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Spaniens Erfolgsrezept : Schöner siegen - in England gelernt

In England Gegner, für Spanien erfolgreich: Fabregas (l.) und Torres Bild: dpa

Fernando Torres erzielt das Siegtor für die Spanier, Cesc Fabregas liefert die Vorarbeit. Beide haben sich in der englischen Liga die nötige Wettkampfhärte geholt - und so den Grundstein für den ersten Titel nach 44 Jahren gelegt.

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          Spanien hat 44 Jahre auf einen Titel gewartet. Es brauchte, um endlich ans Ziel zu kommen, Spieler, die bereit waren, aus der schönsten Fußball-Liga der Welt in die härteste zu gehen, aus der sonnigen Heimat ins regnerische England. Die dort gewonnene Wettkampfhärte und die in der Premier League übliche Geschwindigkeit und körperliche Direktheit auf dem Weg zum Tor, beispielhaft eingebracht von Fernando Torres und Cesc Fabregas, haben dem Kombinationsspiel der Spanier am Sonntagabend in Wien den entscheidenden Kick gegeben. Auf Vorlage von Fabregas erzielte Torres in der 33. Minute das Siegtor im Europameisterschafts-Finale gegen Deutschland.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Fabregas war bereits mit 16 Jahren aus der Nachwuchsschule des FC Barcelona zum FC Arsenal gewechselt - er hat sich, inzwischen 21 Jahre alt, in England zum besten zentralen Mittelfeldspieler der Liga entwickelt. Und Torres war vor einem Jahr für die Vereinsrekordsumme von 38 Millionen Euro von Atletico Madrid zum FC Liverpool gewechselt, wo er mit 24 Ligatoren schon in der ersten Saison zum Publikumsliebling wurde.

          In der 33. Minute hat die deutsche Abwehr wenig Glück

          Bei der EM jedoch sind sie von Trainer Luis Aragonés nicht wie Stars behandelt worden, sondern wie Neulinge, die sich noch bewähren müssen. Torres wurde mehrfach früh ausgewechselt, Fabregas war nur Einwechselspieler. Doch alles änderte sich mit der Verletzung von Torschützenkönig David Villa im Halbfinale am Freitag, als Fabregas schon nach 34 Minuten aufs Feld kam und Torres fortan allein den Sturm beackerte - beide blühten auf, und Spanien spielte Russland an die Wand. Aragonés fand, „dass uns dieses System mit einem Fünfer-Mittelfeld besser liegt“. Deshalb überraschte niemanden die Entscheidung, mit Fabregas von Beginn an gegen Deutschland zu spielen.

          Markenzeichen: Torres' Daumennuckler

          Torres allein in der Spitze, Fabregas dahinter, als vorderster Mittelfeldspieler und Pass-Lieferant - bereits in der 23. Minute hätte sich dieses Duett beinahe zählbar ausgewirkt. Fabregas lief sich am rechten Flügel frei, narrte die deutsche Abwehr mit einer angedeuteten Flanke, während er in Wirklichkeit mit einem Rückpass Sergio Ramos freispielte. Dessen Kopfball im Duell mit Mertesacker klatschte an den Pfosten. Zehn Minuten später hatte die deutsche Abwehr weniger Glück.

          Torres und der bekannte Torjubel als „Babyface“

          Fabregas spielte den Ball steil in den Fuß von Torres, dessen Ballmitnahme nicht perfekt geriet. Philipp Lahm schien im Vorteil, doch der deutsche Außenverteidiger zögerte einen Sekundenbruchteil in der Erwartung auf ein Entgegenkommen von Torwart Jens Lehmann - dieses Zögern nutzte der extrem dynamische Torres, indem er Lahm auf der Außenseite überholte, ihm den Ball abluchste und am herausstürzenden Lehmann vorbei ins Netz lupfte. Der blonde, sommersprossige Spanier zeigte seinen bekannten Torjubel, der auf sein „Babyface“ anspielt: das Lutschen am Daumen.

          Für Torres war es das zweite Turniertor, für Fabregas bereits die vierte Torvorlage (plus ein selbst erzieltes Tor). Der 21 Jahre alte Katalane wurde damit zum erfolgreichsten Torvorbereiter des Turniers, und das, obwohl er in vier Spielen nur Einwechselspieler war. Im Viertelfinale gegen den Angstgegner Italien hatte er zudem die große Mutprobe bestanden und den fünften, entscheidenden Elfmeter verwandelt, als er den weltbesten Torhüter Buffon verlud.

          Die Geschichte wartete lange auf Spanien - 44 Jahre

          Im Finale erlebte er die andere Seite des Nationalhelden-Jobs: als Auswechselspieler. Nach gut einer Stunde holte Aragonés Fabregas vom Platz, um die deutsche Drangperiode zu stoppen - für ihn kam noch ein bewährter England-Spanier: der defensiv starke, sichere Ballverteiler Xabi Alonso. Und auch Torres hatte nach 75 Minuten seine Schuldigkeit getan: Für ihn kam der giftige Ersatztorjäger Daniel Güiza, der die deutsche Abwehr bis zum Ende in Atem hielt.

          Vor dem Finale hatte Fabregas verkündet: „Die Geschichte wartet auf uns.“ Sie wartete 44 Jahre lang auf die Spanier - bis die Spanier aus England kamen.

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