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0:2 gegen Schweden : „Zementidis“ von Ibrahimovic geknackt

  • -Aktualisiert am

Einer machte den Unterschied: Zlatan Ibrahimovic Bild: REUTERS

Die griechische Betonfabrik hat Risse: Der Titelverteidiger musste beim 0:2 gegen Schweden einsehen, dass Mauern mit ein bisschen Fußball spielen diesmal nicht reichen wird. Ibrahimovic überwand das Bollwerk, Hansson stochert nach.

          3 Min.

          Europameister Griechenland, das war einmal. 2004, lang ist's her. Vier Jahre später hat Otto Rehhagel, der deutsche Trainer der Griechen, es mit dem alten destruktiven Erfolgsrezept noch einmal probiert und ist schon bei der ersten Bewährungsprobe in Salzburg gescheitert. Durch die Treffer von Ibrahimovic (67. Minute) und Hansson (72.) besiegten die auch nur durchschnittlichen Schweden den Titelverteidiger am Dienstagabend zum Abschluss der ersten Punktrunde bei der EM in Österreich und der Schweiz verdientermaßen 2:0.

          Für Griechenland wird es jetzt sehr schwer, sich noch für das Viertelfinale zu qualifizieren. Am Samstag trifft die Elf auf Russland, während die Schweden im Duell der Sieger in der Gruppe D gegen die starken Spanien antreten. (Siehe: 4:1 gegen Russland: Spanien startet erwartet stark).

          Rehhagel wählte eine mauerfeste 5-4-1-Formation

          Mach's noch einmal, Otto? Das wollte nicht einmal der deutsche König von Griechenland von vornherein versprechen. Trainer Rehhagel hatte für den unwahrscheinlichen Fall des Falles nur so viel gesagt: „Es gibt kein Gesetz, das einem Europameister verbietet, wieder den Titel zu holen.“ Was nicht verboten ist, war bislang aber noch keinem europäischen Champion vergönnt. Am Dienstagabend ging es für die Griechen im mit 30.000 Zuschauern ausverkauften Wals-Siezenheim-Stadion sowieso nur um einen erfolgreichen Start in ein Turnier, das sie wie 2004 in der gewohnten Außenseiterrolle und gewohnt defensivstark in Angriff nahmen.

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          0:2 gegen Schweden : „Zementidis“ von Ibrahimovic geknackt

          Die Mannschaft trat zu ihrer EM-Premiere 2008 mit genügend vertrauten Kräften aus der Siegerelf von vor vier Jahren an. Auf der Bank Platz nehmen musste erst einmal Ioannis Amanatidis, der zuletzt fast immer berücksichtigte Kapitän der Frankfurter Eintracht - ein Zeichen dafür, dass Rehhagel den Schweden nicht wie zuletzt angriffslustig mit einem 4-3-3-System Beine machen wollte. Rehhagel wählte in Erinnerung an den vor allem mit hellenischer Verteidigungskunst eroberten Titel vor vier Jahren eine mauerfeste 5-4-1-Formation mit dem in Person von Traianos Dellas reinkarnierten Libero hintendrin und Gekas als einziger Spitze, gelegentlich assistiert von Charisteas und Karagounis.

          Anachronistisches Ballgeschiebe und Spielzerstören

          Trainer Lars Lagerbäck vertraute wie Kollege Rehhagel einem routinierten Team, das seine Hoffnungen auf ein, zwei Treffer auf den von einer Knieverletzung genesenen Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic und den mit 36 Jahren reaktivierten Altmeister Henrik Larsson stützte. Die Crux war nur, dass Ibrahimovic zwar für Inter Mailand in 26 Ligaspielen 17 Treffer erzielt hat, für Schweden aber zuletzt im Oktober 2005 erfolgreich war. Ob Larsson noch einmal alte Frische beweisen konnte, war von vornherein zumindest auch fraglich.

          Ob aus dieser Partie überhaupt mal ein richtiges Fußballspiel werden konnte, schien nach 45 Minuten noch fraglicher. Die Griechen hatten den Schweden wie einem Großteil des Publikums mit ihrem anachronistischen Ballgeschiebe, Spielverzögern und Spielzerstören den Spaß an diesem Abend früh verdorben. Doch was Rehhagels Mannschaft in Salzburg mit ihrer Verweigerungshaltung anstellte, beeindruckte den Gegner zumindest. Die Schweden fanden kein Mittel gegen den antiken Antikick des Europameisters, mussten manchmal sogar froh sein, wenn der eine oder andere gefährlich anmutende Konter der Griechen dann doch versandete. Ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die Teams in die Kabine.

          Publikumsfeindliches Programm

          Dass Fußball für manche ein reines Vergnügen sein soll, blieb 45 Minuten lang unergründlich. Die Griechen jedenfalls waren sich keiner Schuld bewusst und blieben ihrem publikumsfeindlichen Programm auch nach dem Wechsel treu. Und auch die Schweden kamen zunächst auf keine einzige produktive Idee, wie denn das Mauerwerk des Titelverteidigers zu durchbrechen sei. Zwischendurch schienen sich Süd- und Nordeuropäer sogar auf eine Art Zusammenarbeit im Fußball-Nirwana geeinigt zu haben, als Dellas flankte und Hansson fast ins eigene Tor geköpft hätte (65.).

          So viel absurdes Theater war dem mit künftig zwölf Millionen Euro im Jahr höchstbezahlten Stürmer der Welt denn doch zu viel. Zlatan Ibrahimovic entschied sich zwei Minuten später, einfach mal aus zwanzig Metern draufzuhalten. Sein kerniger Diagonalschuss überwand das griechische Bollwerk und wurde zum durchschlagenden Erfolg. Und weil's so schön und plötzlich so einfach war, setzte Hansson aus kurzer Entfernung fünf Minuten später noch einen drauf. Das war's dann für den Champion von gestern. Das Märchen von 2004 wird sich, dazu gehört wenig Phantasie, vier Jahre später nicht wiederholen.

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