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Leiden auf der Fanmeile : Schwarz-rot-goldenes Straßentheater - mit Träne

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Da half auch beten nicht - wie hier in Dortmund Bild: ddp

Millionen Deutsche verfolgten das EM-Endspiel vor Großleinwänden. Nachdem zu Beginn noch gute Stimmung herrschte, blieb am Ende nur stille Enttäuschung - auch wenn das Ergebnis mit dem zweiten Platz eigentlich besser war als beim „Sommermärchen“ 2006.

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          Ganz Deutschland im Fußball-Rausch - und am Schluss trauern Millionen Fans unter dem nächtlichen Sommerhimmel: Nach der Devise „Noch größer, noch bunter, noch lauter“ hatten die deutschen Fans den ganzen EM-Final-Sonntag ein schwarz-rot-goldenes Fußball-Volksfest der Superlative gefeiert. Riesen-Enttäuschung dann am späten Abend, als das Happy End nach dramatischen 90 Minuten ausbleibt. Spanien - und nicht Deutschland - ist Europameister.

          Aber in den Fan-Zonen und darüber hinaus blieb es weitgehend friedlich. Lediglich in Magdeburg zogen nach Spielende rund 100 Randalierer durch die Innenstadt, zündeten Müllcontainer an und warfen Steine und Flaschen auf Polizisten. Einsatzautos wurden beschädigt, Verletzte gab es nach Angaben der Polizei aber nicht.

          Schon am Montag gibt es in Berlin wieder eine Party

          Im Münchner Olympiastadion gab es Reibereien, als enttäuschte Fans beim Public Viewing den Rasen stürmten. Bilanz: Einige Leichtverletzte. In Wien nahm die Polizei zehn deutsche Fans vorläufig fest. Die enttäuschten und vermutlich betrunkenen Fußballanhänger hatten unter anderem Autos beschädigt. Ansonsten meldeten die Polizeidienststellen in der Bundesrepublik übereinstimmend kurz vor Mitternacht: „Keine Zwischenfälle. Die Fans zogen bisher sehr diszipliniert, sehr ruhig und sehr anständig als faire Verlierer von der Fan-Meile“, hieß es in Berlin.

          Da half auch beten nicht - wie hier in Dortmund Bilderstrecke

          Dort steht an diesem Montag eine neue Fan-Party an. Die Nationalmannschaft will wie bei der WM 2006 gemeinsam mit den Berliner Fans feiern - trotz der Niederlage. Diesmal ist man immerhin „Vize“ geworden, nachdem es vor zwei Jahren bei der Heim-WM „nur“ zum dritten Platz gereicht hatte.

          Noch größere Feierlaune als beim „Sommermärchen“

          Die Fan-Begeisterung in Deutschland war am Sonntag zunächst überdimensional. Viele Public-Viewing-Zonen mit ihren Millionen Fans waren bereits am Nachmittag aus allen Nähten geplatzt - einige hatten wegen des enormen Ansturms schon Stunden vorher geschlossen werden müssen. Vor den TV-Geräten zu Hause sowie in den Kneipen und Vereinsheimen fieberten schätzungsweise 30 Millionen Menschen mit der deutschen Mannschaft.

          Wie bei der Fußball-WM vor zwei Jahren im eigenen Land wurden die Feste zu einem „Sommermärchen“ - vielfach war die Feierlaune noch größer. Schließlich stand Deutschland - anders als bei der WM 2006 - im Endspiel. Erst als die Spanier in der 33. Minute mit 1:0 in Führung gingen, machte sich überall Ernüchterung breit. Grabesstille dann beim Schlusspfiff. Es blieb beim 1:0 für Spanien.

          500.000 Menschen schauen auf der Berliner Fanmeile

          „Stimmung vermiest“, hieß es auf einigen Fan-Meilen. In den Schlussminuten gingen viele Fans vorzeitig nach Hause. Die Fußball-Volksfeststimmung war am Sonntag bei sommerlichen Temperaturen bereits Stunden vor dem Spiel und damit unerwartet früh ausgebrochen.

          Wegen des enormen Ansturms der Berliner schlossen die Sicherheitsbehörden die bundesweit größte Fan-Meile in der Hauptstadt - über drei Stunden vor Anpfiff um 20.45 Uhr. Mehr als 500.000 Menschen stimmten sich dort vor vier Riesenleinwänden singend und tanzend auf das Finale ein - und waren zu Beginn des Spiel kaum noch zu halten.

          Auch die Deutschen auf Mallorca hatten beste Laune

          „Alles dicht“ hieß es auch in Hamburg und Hannover sowie im Ruhrgebiet. Hamburg schloss die Eingänge. Mit 42.000 Menschen war das Gelände auf dem Heiligengeistfeld „rappelvoll“. In Stuttgart fieberten ebenfalls über 40.000 Fans, in Frankfurt am Main 50.000, in München insgesamt über 70.000.

          Für Tausende deutsche Touristen hatten die Feierlichkeiten bereits tagsüber bei bis zu 32 Grad an der Playa de Palma auf Mallorca begonnen. Am Abend zogen sie in die Bars und Kneipen mit Großbildleinwänden. Auch in Wien hatten sich Tausende Fans aus Deutschland und Spanien bereits am Sonntagmorgen in der Innenstadt versammelt. Zum Spielbeginn waren schätzungsweise 40.000 deutsche Fans und etwa 15.000 aus Spanien in der Stadt. Auch hier blieben Zwischenfälle bis zum späten Sonntagabend aus.

          Ganz Spanien feiert eine Fußball-Fiesta

          Spanien hingegen war nach dem Gewinn der Europameisterschaft eine einzige Fußball-Fiesta. Hunderttausende Spanier strömten nach dem 1:0-Sieg ihrer Mannschaft im Finale gegen Deutschland auf die Straßen und feierten den ersten EM-Sieg der Selección seit 44 Jahren.

          In ganz Spanien - von Santiago de Compostela im Nordwesten des Landes bis Almería im Südosten - feierten die Fußballfans in der Nacht zum Montag den Sieg. In vielen Städten hatten Spanier die Übertragung des Spiels auf Großleinwänden miterlebt. Das Zentrum der Feiern war der Kolumbus-Platz in Madrid. Auf der Plaza de Colon bejubelten Zehntausende von Hauptstädtern den Erfolg.

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