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2:0 gegen Frankreich : Die Wiederauferstehung des Weltmeisters

Italienisches Freudenknäuel Bild: REUTERS

Weltmeister Italien hat das Viertelfinale erreicht: Dank des Siegs über Frankreich - und des gleichzeitigen Siegs der Niederländer über Rumänien - hat Trainer Roberto Donadoni seine Mannschaft in die K.O.-Runde geführt - und seinen eigenen Job zunächst gerettet.

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          Italien hat, dank Hilfe durch Oranje und eine Rote Karte, das Schlimmste abgewendet und das Viertelfinale der Europameisterschaft erreicht. Der Gegner am Sonntag in Wien heißt Spanien. In einer Neuauflage des WM-Finales von 2006, die zum Kampf um die letzte Chance auf Platz zwei hinter Holland in der Vorrundengruppe C geworden war, besiegten die Italiener am Dienstag abend in Zürich Frankreich durch einen Elfmeter von Andrea Pirlo (24. Minute) - Abidal hatte Toni gefoult und dafür die Rote Karte erhalten - und einen abgefälschten Freistoß von Daniele de Rossi (63.) 2:0.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dank des Sieges der niederländischen B-Auswahl im Berner Parallel-Match gegen Rumänien (Siehe: 2:0 gegen Rumänien: Holländische Güteklasse 2 reicht locker) konnte der Weltmeister seine Wiederauferstehung feiern. Dagegen wurde der WM-Zweite Frankreich als Gruppenletzter der große Verlierer der EM - und zahlte mit der Verletzung von Franck Ribéry schon nach sieben Minuten einen hohen Preis.

          Deschamps hat sich für Domenechs Posten ins Gespräch gebracht

          „Das Frankreich-Spiel ist für uns wie ein Finale. Wir müssen da rausgehen und das Spiel unseres Lebens machen“, hatte Torhüter Gianluigi Buffon gefordert. Es war ein Spiel, in dem es für beide Trainer um ihre Jobs ging. Für Roberto Donadoni hatten die italienischen Medien schon dessen Vorgänger Marcello Lippi als Nachfolger gefordert.

          Italienisches Freudenknäuel Bilderstrecke

          In Frankreich brachte sich Didier Deschamps, der Kapitän des Weltmeisterteams von 1998, nach Lothar-Matthäus-Art schon selbst für Raymond Domenechs Posten ins Gespräch. Domenech, dem man in der Heimat den Vorwurf machte, zu lange an alten Größen festzuhalten, zeigte Wirkung und nahm den Rekordnationalspieler Lilian Thuram aus dem Spiel, ebenso Willy Sagnol vom FC Bayern. Im Angriff sorgte vor allem Karim Benzema für eine Verjüngung - die auch nötig war, beim 1:4 gegen die Niederländer hatte Frankreich die älteste Elf der EM-Geschichte aufgeboten (im Durchschnitt dreißig Jahre und 133 Tage alt).

          Franck Ribery bleibt vom Pech verfolgt

          Auch Donadoni hatte sein Team neu gemischt und im Angriff Cassano gebracht, für die „Gazzetta dello Sport“ der „Heilige Antonio, der das Wunder vollbringen soll“. „Wir müssen im Kopf bereit sein für dieses Spiel und bis an unsere Grenzen gehen“, hatte Franck Ribéry gefordert, der endlich, wie beim FC Bayern, seine Lieblingsrolle auf der linken Seite übernehmen durfte.

          Doch der Bayern-Star blieb bei dieser EM vom Pech verfolgt. Beim Versuch, Zambrotta abzublocken, stürzte er in der siebten Minute unglücklich und musste mit einer Unterschenkelverletzung vom Platz gefahren werden. Das nächste Unglück der Franzosen ließ nicht lange auf sich warten. Eric Abidal, der in der neuformierten Abwehr der Franzosen von der Außenposition für Thuram ins Zentrum gerückt war, hatte schon in der vierten Minute große Unsicherheit verraten, als er Luca Toni den Ball in den Lauf geköpft, der Bayern-Italiener aber überhastet verschossen hatte.

          Luca Toni hätte das Spiel vor der Pause entscheiden können

          In der 24. Minute entkam Toni abermals dem umgeschulten Verteidiger, nahm einen Steilpass des starken Pirlo gekonnt auf, und Abidal konnte ihn nur noch mit einem Fußhakler am Torschuss hindern. Schiedsrichter Lubos Michel erkannte auf Rot für Abidal - eine überharte Entscheidung - und auf Elfmeter. Pirlo verwandelte sicher. Und Domenech musste nun den erst kurz zuvor für Ribéry eingewechselten Samir Nasri schon wieder herausnehmen, zugunsten des Verteidigers Boumsong.

          Es dauerte lang, bis die Franzosen sich wieder sortiert hatten. In dieser Zeit verpasste der weiter torlose Toni bei drei großen Chancen die Entscheidung. Dem Ausgleich kam nur Thierry Henry nahe, er verfehlte in der 33. Minute knapp. Zwei Minuten vor der Pause verhinderte Torwart Grégory Coupet das 2:0, als er einen Freistoß von Grosso an den Pfosten lenkte.

          Frankreich mühte sich redlich und vergeblich

          Im Anschluss daran mündete die aufgeheizte, nicklige Partie erstmals in giftige Szenen - Perrotta blieb im gegnerischen Strafraum liegen, Frankreich spielte weiter; Pirlo senste Benzema um und bekam die Gelbe Karte. Die Franzosen mühten sich in Unterzahl auch nach der Pause redlich. Ein Volleyschuss des starken Benzema ging knapp über das Tor. Die Italiener dagegen beschränkten sich vorwiegend darauf, den Vorsprung zu verwalten. Ihre Fans brachen zum zweiten Mal in Torjubel aus, als die Führung der Niederländer über die Anzeige lief.

          Dann hämmerte de Rossi den Ball beim Freistoß aus 25 Minuten, abgefälscht vom Fuß Henrys, ins Netz. Den verdienten Ehrentreffer der Franzosen verhinderte Torwart Gianluigi Buffon in der 74. Minute in der besten Szene des Spiels, als er Benzemas schönen Dreher ins lange Eck phantastisch abwehrte. Der Rest war für die Italiener und ihre Fans ein Herunterspielen der verbleibenden halben Stunde - mit einem Ohr immer an der Radioreportage aus Bern, fast wie einstmals 1954. Damals traf kurz vor Schluss ein gewisser Rahn und brachte Deutschland aus dem Häuschen. Diesmal traf in Bern Robin van Persie kurz vor dem Ende und machte Italien endgültig glücklich.

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