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Wellenreiter : Wie sich ARD und ZDF bei der EM einschießen

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Selbst Zidane, der begnadete Regisseur der Franzosen, hätte wohl seine liebe Mühe gehabt, das Durcheinander beim "Europasender ZDF" zu ordnen. "Ja, wo laufen sie denn", hätte Loriot vor dem Fernseher gerufen.

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          Selbst das Machtwort des Kaisers nutzte nichts. Franz Beckenbauer hätte dem Sportchef des ZDF, Wolf-Dieter Poschmann, und den mehr als dreizehn Millionen Zuschauern vor den Fernsehschirmen so gern die entscheidenden Szenen der Partie England gegen Frankreich erläutert. "Es wäre schön, die Entstehung der Szene zu sehen", forderte der Experte des Zweiten Deutschen Fernsehens immer wieder, doch aus dem Hintergrund wurden ständig die falschen Szenen der bisher besten Partie der Fußball-Europameisterschaft in Portugal eingespielt.

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Selbst Zinedine Zidane, der begnadete Regisseur der siegreichen Franzosen, hätte wohl seine liebe Mühe gehabt, das Durcheinander beim "Europasender ZDF" zu ordnen. "Spielt uns einfach ein, was ihr habt", sprach Poschmann mit einem langsam sich steigernden Anflug der Verzweiflung ins Off. "Ja, wo laufen sie denn", hätte Loriot gerufen. Nur gut, daß der Kommentator Béla Réthy dem hohen Niveau des Spiels hatte folgen können.

          Irgendwo zwischen "schwul" und "hetero"

          Nicht nur Beckenbauer hätte die dramatische Schlußphase, in der Zidane innerhalb von hundert Sekunden mit seinen beiden Treffern aus der drohenden Niederlage noch einen 2:1-Sieg gegen England machte, gern noch einmal ansprechend aufgearbeitet genossen. Der ZDF-Zeitplan aber sah nur zwei Schaltungen vor, von der eine auf das Dach des ZDF-Studios führte. Dort wiederholte Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel, was Franz Beckenbauer bereits über die unstrittigen Entscheidungen von Schiedsrichter Markus Merk gesagt hatte. An denen nämlich gab es nicht zu mäkeln.

          "Die Mischung aus Emotion und Information ist bei den Zuschauern bestens angekommen", sagte der Chefredakteur des ZDF, Nikolas Brenner, zu den ansprechenden Einschaltquoten seines Senders. Ob er dabei aber auch an den Satz seines Fußball-Reporters Thomas Wark dachte, der David Beckham irgendwo zwischen "schwul" und "hetero" einordnete, als er vergebens versuchte, den Begriff "metrosexuell" zu erklären?

          Die Lehre vom "Weniger wäre mehr"

          Die ARD hatte sich zuvor an ihrem ersten Sendetag etwas eingespielter gezeigt, daran haben Gerhard Delling und Günter Netzer ihren gewohnten Anteil. Der Kommentator Reinhold Beckmann beklagte sich nach dem Eröffnungsspiel Portugal gegen Griechenland über die zahlreichen Zeitlupen des portugiesischen Fernsehens, das das internationale Signal produziert. "Weniger wäre hier mehr gewesen. Das Wichtigste ist das Live-Spiel. Der Zuschauer darf nicht abgelenkt werden", sagte der Delegationschef der ARD, Heribert Faßbender. Am Sendetag des ZDF hingegen waren der Zeitlupen nicht zu viele.

          Die Lehre vom "Weniger wäre mehr" gilt vor allem aber für das Europameisterschaftsprogramm der beiden öffentlich-rechtlichen Sender, die ein Drumherum veranstalten, wie man es seit Einführung der Fußballshow "ran" zur Bundesliga nicht gesehen hat. Die "Ballkontakte" der ARD (von "Nachgetreten" im ZDF zu schweigen), der Euro-Talk mit Monica Lierhaus und die Liveübertragungen der Pressekonferenzen der deutschen Nationalmannschaft sind wirklich ausgesprochen verzichtbar, ob mit oder ohne Zeitlupe.

          Ein bißchen mehr wiederum hätte es derweil bei Reinhold Beckmann sein dürfen. Nachdem das bereits kritisierte portugiesische Fernsehen die taktischen Aufstellungen vor dem Eröffnungsspiel lediglich für wenige Sekunden eingeblendet hatte, glich der hauptberufliche Kuschel-Talker diese Informationslücke nicht aus, er beklagte sie nur.

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