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Vor dem Finale : Rehhagel oder Scolari - Zeit für Fußball-Geschichte

  • Aktualisiert am

So wollen sie im Finale spielen Bild: dpa

Noch nie wurden Portugal oder Griechenland Europameister. Und noch nie gewann ein ausländischer Trainer mit seiner Mannschaft den Titel. Das EM-Finale am Sonntag in Lissabon wird einiges ändern.

          2 Min.

          Hellas und „König Otto“ Rehhagel setzen auf die Gunst der Fußball-Götter, Portugal auf die Kunst von Luis Figo und Co. und den Rückhalt einer ganzen Nation auf dem Weg zum historischen Triumph. Geschichte wird auf jeden Fall geschrieben. Sei es durch Rehhagel oder Luiz Felipe Scolari, die jeweils den Titel als erste ausländische Trainer gewinnen können, oder die beiden erstmaligen Finalteilnehmer.

          Die Anspannung vor dem Finale zwischen Griechenland und EM-Gastgeber Portugal am Sonntag (20.45 Uhr) ist in Lissabon an jeder Ecke spürbar. Die Hauptstadt präsentiert sich schon einen Tag vor dem Anpfiff durch den deutschen Schiedsrichter Markus Merk aus Kaiserslautern in Rot und Grün.

          1000 Euro für eine Karte

          Die Kräfteverhältnisse im mit 65.000 Zuschauer fassenden Estadio da Luz dürften zugunsten der Portugiesen verteilt sein. Denn offiziell stehen den Griechen nur 12.331 Ticket zu. Der Schwarzmarkt blüht. 1000 Euro und mehr werden für eine Eintrittskarte inzwischen verlangt und scheinbar auch bezahlt. Jeder will dabei sein, wenn Portugal oder das Sensationsteam aus Griechenland zum ersten Mal den Silberpokal der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gewinnt.

          Griechenlands Transport- und Kommunikationsministerium hat für die einheimischen Anhänger mindestens 2500 Flugplätze der staatlichen Fluggesellschaft Olympic Airlines zu günstigen Preisen nach Lissabon gesichert. Ziel sei es laut Ministerium, zusätzliche Charterflüge von Griechenland in die portugiesische Hauptstadt zu organisieren.

          In beiden Ländern wird die Partie in den größeren Städten auf riesigen Leinwänden übertragen. Am Samstag liefen Verhandlungen, die restlichen neun EM-Stadien für derartige Veranstaltungen freizugeben. Fest steht: Portugal steht Kopf. Kaum auszudenken, was passiert, sollten die Lusitanier triumphieren und Coach Luiz Felipe Scolari die „Selecao“ als erster Coach der Fußball-Historie die WM (2002 mit Brasilien) und die EM mit zwei verschiedenen Nationalteams gewinnen.

          Rui Costa tritt zurück, Figo wohl auch

          „Die Niederlage im Auftaktspiel war ein Unfall, jetzt sind wir nur noch einen Schritt von der Erfüllung unseres Traumes entfernt“, meinte Torjäger Nuno Gomes und kündigte Revanche für das 1:2 im ersten Gruppenspiel am 12. Juni in Porto an. Für Kapitän Figo und Rui Costa wäre es der ersehnte glanzvolle Abschied aus dem Nationalteam. Rui Costa hat inzwischen seinen Rücktritt angekündigt, bei Figo wird damit nach dem Finale gerechnet.

          Dem verpatzten Start folgten Siege gegen Rußland, Spanien, England und die Niederlande, die den Portugiesen den Rücken und das Selbstbewußtsein stärkten. Der brasilianische Coach Scolari hält sich in den letzten Stunden vor dem Endspiel mit Sprüchen und Prognosen zurück; er brütet stattdessen an einer Strategie für den großen Coup - ebenso wie sein Kontrahent Rehhagel, der schon jetzt einen Heldenstatus genießt.

          Der ehemalige Bundesliga-Meistercoach von Werder Bremen und des 1. FC Kaiserslautern kann sich auf dem Weg zum Highlight seiner Karriere des himmlischen Beistands sicher sein, denn auch Griechenlands Kirchenführer, der Athener Erzbischof Christodoulos, drückt den Blau-Weißen die Daumen. Unabhängig vom Ausgang der Begegnung ist am Montag im Panathinaikos-Stadion, dem Schauplatz der ersten Olympischen Spiele 1896, ein großer Empfang für Mannschaft und Trainer geplant.

          Schachern um Millionen

          Die Spieler sorgten vor dem Endspiel aber auch abseits des Rasens für Schlagzeilen und forderten laut Medienberichten statt der ursprünglich ausgehandelten Prämie von insgesamt 2,3 Millionen Euro (100.000 Euro pro Spieler) eine Erhöhung auf 6,9 Millionen Euro (300.000 Euro). Der Verband habe dafür indes noch kein grünes Licht gegeben, hieß es.

          Für die Erfolge bei der Euro erhalten die Nationalspieler zudem eine stolze Staatsprämie. Das Generalsekretariat für Sportangelegenheiten schüttet den 23 EM-Akteuren im Einvernehmen mit dem griechischen Premierminister Kostas Karamanlis der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia eine Prämie in Höhe von insgesamt einer Million Euro aus.

          Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

          Portugal: 1 Ricardo - 13 Miguel, 16 Carvalho, 4 Andrade, 14 Valente - 6 Costinha, 18 Maniche, 20 Deco, 7 Figo - 17 Ronaldo, 9 Pauleta

          Griechenland: 1 Nikopolidis - 2 Seitaridis, 5 Dellas, 19 Kapsis, 14 Fyssas - 7 Zagorakis, 21 Katsouranis, 6 Basinas, 8 Giannakopoulos - 9 Charisteas, 15 Vryzas

          Schiedsrichter: Markus Merk (Kaiserslautern)

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