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Champions-League-Finale : Der Zauberkünstler auf der Rennstrecke

Ballartist im Training: Im Luschniki-Stadion Bild: REUTERS

Cristiano Ronaldo ist der Star in England und Europas Torschützenkönig: 41 Tore in 49 Spielen hat der Portugiese bisher erzielt, er soll Manchester United zum Champions-League-Titel schießen. Aber die Insel wird zu klein für Ronaldo, Real Madrid wirbt um Manchesters Kronjuwel.

          3 Min.

          Kürzlich wurde Cristiano Ronaldo zum Matador. Statt eines roten Tuches benutzte er einen Fußball, um den Stier zu ärgern. Der hatte keine Chance, es war ja auch ein Werbefilm (für eine Fotofirma). Für eine Sportfirma hat er es dann mit einem noch härteren Gegner aufgenommen. Im Antritt hängte er den Bugatti Veyron ab, der in 2,5 Sekunden auf hundert ist. Man sieht, die Welt, zumindest die Werbewelt, traut dem 23 Jahre alten Star von Manchester United schon alles zu.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zu Hause in Portugal hat er andere Fußballer längst hinter sich gelassen, sogar Eusebio, der im Januar bei Ronaldos jetzt schon legendärem Freistoßtor gegen Portsmouth vor dem Fernseher applaudierte; auch Luis Figo, der vom Jungstar sagt:“Wäre ich mit seinem Talent geboren worden, hätte ich weniger arbeiten müssen.“ Die Sportzeitung „Record“ schrieb: „Ronaldo ist Portugal.“ Seine Tore und die Details seines Junggesellenlebens, etwa die Vorliebe für alles Süße, auch solches mit zwei Beinen, füllen die Blätter und stillen den Hunger nach Geschichten.

          Nur eine Frau wie Beckhams fehlt, um dessen Ruhm zu übertreffen

          Eine Zeitung brachte kürzlich eine Doppelseite mit Ronaldos Fuhrpark. Zum Shoppen der BMW X5, zum Training der Audi R8-Dienstwagen (der Klub hat mit Audi einen Werbevertrag), zum Spaß ein Ferrari und ein paar andere Tempomacher. Nur einen Veyron hat Ronaldo noch nicht. Nach den Werbeaufnahmen hat er sich laut „Sun“ zwar einen bestellt. Leider muss er wie jeder andere mindestens ein Jahr auf das mehr als eine Million Euro teure 1001-PS-Auto warten. So prominent ist denn auch der beste Fußballspieler der Welt nicht.

          Der womöglich beste Fußballspieler der Welt

          Der Weltsport Fußball braucht einen Weltstar. Einen, der Kenner begeistert, aber auch Menschen interessiert, die Fußball nicht interessiert. Ronaldo ist auf dem Weg dorthin. Man merkt das, wenn kleine Jungen ihn schon so gut kennen wie die Figuren ihrer PC-Spiele. Und wenn Frauen, die beim Thema Fußball die Augen verdrehen, zu Expertinnen werden, wenn es um Ronaldo geht. Er brauche jetzt „nur noch eine Frau wie Beckham, um Beckhams Ruhm endgültig zu übertreffen“, schrieb das Wirtschaftsblatt „Forbes“.

          Europas Torschützenkönig: 41 Tore in 49 Spielen

          In der Liste der bestverdienenden Kicker, die die Zeitschrift jährlich erstellt, steht Ronaldo bereits auf Platz fünf, übertroffen nur noch von Senior-Stars, die von altem Ruhm und alten Werbeverträgen leben: Beckham, Henry, Ronaldinho, Ronaldo (der brasilianische Ronaldo, der nicht mehr mit Toren in die Zeitung kommt, sondern mit Übergewicht und Ärger mit Transvestiten). Der portugiesische Ronaldo lebt von aktueller Leistung: 41 Tore in 49 Saisonspielen, Europas Torschützenkönig, Englands Fußballer des Jahres und Meister mit Manchester, wo man ihn mit einem Vertrag bis 2014 zum bestbezahlten Spieler in England gemacht hat.

          Dennoch deutet er nun an, dass ihm die Insel nach fünf Jahren vielleicht zu klein wird. Mehr kann er dort nicht erreichen, sollte am Mittwoch auch der Gewinn der Champions League gelingen. „Ich bin hier glücklich“, sagte er am Donnerstag einem spanischen TV-Sender,aber warten wir ab, was nach dem Finale ist. Ich habe Millionen Male gesagt, dass ich es lieben würde, in Spanien zu spielen. Ich weiß, Real Madrid mag mein Spiel und andere Teams in Spanien ebenso.“

          Der schnellste Spieler in England mit einer Zauberkiste voller Tricks

          Real macht kein Hehl aus seinem Interesse. „Wir haben die Mittel, einen Spieler wie Ronaldo zu verpflichten“, sagte Generaldirektor Arroyo. Er behauptete, dass der Einkauf durch Trikotverkauf und weiteres Merchandising ein“ökonomischer Gewinn“ wäre. Und das, obwohl Real dafür wohl den selbst aufgestellten Transfer-Weltrekord (73,5 Millionen Euro für Zidane 2001) brechen müsste - wenn United überhaupt mitspielt. Als einer der beiden reichsten Klubs der Welt hat man es nicht nötig, sein Kronjuwel an den anderen zu verkaufen.

          Laut einer Studie ist Ronaldo der schnellste Spieler in England. Er hat eine Zauberkiste voller Tricks und eine grandiose Ballbehandlung - und stellt all das anders nicht mehr in den Dienst der Ego-Show, sondern des Team-Erfolges. Meistens jedenfalls. Nun stellt sich ihm, im Finale gegen Chelsea und bei der EM mit Portugal, noch eine letzte Hürde auf dem Weg zum neuen Weltstar des Balles. Er muss den Vorwurf widerlegen, in „großen“ Spielen nur Durchschnitt zu sein - ein hyperaktiver Selbstdarsteller, der zwanghaft glänzen will, dann nichts hinkriegt außer theatralischem Selbstmitleid.

          Chelseas Joe Cole stichelt: „Messi der Beste“

          Im Psycho-Duell vor dem Finale versucht Chelsea bereits, diese Karte auszuspielen und Ronaldo zu ärgern - in der offenkundigen Hoffnung, ihn fürs Finale übermotiviert zu machen. „Ronaldo ist phantastisch“, lobt Chelsea-Kollege Joe Cole, um dann zu sticheln: „Aber im Champions-League-Halbfinale hat Messi gezeigt, dass er der Beste ist.“ Wenn er sich da nicht täuscht. Trainer Alex Ferguson hat ein Angriffssystem gebaut, in dem die Offensivspieler ihre Positionen frei wechseln. Und Ronaldo, der in jeder Angriffsdisziplin - Rechtsschuss, Linksschuss, Tempodribbling, Passen, Flanken, Konter, Standards - gnadenlos gefährlich ist, bewegt sich in dieser freien Rolle mit einer Unberechenbarkeit, die für jeden Gegner ein Schrecken ist.

          „Wenn er mit dem Ball startet, kriegst du ihn nicht mehr“, sagte Cristian Panucci, der mit AS Rom wie im Vorjahr im Viertelfinale an Manchester scheiterte - und sich dabei wie auf einer Rennstrecke vorkam. „Es ist, als wäre er Valentino Rossi. Oder Juan Manuel Fangio. Wenn du mir einen Wagen gibst, könnte ich vielleicht mithalten.“ Er müsste aber schneller sein als ein Bugatti Veyron.

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