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Der Frust der EM-Wirte : Nichts los auf den Fanmeilen

Genug Platz: Deutscher Fan in Klagenfurt Bild: ddp

Leere Bierbänke, gelangweilte Verkäufer - auf vielen offiziellen Fanmeilen in Österreich und der Schweiz hat sich bereits wenige Tage nach EM-Beginn Enttäuschung breitgemacht. Besitzer von Imbiss-Ständen klagen über massive Verluste.

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          Leere Bierbänke, gelangweilte Verkäufer - auf vielen offiziellen Fanmeilen in Österreich und der Schweiz hat sich bereits wenige Tage nach Beginn der Europameisterschaft mächtig Enttäuschung breitgemacht. Besitzer von Imbiss-Ständen klagen über massive Verluste. In Wien hätten einige der etwa achtzig „Standler“ bereits ihre Anwälte eingeschaltet, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

          Wirte in Genf drohten in einem Schreiben an den Schweizerischen Fußballverband, ihre Buden zu schließen, wenn bis zu diesem Donnerstag der Zuschauerzuspruch nicht rapide steige. „Sie haben von täglich 20.000 Fans gesprochen. Aber jeder sieht, dass dem nicht so ist“, beschwerten sie sich in einem offenen Brief, den am Mittwoch mehrere Zeitungen der Schweiz abdruckten.

          Wirte und Budenbesitzer drohen mit Streik

          Heute Abend dürfte zumindest in Basel der Trubel ein bisschen größer sein: von 20.45 Uhr an (Live im ZDF und im FAZ.NET-Euro-Live-Ticker) kämpft die „Nati“ von Trainer Köbi Kuhn gegen das vorzeitige EM-Aus; Gegner Türkei erwartet im St.-Jakob-Park-Stadion auch von Landsleuten, die in Deutschland leben, große Unterstützung.

          Keine Schlange am Pizza- und Kebabstand: Die Fanmeilen - hier in Wien - sind nicht wirklich Massenveranstaltungen

          Auch in Klagenfurt haben Veranstalter nach Angaben des Pressesprechers der Stadt die Hoffnung auf gute Geschäfte schon aufgegeben und „zugesperrt“; nicht einmal hundert Fans fanden sich am Montag vor der Videowand auf dem Messegelände ein, um das Spiel Frankreich gegen Rumänien zu verfolgen - während in Deutschland wie zu besten Sommermärchen-Zeiten und bei ungleich besserem Wetter die Straßen und Gassen vieler Städte proppevoll sind.

          Appelle an die Klagenfurter: Beteiligt Euch

          Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher verfügte daraufhin, dass die Standgebühren für die Wirte in der Fanmeile, die bis zu 18.000 Euro für ihren Platz bezahlt haben, halbiert werden. Er appellierte an die Bevölkerung, sich mehr an dem „einmaligen Fußballfest“ zu beteiligen. Schuld an der Flaute in Klagenfurt, wo an diesem Donnerstag die deutsche Nationalmannschaft ihr zweites Spiel gegen Kroatien absolviert (18 Uhr, live im ZDF und im FAZ.NET-Euro-Live-Ticker), sollen die Medien sein.

          In den örtlichen Zeitungen, so klagten Betroffene, hätten immer wieder Warnungen gestanden: Frauen und Kinder seien aufgerufen worden, während der EM zu Hause zu bleiben, um nicht Opfer möglicher Fan-Auseinandersetzungen zu werden. Hinzu seien Gerüchte gekommen - von Hooligans, die aus England anreisten. An Sonntag lieferten sich tatsächlich deutsche und polnische Fans Schlägereien in Klagenfurt, in deren Verlauf fast 150 Randalierer festgenommen wurden. Die zweite Fanzone am Klagenfurter Messegelände macht die Stadt nach dem Spiel der DFB-Auswahl gegen die Kroaten im Wörtherseestadion wegen mangelnder Nachfrage jedenfalls vorläufig dicht.

          Finanzielles Desaster in Wien

          In Wien ist die Lage nicht viel rosiger. Der Umsatz auf dem Ring zwischen Rathausmarkt und Heldenplatz ist nach Medienangaben „ein Debakel“; er liege um bis zu neunzig Prozent hinter den Erwartungen zurück. Die Fanzone war an den vergangenen drei Spieltagen nicht einmal ausgelastet. Bei einer Standmiete von bis zu 40.000 Euro für drei Wochen müsse ein Standbesitzer „mindestens 1400 Getränke täglich verkaufen, um positiv zu bilanzieren“, klagte der Gastronom Georg Schmidmayer - ein Ziel, das man in den zurückliegenden Tagen nicht annähernd erreicht habe. Um ein finanzielles Desaster abzuwenden, denke man sogar an Streik.

          Offiziell fasst die Fanzone auf dem Wiener Ring bis zu 70.000 Menschen. Bisher kamen aber lediglich zwischen 15.000 (Samstag) und 48.000 (Sonntag) zu den Spielen. Vor allem an den Vormittagen seien die Fanzonen so gut wie leer, klagen die Standbesitzer, weil ein Rahmenprogramm fehle. Als Reaktion haben die Veranstalter nach Angaben des Gastro- Chefs Christian Chytil eine Art „Happy Hour“ zwischen zwischen 9.00 und 14.00 Uhr eingeführt: der halbe Liter Bier des Uefa-Sponsors kostet statt viereinhalb 3,50 Euro, Softdrinks kosten noch einen Euro weniger.

          Rundum glücklich sind anscheinend nur die Organisatoren in Bern: Tausende Holländer, die die Stadt zu ihrem Euro-Basislager auserkoren haben, sind nach dem erfolgreichen Auftakt ihrer Nationalmannschaft gegen Italien (3:0) in allerbester Feier- und Konsumlaune. Für die nächste Partie der Niederlande gegen Frankreich an diesem Freitag (20.45 Uhr, live in der ARD und im FAZ.NET-Euro-Live-Ticker) soll noch ein dritter Fest-Platz eingerichtet werden.

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