rumänen in der sogenannten "Todesgruppe" der EM passabel zurechtkommen. Dass Piturca Nationaltrainer blieb, obwohl er die EM-Qualifikation schaffte, war aber überraschend. Vor acht Jahren hatte er die Qualifikation schon einmal geschafft, ohne Niederlage. Er wurde sofort entlassen.

          Auch wenn Gheorge Hagi sagt, Gigi Becali (Foto) habe ihn gequält: Dass Becali Personalführung bei seiner früheren Tätigkeit als Schafhirte gelernt hat, ist nur ein böses rumänisches Gerücht
          Auch wenn Gheorge Hagi sagt, Gigi Becali (Foto) habe ihn gequält: Dass Becali Personalführung bei seiner früheren Tätigkeit als Schafhirte gelernt hat, ist nur ein böses rumänisches Gerücht : Bild: ASSOCIATED PRESS

          Es gibt nur ein Land, in dem Trainer noch leidensfähiger sein müssen als in Rumänien. Es ist das Land, das den mürrischen Ernst Happel ins Exil trieb und den freundlichen Josef Hickersberger nach der Niederlage gegen einen zipfelmützigen Torwart als "Färöer-Pepi" schmähte.

          Vier Meistertitel, drei Entlassungen

          Der Rekord-Trainer dieses seltsamen Landes heißt Hermann Stessl. Er wurde 1977 Trainer bei Austria Wien, gewann die Meisterschaft, erreichte das Finale im Europacup der Pokalsieger, wurde nochmals Meister, erreichte das Halbfinale im Europacup der Landesmeister (nie kam ein Team aus Österreich weiter). Er wurde entlassen. 1985 kam er zurück, gewann das Double, scheiterte im Europapokal knapp am FC Bayern. Er wurde entlassen. 1992 kam er zurück, gewann die Meisterschaft. Er wurde entlassen.

          Stessls Bilanz bei der Austria: viereinhalb Spielzeiten, vier Meistertitel, ein Pokalsieg, ein Europapokal-Finale und ein Halbfinale. Dreimal entlassen. Heute betreibt er eine Fußballschule. Wir ernennen den tapfersten aller Fußball-Österreicher zum Ehren-Rumänen.

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