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Die EM des Miroslav Klose : Der hauchende Stürmer

Nur „in der Kabine laut”: Miroslav Klose Bild: dpa

Miroslav Klose ist kein lauter Typ. Seine Stimmung lässt sich kaum an seiner Miene ablesen - eher schon am Inhalt seiner leise gesprochenen Sätze. Der war zuletzt durchaus witzig. Es scheint, als sei Klose endlich - zum ersten Mal in diesem Jahr - in bester Verfassung.

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          Die Zuversicht ist wieder zurückgekehrt. Sagt Miroslav Klose. Ganz leise, eher dahingehaucht als unmissverständlich formuliert. Und schaut dabei doch irgendwie traurig drein. Doch das soll nichts heißen - an der Miene des Bayern-Profis hat die deutsche Fußball-Nation noch nie ablesen können, wie es um seinen Gemütszustand tatsächlich bestellt ist.

          Klose sieht irgendwie immer ein wenig mitgenommen aus, ganz gleich, ob die Sonne für ihn persönlich scheint oder nicht. Vor dem Halbfinale gegen die Türkei an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, live im ZDF und im FAZ.NET-Euro-Live-Ticker) und seinem ersten EM-Tor ist die Lage zumindest wieder eher heiter als wolkig. Das war in den Wochen zuvor ein wenig anders.

          Keine Lust auf das Ballyhoo

          Klose hat auch nach Jahren auf der großen Sportbühne noch immer keinen Gefallen gefunden am Ballyhoo und der Gesellschaft der vor ihm sitzenden Meute mit ihren Kameras und Mikrofonen in den Händen. Er ist kein Lautsprecher, kein Mann für die großen Worte, der das grelle Scheinwerferlicht sucht, um sich beim Frage-Antwort-Spiel mit den Medien in den Mittelpunkt zu stellen - und möglicherweise auf Kosten des ein oder anderen Kollegen zu produzieren.

          Das 2:0 gegen Portugal war das 40. in 79 Länderspielen - Klose hat eine Weltklassequote

          So nahm er auch auf der Empore im DFB-Trainingsquartier in Tenero eher widerstrebend Platz und blickte immer wieder bittend Pressesprecher Harald Stenger an, der neben ihm die Wissbegierde der Dutzenden Journalisten, die das deutsche Team bei dieser Europameisterschaft begleiten, in gewohnter Manier in geordnete Bahnen lenkte.

          Klose wirkte bei der Suche nach Antworten unbestimmt, seine ersten Botschaften Sätze hörten sich reichlich stereotyp an: „Ich gebe immer mein Bestes“ oder „Wir sind gewappnet“ oder „Deutschland ist halt eine Turniermannschaft“. Und dann rutschte ihm doch eine Pointe raus, die den Saal mit einem Mal mächtig erheiterte: Klose berichtete vom Stand seiner Torwette mit seinem Münchner Sturm-Kollegen Luca Toni, bei der er zu diesem Zeitpunkt 1:0 in Führung lag.

          Toni wird die Familie Klose zum Essen einladen müssen

          Er habe mit Toni „kurz getextet“, schilderte Klose. Der Italiener schrieb daraufhin zurück, dass er im Moment Probleme mit seinem besten Freund habe. Klose fragte besorgt, ob er irgendwie helfen könne. Die Antwort von Toni per SMS lautete nur: „Mein bester Freund ist der Ball, und der macht nicht das, was ich im Moment will.“ Gelächter allenthalben - und Klose strahlte dann doch für einen Augenblick.

          Für den Italiener Toni ist die EM seit Sonntagabend und der Niederlage im Elfmeterschießen vorbei; er wird seinen Kumpel mitsamt Familie nun in München zum Essen einladen müssen. Für Klose soll das Turnier übermorgen erst richtig losgehen. Der deutsche Angreifer mit polnischen Wurzeln konnte gewiss gut nachvollziehen, was im Kopf seine Klubkollegen in der Nacht zum Montag nach der Blamage des Weltmeisters vorging.

          Streicheleinheiten von allen Seiten

          Klose erlebte in seiner Karriere auch extreme Höhen und Tiefen. Bei der Europameisterschaft waren die ersten 14 Tage eher durchwachsen, wie schon zuvor die Saison beim FC Bayern. Kaum ein Spieler im Tross des Deutschen Fußball-Bundes wurde zuletzt so häufig verbal gestreichelt von den Verantwortlichen - und auch von seinen Mitspielern - wie Klose.

          Bundestrainer Joachim Löw lobte den Angreifer, weil er so „intensiv und hervorragend trainiert“ habe. Für Team-Manager Oliver Bierhoff ist er einer der „Führungsfiguren“ im Team, einer, der anerkannt wird von der Mannschaft. Auch Philipp Lahm und Lukas Podolski sagten ständig nur Gutes über Klose. Mit mehr Rückenwind ist wohl selten ein Stürmer auf den Platz geschickt worden.

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