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Kroatiens Trainer Slaven Bilic : „Deutschland ist immer Favorit“

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Nationaltrainer Slaven Bilic: „Mein Land braucht mich” Bild: AFP

Jurist, Musiker, Nationaltrainer - der noch nicht ganz 40 Jahre alte Slaven Bilic hat viele Talente. Im FAZ.NET-Interview spricht der Trainer des deutschen Gruppengegners Kroatien über prägende Jahre in Deutschland, den kroatischen Sieg gegen die DFB-Elf bei der WM 1998 und die Chancen seines Teams.

          Jurist, Musiker, Nationaltrainer - der noch nicht ganz vierzig Jahre Slaven Bilic hat viele Talente. Er könnte als Anwalt arbeiten, mit seiner Band hat er den koratischen Europameisterschaft-Song eingespielt, mit seinem Team will er den Sieg gegen Deutschland von 1998 wiederholen, zu dem er selbst beigtragen hat. Seine Ziele verfolgt er auf eine offene, zupackende, mitunter impulsive Art. Das war schon so in seiner Zeit als Fußballprofi. In drei Spitzenligen, in seiner kroatischen Heimat, in Deutschland und in England, hinterließ er als harter Abwehrspieler bleibende Eindrücke.

          Winfried Schäfer hat einmal gesagt, Sie seien ein Haudegen, ein Vollblutprofi, ein feiner Mensch gewesen, aber auch einer, der notfalls zugelangt habe. Hat Ihr früherer Trainer beim Karlsruher SC Recht?

          Das ist ein schönes Kompliment. Winnie war für mich auf meiner ersten Auslandsstation als Spieler (1993 bis 1996) eine ganz wichtige Person. Es ist immer schwer, wenn du die Liga oder das Land wechselst. Er war für mich ein super Trainer, hat eine super Atmosphäre in der Mannschaft verbreitet, und so haben wir letztlich auch super Fußball gespielt. Schäfer verkörperte damals den KSC.

          Zupackend, impulsiv, offen: Jurist, Musiker und Trainer Bilic

          Sie haben damals extrem schnell Deutsch gelernt und davor in Ihrer Zeit bei Hajduk Split auch noch Jura studiert. Wie war das möglich?

          Ich komme aus einem guten Elternhaus. Meine Eltern waren zwar nicht reich an Geld, aber dafür reich an Verstand. Mein Vater war Professor der Nationalökonomie an der Universität Split, meine Mutter war Lehrerin mit den Spezialfächern Geographie und Biologie. Also war es für mich und meinen Bruder ganz normal, in der Schule gut zu sein. Ich habe in der Jugend von Hajduk Split Fußball gespielt; damals war es nichts Besonderes, dazu noch zur Universität zu gehen. Ich habe mein fünfjähriges Studium 1993 abgeschlossen und könnte als Anwalt arbeiten. Aber ich habe keine Praxis, und außerdem gehört mein Herz nun einmal dem Fußball. Was das Erlernen von Sprachen angeht: Das fällt mir irgendwie leicht, und außerdem bin ich in allem, was ich tue, sehr fleißig.

          Haben Ihre Eltern seinerzeit nicht gesagt, Junge, werde was Ordentliches, mach was aus deinem Jurastudium?

          Nein, nein. Mein Vater war fußballverrückt. Er sah mich lieber als Profi. Zudem war es meine eigene Entscheidung. Meine Eltern haben nie gesagt, du musst in die Uni gehen, du musst Anwalt werden. Ich durfte und sollte meinen eigenen Weg gehen. Das habe ich getan bis hin zu meinem Hobby Rockmusik. Mit meiner Band Rawbau, in der ich Gitarrist bin, habe ich unser EM-Lied "Vatreno Ludilo", auf Deutsch "Feuriger Wahnsinn", eingespielt.

          Sie sind 1996 von Karlsruhe in die Premier League gewechselt, zuerst zu West Ham United, danach zum FC Everton, wo Sie auch Kapitän der Mannschaft waren, War dieser Schritt wichtig für Ihre Weiterentwicklung als Spieler und Persönlichkeit?

          Ich kann nicht sagen, welche Liga besser war, die Premier League oder die Bundesliga. Vielleicht ist die Premier League die attraktivste Liga der Welt. Für mich war es jedenfalls ein Glück, in zwei der besten Fußballländer gespielt zu haben. Da, wo alles organisiert und strukturiert ist. Da gab es wie manchmal in Spanien oder Italien nie Probleme mit der Bezahlung, mit den Vereinen.

          Organisation, Disziplin, Struktur - sind das auch Stichworte für Ihr Team, die kroatische Nationalmannschaft?

          Das sind Dinge, die ich natürlich auch bei meinen Spielern sehen will, das sind Grundvoraussetzungen für den Erfolg.

          Wollten Sie schon als Spieler eines Tages Trainer werden?

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