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1:1 gegen Rumänien : Buffon als Elfmeterheld, doch Italien vor dem Aus

Wohl dem, der so einen Torhüter hat: Italiens Buffon rettete das Remis Bild: REUTERS

Das wäre fast schon der „Genickbruch“ in der „Todesgruppe“ gewesen: Nach Rückstand durch Mutu rettete Italien immerhin noch ein 1:1 gegen Rumänien. Panucci glich aus, anschließend parierte Buffon Mutus Elfmeter und hielt die Azzurri im Turnier.

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          Es sah alles schon nach Arrivederci aus für den Weltmeister: Eine Minute lang musste sich Italien im Spiel gegen Rumänien als überraschender Streichkandidat bei dieser Europameisterschaft fühlen. Doch weil Christian Panucci mit seinem Ausgleichstreffer in der 56. Minute eine schnelle Antwort auf die Führung der Rumänen durch Adrian Mutu (55.) wusste und später Buffon noch einen Elfmeter des rumänischen Starangreifers parierte (81.), können die Italiener (1 Punkt) sicher sein, auch am letzten Spieltag dieser Vorrundengruppe noch eine Chance zu haben - wenn auch eine kleine. Nach dem Sieg der Niederlande gegen Frankreich (Siehe: 4:1 gegen Frankreich - Oranje zaubert und überlebt die „Todesgruppe“) macht man mit den Rumänen (2 Punkte) und den Franzosen (1 Punkt) den zweiten Viertelfinal-Teilnehmer aus.

          Gegen die als Außenseiter gehandelten Rumänien zeigten die Italiener beim 1:1 am Freitag in Zürich abermals nichts von ihren einstigen Abwehrklasse, der Grundlage für den WM-Titel von 2006. Die Rumänen werden nach ihrem zweiten Unentschieden ihrerseits noch kräftig mitmischen um den Platz im Viertelfinale. Es ist eine Mannschaft von eindrucksvoller physischer Präsenz, die allemal mehr vermag, als nur das eigene Tor zu verteidigen. Das 0:3 gegen die Niederlande hatte einen fürchterlichen EM-Auftakt für die Italiener bedeutet.

          Oldie del Piero als Italiens „Kapitän der Hoffnung“

          Wie würde der in seinem Stolz verletzte Weltmeister reagieren? Mit der Entschuldigung von Torhüter Buffon an alle Italiener war es jedenfalls nicht getan. Trainer Roberto Donadoni nahm sich den bösen Spott aus der Heimat zu Herzen und stellte seine Startelf gleich auf fünf Positionen um. Dass Alessandro del Piero von Beginn an spielen würde, war klar, nachdem Donadoni ihn frisch zum Kapitän ernannt hatte.

          Wohl dem, der so einen Torhüter hat: Italiens Buffon rettete das Remis Bilderstrecke

          Die italienische „Tuttosport“ nahm das zum Anlass, ihn gleich zum „Kapitän der Hoffnung“ auszurufen, schließlich ist der Dreiundreißigjährige als Schützenkönig der Serie A zur EM gereist. Del Piero für Di Natale im Sturm, dazu je zwei Opfer in Abwehr (Barzagli, Materazzi) und Mittelfeld (Gattuso, Ambrosini) - Donadoni griff durch. Grosso, Chiellini, De Rossi und Perrotta hießen die Neuen.

          Luca Toni fehlen im Angriff nur ein paar Zentimeter

          Und die Squadra Azzurra tat gleich einiges dafür, die Herzen ihrer Tifosi (und der heimischen Presse) zurückzugewinnen. Vor allem Grosso auf der linken Außenbahn und De Rossi im Zentrum sorgten für viel Bewegung. Gefährlich wurde es stets bei Flanken. Erst rettete ein Rumäne kurz bevor Del Piero (9. Minute) an den Ball kam, dann fehlten Luca Toni ein paar Zentimeter (13.). Im Angriff sah es ermutigend und erfrischend aus, was die Italiener machten.

          Und die Rumänen? Kapitän Chivu hatte den Italienern für dieses Spiel die „Hölle auf Erden“ angekündigt. In der Heimat allerdings empfand mancher auch das erste Turnierspiel der Rumänen gegen Frankreich als Qual. Gheorge Hagi und Florin Raducioiu, zwei Vertreter der „Goldenem Generation“ der 90er Jahre, schienen sich regelrecht beleidigt zu fühlen von der uninspirierten und langweiligen Vorstellung ihrer Nachfolger.

          Rumänien will nicht nur ein Spielverderber sein

          Eine stabile Defensive aber, daran gab es keinen Zweifel, war auch gegen Italien die Grundlage des rumänischen Spiels - man hat ja gegen den WM-Zweiten Frankreich schon gute Erfahrungen gemacht. Reine Spielverderber aber wollten die Außenseiter auch nicht sein. Dreimal war Mutu in den Anfangsminuten schon vielversprechend in Position gebracht worden, als die Rumänen es noch ein viertes Mal versuchen durften.

          Ganz alleine tauchte Mutu plötzlich vor Buffon auf, und vielleicht hätte er sich für Technik statt für Kraft entscheiden sollen, so jedenfalls parierte Buffon (16.). Mutu hatte sich ja beklagt, dass er gegen Frankreich auf der linken Seite zu isoliert gestanden hatte. Weiter vorn machte er diesmal eine bessere Figur. Er und seine Kollegen mussten nach zwanzig Minuten den Ausfall von Mirel Radoi verkraften, der nach einem Zusammenprall mit Mitspieler Razvan Rat auf einer Trage vom Platz gebracht werden musste. Der Mittelfeldmann zog sich einen Nasenbeinbruch und eine Augenverletzung zu; die EM ist für ihn beendet.

          Wer braucht denn schon den Catenaccio?

          Die Rumänen hatten nach Mutus erster Chance noch lange nicht genug: Zwei Freistöße aus der Distanz brachten beinahe die Führung, einmal parierte Buffon, einmal rettet der Pfosten für die Italiener (18./20.). Der Eindruck aus dem Holland-Spiel blieb: Mit der Abwehr von 2006, die während des ganzen WM-Turniers nur zwei Treffer zugelassen hatte, ist dieses wackelige Gebilde nicht mehr zu vergleichen.

          Aber wer braucht schon Catenaccio, wenn das neue Italien unter Donadoni doch so hinreißend angreifen kann? Drei Chancen in drei Minuten gab es noch vor der Pause, dreimal war Luca Toni im Mittelpunkt. Nur das Tor, das fehlte weiter. Donadoni sah auf die Uhr, es wurde langsam eng.

          Buffon pariert Mutus unplazierten Elfmeter famos

          Keine zehn Minuten war die zweite Halbzeit alt, als es so richtig munter wurde. Erst die Führung für Rumänien: Nach einem weiten Ball von Contra wollte Zambrotta zu Buffon zurückköpfen, doch wie fahrlässig: Mutu konnte bequem dazwischengehen und traf ohne Probleme. Nur eine gute Minute währte die rumänische Freude, dann schlug Italien zurück: Eckball De Rossi, Kopfball Chiellini, und am Pfosten lauert Panucci - 1:1. Sicherheit gab aber auch das nicht.

          Die Rumänen stürmten weiter - allen voran Daniel Nicolae. Nach einer guten Gelegenheit in der 70. Minute nutzte er zehn Minuten später einen Zweikampf mit Panucci zum freiwilligen Fall. Buffon parierte den Elfmeter famos - über einen rumänischen Sieg aber hätten sich die Italiener auch nicht beschweren können. Die rumänischen Fans sangen einfach trotzdem: Arrivederci.

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