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Interview : „Der Mayer-Vorfelder ist sturmerprobt“

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Rummenigge: „Wir stehen nicht gegen ihn” Bild: AP

Bayern-Boß Karl-Heinz Rummenigge in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den DFB-Präsidenten und die Suche nach einem neuen Bundestrainer.

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          Bayern-Boß Karl-Heinz Rummenigge in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den DFB-Präsidenten und die Suche nach dem neuen Bundestrainer.

          Müßte man nicht Otto Rehhagel umgehend zum Bundestrainer machen?

          Eines werde ich nicht tun: einen Kandidaten nennen. Mein Kandidat und der von allen war Hitzfeld. Das hat nicht geklappt. Jetzt muß man schauen, daß man völlig emotionslos und unaufgeregt die beste Alternative findet.

          Aber Rehhagel zeigt doch, daß man mit der richtigen taktischen Einstellung fast jede Mannschaft in einem Turnier weit nach vorne bringen kann. Das wär's doch für die WM in Deutschland 2006?

          Es hängt nicht nur mit Taktik zusammen, sondern mit Fitness, Disziplin, Ehrgeiz und Motivation. Natürlich sind die Griechen von Otto Rehhagel sehr gut eingestellt, aber sie sind fit, diszipliniert und ehrgeizig. Diese Mannschaft erinnert sehr an unsere Mannschaft von der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren.

          Muß es denn für die deutsche Nationalelf unbedingt ein deutscher oder deutschsprachiger Trainer sein?

          Der Kreis der Kandidaten ist sehr begrenzt. Es ist immer leicht, irgendwelche Namen wie Arsene Wenger oder Johan Cruyff in die Veranstaltung zu schmeißen. Was da gemacht wird, ist nicht korrekt. Ein Cruyff würde diesen Job nie machen, er hätte in der Zwischenzeit fünfmal Bondscoach in Holland werden können. Der Wenger wird grundsätzlich mit jedem in Verbindung gebracht. Aber es ist nun einmal ein Fakt, daß er sich bei Arsenal London sehr wohl fühlt.

          Vielleicht will auch nicht jeder internationale Spitzentrainer dem deutschen Fußball dienen.

          Das sehe ich nicht so. Diese Leute stehen alle woanders unter Vertrag, keiner wird aus einem laufenden Vertrag einen Trainer entlassen. Das ist alles nicht so einfach, wie das derzeit geschildert wird.

          Gibt es einen Kandidaten, der sich ausschließt?

          Letzte Woche habe ich mit allen Kollegen gesprochen, da war schon klar, daß die Personalie Daum nicht mehrheitsfähig ist.

          Auch andere bringen sich ins Spiel wie ein Winfried Schäfer. Was halten Sie davon?

          Damit habe ich überhaupt kein Problem. Das halte ich für völlig normal und korrekt, daß ein Schäfer oder ein Matthäus mal Interesse bekunden.

          Aber die Richtigen sind das nicht?

          Das möchte ich gar nicht bewerten.

          Immer mehr unter Druck kommt durch die Trainersuche der umstrittene DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Welche Fehler sehen Sie bei ihm?

          Dafür kann der Mayer-Vorfelder überhaupt nichts. Der hatte sich auf einen Kandidaten konzentriert, und das wäre auch der beste Kandidat gewesen. Doch der Ottmar Hitzfeld hat eben abgesagt. Daraus aber eine Problematik Mayer-Vorfelder zu kreieren, das halte ich für weit hergeholt.

          Doch immer mehr im DFB-Präsidium halten Mayer-Vorfelder nicht mehr für tragfähig.

          Das sind diejenigen, die in der Vergangenheit nichts zu sagen hatten. Wie der Herr Nelle zum Beispiel. Der ist für die Amateure zuständig, und da ist er bestens aufgehoben. Der Mayer-Vorfelder ist sturmerprobt, ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich durch diese Sachen aus der Ruhe bringen läßt.

          Sie sehen keinen Handlungsbedarf, was den DFB-Präsidenten angeht?

          Überhaupt nicht. Leute wie der Schatzmeister Dr. Zwanziger stehen auch loyal zu Mayer-Vorfelder.

          Vielleicht wird das Schlachtfeld auch nur vorsichtig sondiert?

          Trotzdem. Diejenigen, die was zu sagen haben, die haben mit Mayer-Vorfelder kein Problem.

          Sehen Sie seine Wiederwahl im Herbst in Gefahr?

          Er hat kundgetan, daß er sich wiederwählen lassen will, dementsprechend kann man davon ausgehen, daß er im Oktober wieder zur Verfügung stehen wird.

          Der mächtige FC Bayern und sein Vorstandsvorsitzender Rummenigge stehen also hinter Mayer-Vorfelder?

          Wir stehen nicht gegen ihn.

          Das klingt kryptisch. Gibt es Alternativen?

          Ich weiß nicht, ob sich Alternativen aufbauen oder nicht. Ich weiß nur eines, daß man Mayer-Vorfelder jetzt eine Problematik an den Hals hängt, die er nicht zu verantworten hat. Seitdem er da ist, hat man das mit der Nachwuchsförderung doch erst forciert. Als wir die Task Force 2000 hatten, war er einer derjenigen, die mehr Geld vom DFB dafür zur Verfügung gestellt haben. Er ist ein Mensch, der versucht hat, schnell dieses Nachwuchsproblem durch Programme zu lösen.

          Vielleicht gibt es ja andere, tiefgreifendere Probleme mit dem amtierenden Präsidenten?

          Da werden oft alte Rechnungen und Animositäten beglichen.

          Sonst nichts?

          Ich habe durchaus auch meine Probleme mit Mayer-Vorfelder in der Vergangenheit gehabt. Aber in diesem Fall mit Hitzfeld weiß ich, daß er sich größte Mühe gegeben hat. Er hätte vielleicht von Anfang an die ganze Geschichte nicht im Alleingang machen sollen, den einen oder anderen - Franz Beckenbauer oder Werner Hackmann - mit ins Boot ziehen sollen. Möglichweise wäre das taktisch klüger gewesen.

          Sie sind Sprecher des "Arbeitskreises Nationalmannschaft". Werden Sie an der Trainersuche nun beteiligt?

          Ich gehe davon aus, daß dieser Arbeitskreis einbezogen wird. Am Montag hat der DFB seine Präsidiumssitzung. Es wäre nicht gut, wenn man Dinge gegen den Willen der Bundesliga macht. Ich muß aber sagen, daß ich regelmäßig zu Mayer-Vorfelder Kontakt gehabt habe, als es um Hitzfeld ging.

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