https://www.faz.net/-gtl-p981

Interview : Rehhagel: „Die Welt ist ein Wohnzimmer geworden“

  • Aktualisiert am

Rehhagel mit dem portugiesischen Nationaltrainer Scolari Bild: AP

Trainer Otto Rehhagel über den historischen Erfolg seiner Griechen im EM-Finale, kleine und große Mannschaften im Fußball und die Suche nach einem Bundestrainer.

          2 Min.

          Trainer Otto Rehhagel über den historischen Erfolg seiner Griechen im EM-Finale, kleine und große Mannschaften im Fußball und die Suche nach einem Bundestrainer.

          Otto Rehhagel, können Sie den Gewinn des EM-Titels mit der griechischen Nationalmannschaft schon einordnen?

          Dieses 1:0 geht weit über die sportlichen Begriffe hinaus. Es ist phantastisch, daß der Fußball in der Lage ist, an einem Tag alle Menschen zu vereinen, was die Politiker bislang vergeblich versuchen. Es gibt ein Lied dazu, das heißt: Alle Menschen werden Brüder.

          Was war der Hauptgrund für diesen Erfolg?

          Herzlichen Dank der Mannschaft, die sich wunderbar diszipliniert verhalten hat, sie hat das wunderbar hinbekommen. Es ist ja nicht immer einfach, wenn 30 Männer so lange zusammen sind. In drei Jahren ist tatsächlich eine Mannschaft zusammengewachsen, die dieses Wunder vollbracht hat.

          Sie gelten als Kandidat für den Posten des Bundestrainers in Deutschland. Werden Sie Ihren Vertrag in Griechenland bis 2006 erfüllen?

          Es ist an der Zeit, um über die Jungs zu sprechen, sie haben etwas Wundervolles vollbracht. Es wäre fatal, auch nur ein einziges Wort über andere Dinge zu verlieren.

          Was hätten Sie vor der EM geantwortet, wenn Ihnen jemand gesagt hätte, daß Griechenland Europameister wird?

          Wir hatten uns ja qualifiziert für die EM und uns dann vorgenommen zu sehen, wozu diese Mannschaft noch in der Lage ist. Wir konnten nicht ahnen, daß es so weit geht. Wir haben uns zunächst nur auf das Eröffnungsspiel gegen Portugal konzentriert. Wir wollten sehen, ob wir mithalten können.

          Die Favoriten sind bei dieser EM gescheitert. Die Griechen haben Frankreich, Tschechien und zweimal Portugal geschlagen. Sind die Großen kleiner oder die Kleinen größer geworden?

          Die Welt ist ein Wohnzimmer geworden. Die Menschen wissen voneinander alles. Auch die Letten haben ja gezeigt, was man mit einer kleinen Gruppe, mit ein paar guten Leuten zwischen 20 und 30 Jahren, bewegen kann. Dieses Turnier hat eben eine Sensationsmannschaft gewonnen. Es hat ein paar Überraschungen gegeben. Das macht die ganze Geschichte ja so spannend.

          Können Sie im Nachhinein einmal etwas zu Ihrer Taktik sagen?

          Ich plauder' hier doch nicht alles aus.

          Wie bewerten Sie die Leistung von Angelos Charisteas, der bei Werder Bremen kein Stammspieler war?

          Er war vom ersten Tag an bei uns im Kader. Ich habe ihn beobachtet, ich habe ihn spielen sehen. Ich habe gesehen, das ist der Junge, der auf verschiendenen Positionen spielen kann. In Bremen hat er nicht so oft gespielt, aber da muß man meine ehemaligen Spieler Thomas Schaaf und Klaus Allofs schon verstehen. Sie haben andere starke Stürmer im Kader, die Tore am Fließband geschossen haben. Bei uns hat er nicht so viel Konkurrenz. Er hat eine sensationelle EM gespielt.

          Was bedeutet dieser Erfolg für Griechenland?

          Ich freue mich in erster Linie, daß es uns gelungen ist, die Menschen so zu bewegen. Die Griechen neigen in Freude und Trauer zu Übertreibungen. Daß es die Menschen so zusammengebracht hat, ist eine wunderbare Sache, aber sie werden sich auch wieder beruhigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.