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Spanien ist Europameister : „Wir haben nicht unverdient verloren“

So sehen zweite Sieger aus Bild: dpa

Es sollte nicht sein: Spanien hat das Finale der Fußball-Europameisterschaft mit 1:0 für sich entschieden. So wartet Michael Ballack weiter auf einen internationalen Titel - der Kapitän leistete sich nach dem Schlusspfiff einen Disput mit Oliver Bierhoff. Jens Lehmann lässt offen, ob er bis dahin im Tor stehen will.

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          Am Ende hat Michael Ballack geweint. Sein Trikot mit der Nummer 13 war verschwitzt. Er suchte Halt in der schweren Stunde vor Mitternacht bei den anderen, die zu seinem Team zählten und genauso verloren wie er in der Gegend herum standen: Lukas Podolski, Christoph Metzelder oder Bastian Schweinsteiger. Die bunte Schminke auf Ballacks Backen war zerlaufen. Er schmiss seinen Bierbecher weg, nahm den schwarz-rot-goldenen Schal vom Hals und stierte in die Dunkelheit hinein.

          Dann machte er sich auf den Nachhauseweg - weg von der Partymeile am Brandenburger Tor, schweren Schrittes mit der Last der Enttäuschung, die das Fan-Herz arg bedrückte. Abertausende andere Ballacks weinten auch an diesem Abend, unzählige beim Public Viewing, manche in ihren Wohnzimmern oder beim Grillen mit den Nachbarn und Freunden. Sie hatten sich seit drei Wochen immer wieder zu rauschenden Fußball-Stunden getroffen. Entsprechend schlimm war in diesem Moment der Brummschädel, als das große deutsche Sommer-Volksfest am Sonntag um kurz nach halb elf endgültig ein jähes Ende fand.

          „Deutschland kann mehr erreichen - bei der WM 2010“

          0:1 verlor die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw im Endspiel der Fußball-Europameisterschaft gegen die Auswahl Spaniens. Das Tor des Tages gelang dem überragenden Stürmer Fernando Torres in der 33. Minute. In Wien jubilierten deswegen die anderen: im Ernst-Happel-Stadion tanzten und feixten die Anhänger der Sieger zu den Klängen von „E Viva España“.

          So sehen zweite Sieger aus Bilderstrecke

          Das mochte man sich nicht wirklich am Bildschirm mit anschauen - dann schon lieber der leise und verfrühte Abgang. „Ich bin sicher: Die Mannschaft hat alle Möglichkeiten, mehr zu erreichen. Spätestens bei der WM 2010 in Südafrika“, lautete die Botschaft, mit der Bundespräsident Horst Köhler für Ermutigung sorgen wollte.

          Die Höhenluft beim Anstieg von Wien war zu dünn

          Auch der echte Michael Ballack sah reichlich mitgenommen aus. Er hockte verloren im Konfettiregen auf dem Boden und verfolgte mit traurigen Augen das Feuerwerk zu Ehren des neuen Champions. Zu gerne hätte auch er, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, einmal etwas Großes zu Feiern gehabt. Wieder scheiterte er kurz vor dem Ziel. Zuzusehen, wie der Gegner seinen Erfolg auskostete, machte ihm freilich keinen Spaß. Doch er erwies dem Titelträger applaudierend seine Anerkennung und zog sich nicht vorzeitig in die Kabine zurück, wo er sich, daran ließen seine Gesichtszüge keinen Zweifel, am liebsten verkrochen hätte.

          Ballack, der bei der deutschen Bergtour 2008 in Österreich und der Schweiz eigentlich als Anführer der Seilschaft mit seinen Gefolgsleuten den Gipfel stürmen wollte, stand ein weiteres Mal mit leeren Händen da. Ausgerechnet beim letzten Schritt erwies sich die Höhenluft für ihn und die von Löw ausgesuchten Mitstreiter als zu dünn; die Kraft für die finalen Meter, die zum Aufstieg nach ganz oben noch fehlten, ging ihnen aus.

          Löw: „So ein Spiel muss man erst mal verdauen“

          Löw, dem unter den Augen seines Vorgängers Jürgen Klinsmann die Krönung versagt blieb, reagierte gefasst auf die vierte Niederlage im 28. Länderspiel: „So ein Spiel muss man erst mal verdauen. Wir müssen die hohe Qualität der Spanier anerkennen. Klar sind wir enttäuscht, weil wir verloren haben. Trotzdem muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, was wir in sechs Wochen erreicht haben. Ich habe den Spielern gesagt, sie sollen den Kopf nicht hängen lassen.“ (Siehe auch: Stimmen zum EM-Finale: „Wir müssen die hohe Qualität der Spanier anerkennen“)

          Es war ein Misserfolg, der im deutschen Lager an die Nerven ging. Auch bei Ballack, der sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff einen heftigen Disput mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff leistete. Beide gerieten sich in die Haare, wann und wie das Team dem eigenen Anhang für die vorangegangene Unterstützung in der Arena zu danken habe.

          Heftiges Wortgefecht zwischen Ballack und Bierhoff

          Der Wortwechsel der beiden war derart heftig, dass sich der Schalker Kevin Kuranyi genötigt sah, einzuschreiten und Ballack aus der Gefahrenzone wegzuziehen, damit kein größeres (verbales) Unheil angerichtet wurde. Bierhoff sagte später, man habe sich in der „Umkleide ausgesprochen“. Ob es zum Handschlag der beiden Alpha-Tiere im Team kam, wollte er vor dem nächtlichen Bankett in einem Wiener Luxushotel nicht verraten.

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