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FAZ.NET-Euro-Spezial: Schweiz : Träumen vom „Sommermärchen“ - und vom Titel

  • Aktualisiert am

Er soll für die Schweiz zum Höhenflug ansetzen: Stürmer Alexander Frei Bild: picture-alliance/ dpa

Bei bisherigen Euro-Endrunden enttäuschte die Schweiz. Doch nun hat man den Heimvorteil im Rücken - und hohe Ziele. Der Titel wäre auch ein Abschiedsgeschenk an einen Mann, der in der Schweiz als Nationalheld gilt und bald geht. Teil 1 der FAZ.NET-Euro-Vorschau.

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          Europas Fußball-Gipfel vor Augen und den Heimvorteil im Rücken: Die Schweizer Nationalmannschaft will bei der Europameisterschaft hoch hinaus. Mannschaftskapitän Alexander Frei vom deutschen Bundesliga-Verein Borussia Dortmund ließ schon lange vor dem Auftaktspiel am 7. Juni 2008 in Basel gegen Tschechien (18.00 Uhr) keinen Zweifel an den Zielen: „Wir wollen Europameister werden.“

          Und die Organisatoren träumen von einem „Sommermärchen“ wie es Nachbar Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land erlebte. Doch die Begeisterung der ohnehin eher zurückhaltenden Eidgenossen hielt sich lange in Grenzen. Erst recht, nachdem die Mannschaft des nach dem Turnier scheidenden Trainers Jakob „Köbi“ Kuhn ihr Länderspiel am 26. März gegen die deutsche Auswahl sang- und klanglos mit 0:4 verloren hatte.

          Seit Kuhn im Amt ist, geht es mit der „Nati“ bergauf

          Für Kuhn war es kein Beinbruch: „Jetzt wissen wir, wo wir bei der Feinarbeit bis zum Start ansetzen müssen.“ Doch die Initialzündung für die Vorfreude der 7,5 Millionen Landsleute auf das große Ereignis in der Heimat blieb so natürlich aus. Doch der beliebte Kuhn, dessen Amt Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld nach der Euro übernehmen wird, weiß um das Potential, die Aussagekraft von Testspielen und das Vertrauen der Fans.

          Stimmungstöter: Im März siegte Deutschland in der Schweiz mit 4:0

          Denn seit er 2001 das Amt übernahm, ging es für die Schweizer „Nati“ bergauf. Nachdem die WM 2002 noch verpasst wurde, qualifizierte man sich für die Euro 2004 und WM 2006. Dort kam allerdings das bittere Aus im Achtelfinale gegen die Ukraine als im Elfmeterschießen kein einziger Treffer gelang. Das Unternehmen Euro soll in diesem Jahr jedoch erst am 29. Juni im Finale in Wien zu Ende sein.

          Die meisten Schweizer Akteure spielen im Ausland

          Kuhn hält den Husarenritt seiner Truppe, in die er während seiner sieben Jahre währenden Amtszeit kontinuierlich junge Spieler einbaute, wie auch das Gros der Euro-Trainer für nicht ausgeschlossen. Denn der Schweizer Kader birgt genügend Potential. Die meisten seiner Spieler verdienen ihr Geld ohnehin im Ausland, „denn dort werden die stärker gefordert“.

          Lediglich vier Akteure seines 21 Spieler großen Aufgebots gegen Deutschland standen auf der Gehaltsliste heimischer Klubs. Allein sieben Spieler vertreten die Schweizer Farben in der deutschen Bundesliga: Torhüter Diego Benaglio (Wolfsburg), Mario Eggimann (Karlsruhe), Ludovic Magnin (Stuttgart), Christoph Spycher (Frankfurt), Tranquillo Barnetta (Leverkusen) und Torjäger Alexander Frei (Dortmund). Zum vorläufigen Kader gehörten auch noch der Dortmunder Philipp Degen, der zur neuen Saison zum FC Liverpool wechselt, und Steve von Bergen (Hertha BSC), der sich im Trainingslager der Schweizer in Lugano den Mittelknochen der rechten Hand brach.

          „Wir wollen, dass der Funke auf die Fans überspringt“

          „Die Mannschaft hat stets gut mitgearbeitet und war bereit, sich zu verbessern“, sagte der frühere Nationalspieler Kuhn. „Meinem Anspruch, guten Fußball zu spielen, sind wir mehrfach sehr nahe gekommen.“ Allerdings fehlten den Schweizern als Gastgeber ohne Qualifikationsrunde die wichtigen Härtetets - eine Situation, mit der die deutschen Nationalmannschaft vor zwei Jahren allerdings auch gut zurechtkam und am Ende den dritten Platz belegte.

          Partien gegen namhafte Testspiel-Gegner waren letztendlich kein Ersatz. Aber die „Nati“ setzt auch auf die Unterstützung eines ganzen Landes. „Wir müssen mit guten Leistungen dafür sorgen, dass der Funken auf die Fans überspringt“, appellierte Kapitän Frei, der sich nach achtmonatiger Verletzungspause (Hüft- und Wadenoperation) bis zur Europameisterschaft wieder an die alte Form herankämpfen will.

          Die Statistik macht den Gastgebern viel Mut

          Die Schweiz und auch Co-Ausrichter Österreich können dem Turnier optimistisch entgegenblicken. Mindestens ein Gastgeber wird bei der Euro die Halbfinals erreichen. Das orakelt jedenfalls die Statistik.

          Denn in den vergangenen 20 Jahren haben sich neun von 12 Ausrichtern einer Europameisterschaft oder einer WM zumindest für die Runde der letzten Vier qualifiziert. Dann kann ja kaum noch etwas schiefgehen, auch wenn die Schweiz bei den bisherigen beiden Euro-Teilnahmen nie über die drei Vorrundenpartien hinauskam.

          DIE FAZ.NET-PROGNOSE:

          Der Heimvorteil ist der große Trumpf der Schweizer im Kampf um den Viertelfinal-Einzug. Doch trotz aller Begeisterung verdeutlichte die 0:4-Niederlage im Test gegen Deutschland, dass es noch nicht zum ganz großen Wurf reichen wird, dafür ist die Mannschaft einfach nicht durchgehend stark besetzt, zumal Leistungsträger wie Stürmer Alexander Frei nicht sorgenfrei durch die Saison kamen. Viel hängt vom Eröffnungsspiel gegen Tschechien ab. Gelingt dort ein Sieg, ist das Weiterkommen in die Runde der letzten Acht möglich - aber auch nur dann.

          Der Vorrunden-Spielplan der Schweiz:

          7. Juni - Gruppe A in Basel: Schweiz - Tschechien (18.00 Uhr)
          11. Juni - Gruppe A in Basel: Schweiz - Türkei (20.45 Uhr)
          15. Juni - Gruppe A in Basel: Schweiz - Portugal (20.45 Uhr)

          Viertelfinale:

          19. Juni in Basel: Sieger Gruppe A - Zweiter Gruppe B (20.45 Uhr)
          20. Juni in Wien: Sieger Gruppe B - Zweiter Gruppe A (20.45 Uhr)

          Halbfinale:

          25. Juni in Basel: Sieger Viertelfinale 1 - Sieger Viertelfinale 2 (20.45 Uhr)

          Finale:

          29. Juni in Wien: Sieger Halbfinale 1 - Sieger Halbfinale 2 (20.45 Uhr)

          Alle Spiele, alle Tore - Die Schweiz bei der Euro im FAZ.NET-Liveticker

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