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Im Gespräch: Rudi Völler : „Ballack und fünf Stürmer - traumhaft“

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„Portugal ist für mich doch längst abgehakt”, sagt Völler Bild: picture-alliance/ dpa

Rudi Völler, früherer Angreifer, sieht die deutsche Offensive so stark wie seit 18 Jahren nicht mehr. Zuletzt seien sie 1990 so gut gewesen, als Völler Weltmeister wurde. Im FAZ.NET-Interview erklärt der frühere Teamchef außerdem, warum Michael Ballack immer noch unterschätzt wird.

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          Rudi Völler, früherer Angreifer, sieht die deutsche Offensive so stark wie seit 18 Jahren nicht mehr. Zuletzt seien sie 1990 so gut gewesen, als Völler Weltmeister wurde. Im FAZ.NET-Interview erklärt der frühere Teamchef, der nach der schwachen Euopameisterschaft vor vier Jahren in Portugal zurückgetreten ist, warum Michael Ballack immer noch unterschätzt wird.

          Deutschland greift an - was denkt der frühere Stürmer und Teamchef vier Jahre nach seinem eigenen bösen EM-Erlebnis über den Start in diese Europameisterschaft?

          Portugal ist für mich doch längst abgehakt. Ich glaube, unsere Mannschaft geht mit guten Voraussetzungen ins Turnier.

          Nach Völlers Ansicht hat Joachim Löw (r., im Hintergrund Lukas Podolski) die besten Stürmer, seit Franz Beckenbauer die deutsche Nationalmannschaft betreut hat
          Nach Völlers Ansicht hat Joachim Löw (r., im Hintergrund Lukas Podolski) die besten Stürmer, seit Franz Beckenbauer die deutsche Nationalmannschaft betreut hat : Bild: picture-alliance/ dpa

          Mit wackligem Torwart und wackliger Abwehr?

          Das wird doch übertrieben. Joachim Löw hat die Mannschaft jetzt zwei Wochen zusammengehabt und sicherlich gut eingestellt für den Ernstfall. Ich finde, die Möglichkeiten auf dem Platz haben sich gerade in der Offensive noch mal verbessert.

          Sie meinen die Angreifer?

          Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Deutschland bei einem Turnier so viele gute und fitte Stürmer gehabt hat. Ich hatte sie nicht als Teamchef, Ribbeck nicht und Berti Vogts auch nur noch begrenzt. Da müssen wir also schon an 1990 zurückdenken.

          Das ist 18 Jahre her.

          Ja, sehen Sie. Jeder Trainer hat gerne die Option, zwischen hervorragenden Stürmern auszuwählen. Das eröffnet viele Chancen, Druck auf den Gegner zu machen. Natürlich müssen die anderen Mannschaftsteile auch funktionieren.

          Klose, Gomez, Podolski, Kuranyi, Neuville - welche Stürmer würden Sie spielen lassen?

          Dazu will ich nichts sagen. Aber allein diese fünf sind doch für Joachim Löw vielversprechend genug. Da kann man einiges erwarten.

          Und das wäre?

          Fitte, gesunde Stürmer schießen ja nicht nur Tore. Sie versetzen die gegnerische Abwehr in permanente Unruhe und machen sie müde. Und wenn man dann von der Bank jederzeit nachlegen kann, ist man in einer guten Position. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, der nicht zu verachten ist: Gefährliche Stürmer verschaffen den Mittelfeldspielern Freiräume - und da haben wir mit Michael Ballack ja einen, der das perfekt zu nutzen weiß. Traumhaft diese Aussichten.

          Ballack hat zuletzt oft darauf hingewiesen, wie sehr er auf eine starke Angriffsreihe setzt.

          Natürlich. Michael ist in Weltklasseform. Unglaublich, welche Dominanz er ausstrahlt. Wenn die Leute vor ihm dann genug Löcher reißen, die gegnerische Abwehr richtig beschäftigen, dann wird er ganz automatisch wieder öfter eigene Tore schießen. Ich glaube, wir dürfen auch durch diese Konstellation mit den guten Stürmern vorne einen überragenden, torgefährlichen Michael Ballack bei dieser EM erwarten.

          Sie waren immer ein Verteidiger Ballacks. Auch in Zeiten, als ihm Führungsschwäche nachgesagt wurde.

          Die Rolle von Michael Ballack für den deutschen Fußball wird immer noch nicht hoch genug eingeschätzt. Er ist ein Weltklassespieler. Heute bestreitet das niemand mehr. Aber ich habe ihn auch verteidigt, als er noch regelmäßig in der Kritik stand. Michael ist in Deutschland oft Unrecht getan worden. Es gibt auf der Welt keinen vielseitigeren, kompletteren Mittelfeldspieler. Michael hat ein gutes Gefühl für entscheidende Spielsituationen, er kann in der Defensive dazwischenhauen, den Takt für die Mannschaft vorgeben, er hat eine überragende Schusstechnik, rechts wie links, und verfügt wahrscheinlich auch über eine der besten Kopfballtechniken. Und dann ist er noch einer, der sich den Hintern für die Mannschaft aufreißt. Was soll ich noch sagen?

          Wie wird Ballack von Trainern im Ausland wahrgenommen?

          Wenn ich unterwegs bin, dann merke ich, wie viel Respekt ihm entgegengebracht wird. Ich weiß, dass die gegnerischen Trainer richtig Angst haben vor Ballack. Die schlafen doch nachts schlecht, weil sie nicht wissen, wie sie ihn auf dem Platz ausschalten sollen. Es gibt ja auch Phasen im Spiel, in denen er nicht so sehr auffällt. Aber plötzlich schleicht er sich wieder heran - wie bei einem Überfall.

          Haben Sie noch etwas vergessen?

          Der Michael ist ein Spieler für die wichtigen Momente im Spiel. Ein Matchwinner. Es gibt andere, die lassen sich für das 3:0 oder 4:0 feiern - denken, sie wären die Größten. So einer ist Michael nicht. Der schlägt dann zu, wenn die Mannschaft wirklich das Tor braucht. Und dafür muss er keine großen Töne spucken. Er ist ein Kapitän, auf den die Spieler aufschauen und an dem sie sich orientieren können. Es gibt kaum einen anderen Spieler auf der Welt, der solch eine Dominanz und Präsenz ausstrahlt auf dem Platz.

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